Eine Grablampe an einer Grabstätte auf dem Südfriedhof.

Wer organisiert meine Beerdigung?

Menschen sterben immer öfter einsam in Kaiserslautern

Stand
AUTOR/IN
Christina Fleischanderl

Wer organisiert eigentlich die eigene Beerdigung, wenn sich keine Verwandten darum kümmern und man selbst nicht vorgesorgt hat? Das zuständige Ordnungsamt muss in jedem Fall dafür sorgen, dass Verstorbene innerhalb von zehn Tagen bestattet werden. Das schafft man aber nicht immer in Kaiserslautern.

Sterben und niemand ist da. Keine Familie, die sich um die Beerdigung, die Musik oder die Blumen kümmert. In Kaiserslautern ist das bei Bestattungen in den letzten Jahren immer mehr der Fall. Teilweise ist es so, dass die Verstorbenen keine Angehörigen mehr haben. Es gebe aber auch regelmäßig Fälle, wo sich die Angehörigen einfach weigern die Bestattung zu organisieren, so die Stadtverwaltung. Seit drei Jahren steige die Zahl der Beerdigungen konstant an, die die Stadt Kaiserslautern organisieren müsse.

Wenn Angehörige sich nicht kümmern – ein Fall für das Ordnungsamt

Grundsätzlich sind die Angehörigen eines verstorbenen Menschen wie Eltern, Geschwister, Ehepartner oder Kinder bestattungspflichtig. Das bedeutet, dass sie die Bestattung ihres verstorbenen Familienmitglieds organisieren und auch dafür aufkommen müssen. Gibt es jedoch keine Angehörigen mehr oder weigern sich diese, die Beerdigung auszurichten, beginnt die Arbeit für das Ordnungsamt. Uwe Giehl, Seniorchef bei Bestattungen Giehl in Kaiserslautern, erklärt, was dann passiert: "Man merkt, da ist jemand verstorben, aber es kümmert sich keiner. Das Ordnungsamt recherchiert dann und wenn es einen sogenannten bestattungspflichtigen Angehörigen findet, dann müssen die sich nach dem deutschen Gesetz, ob sie wollen oder nicht, um die Beerdigung kümmern."

Kaiserslautern: Immer mehr Bestattungen ohne Familie

Wenn Leute sterben, die wirklich keine näheren Verwandten mehr haben, dann veranlasst das Ordnungsamt eine sogenannte ordnungsbehördliche Bestattung. "Das ist dann die allereinfachste Beerdigung", betont Uwe Giehl. Die Stadtverwaltung Kaiserslautern erklärt dazu, dass sie zunächst die Rechnung des Bestattungsunternehmens und die Friedhofsgebühren zahle. Diese Kosten würden dann aber von etwaigen Angehörigen zurückgefordert.

Wenn sich aber keine finden lassen oder Angehörige sich weigern zu zahlen, bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen. Wenn der Verstorbene vermögend war - es aber keine Erben gibt - kümmert sich meist ein Nachlassverwalter um das Vermögen und erstattet daraus der Stadt die Kosten für die Beerdigung.

Mehr Geld für Bestattungen in Kaiserslautern

Laut der Stadt sind ordnungsbehördliche Beerdigungen in den letzten Jahren konstant gestiegen. Deshalb wurde auch im Stadtrat beschlossen, dass man mehr Geld für diese Bestattungen braucht. Denn: Nach dem Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz muss eine verstorbene Person innerhalb von zehn Tagen beerdigt werden. "Es ist tatsächlich etwas mehr Stress. Manchmal heißt es einen Tag vorher oder am gleichen Tag, da liegt noch jemand im Krankenhaus, wir bitten um Überführung ins Krematorium. Das kann dann schon stressig sein", schildert ein Mitarbeiter vom Kaiserslauterer Beerdigungsinstitut "de Schutter" die Situation. Auch ihm fällt auf, dass diese Fälle in den letzten zwei Jahren mehr geworden sind.

Bestatter Uwe Giehl erklärt dazu: "Die Mühlen der Behörde mahlen langsam. Eigentlich gibt es dieses Gesetz, dass innerhalb von zehn Tagen alles geregelt sein muss. Aus wichtigen Gründen kann diese Frist aber auch beim Gesundheitsamt verlängert werden." Er kritisiert, dass die Bestattung in manchen Fällen aufgrund der Bürokratie zu lange dauert.

Leute haben es dann auch nicht verdient, einfach so rumzuliegen bis die Behörde alles organisiert hat.

Alternde Gesellschaft und weniger Familienzusammenhalt

Die Gründe, warum sich in den letzten Jahren öfter das Ordnungsamt um Bestattungen kümmern musste, weiß auch die Stadt Kaiserslautern nicht genau. Es seien auch keine Studien dazu bekannt, heißt es bei der Stadtverwaltung, man habe aber einige Vermutungen. Unter anderem sterben möglicherweise mehr Leute ohne Angehörige, weil die Gesellschaft immer älter werde und einfach keine Familie mehr da sei. Ein Grund könne auch sein, dass familiäre Bindungen weniger stark seien. Wenn sich Angehörige weigern, die Bestattung zu organisieren, hört man öfters, dass zum Verstorbenen kein Kontakt bestand, dass man zerstritten ist oder kein Geld für eine Bestattung hat, so die Stadt.

Bestattungsvorsorge noch zu Lebzeiten in Kaiserslautern

Da sich unsere Gesellschaft verändert habe, sei eine Bestattungsvorsorge umso wichtiger, meint Bestatter Uwe Giehl. Die Verstorbenen seien nicht immer verheiratet und hätten auch nicht immer Kinder. Hinzu komme, dass Familienmitglieder heutzutage in der ganzen Welt verstreut seien. "Früher war es selbstverständlich, dass man sich gegenseitig hilft und sich kümmert. Heute ist das nicht mehr so in der Gesellschaft."

Bei einer Bestattungsvorsorge sind im Todesfall schon alle wichtigen Dinge geklärt. Einerseits gebe es die Möglichkeit, erklärt Giehl, zu veranlassen, dass Geld für die Bestattung aus dem Nachlass oder der Lebensversicherung zur Seite gelegt wird. Außerdem könne man auch einen Treuhandvertrag über die Bestatter abschließen. Das Geld werde dann beispielsweise auch im Pflegefall nicht angerührt und nur später für die Beerdigung verwendet.

Man kann alles regeln, welcher Grabstein soll es sein und ob das Grab gepflegt werden soll. All diese Dinge können besprochen und geregelt werden.

Trotz Vermögen, kleines Begräbnis

Bei aller Bürokratie kann es vereinzelt auch passieren, wie Giehl erklärt, dass das Ordnungsamt nicht herausfindet, ob jemand vermögend ist. In Einzelfällen bekommen dann Menschen ohne Angehörige, die eigentlich vermögend wären, eine sehr schlichte Bestattung durch das Ordnungsamt. "Wir merken, dass da in manchen Fällen Geld da wäre oder sogar eine Grabstelle. Aber es gibt dann die allereinfachste Beerdigung durch das Ordnungsamt - trotz Familiengrab." Vom Amt heißt es dazu, dass man extrem unterbesetzt sei und man deshalb nicht mehr Zeit in die Recherche investieren könne. Bei diesen Fällen zeigt sich jedoch noch deutlicher, so Giehl, wie hilfreich eine frühzeitige Planung für das eigene Ableben noch zu Lebzeiten wäre.

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Christina Fleischanderl