Georg Gänswein (M), Privatsekretär des verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. steht im Petersdom, wo der Leichnam des emeritierten Papstes aufgebahrt ist. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Michael Kappeler)

Erinnerungsbuch von Papst Benedikts Privatsekretär

Meinung: Prinz Harry und Georg Gänswein: Die Rache ist mein

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Prinz Harry und Georg Gänswein, langjähriger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., sind Brüder im Geiste, meint Martin Rupps. Beide verfolgen mit ihren Lebensbeichten vergleichbare Motive.

Wenige Tage nach Prinz Harry legt nun auch der ehemalige Privatsekretär von Benedikt XVI., Georg Gänswein, ein Buch vor. Beide Namen in einem Satz zu nennen, mag Ihnen ungebührlich erscheinen. Tatsächlich verfolgen beide Autoren vergleichbare Motive: persönlich Rache üben, Legenden bilden.

Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)
Die Meinung von Martin Rupps SWR/Kristina Schäfer

"Nichts als die Wahrheit" lautet der italienische Buchtitel des 66-jährigen Geistlichen aus Riedern am Wald (Kreis Waldshut). Laut dem, was vom italienischen Manuskript bisher bekannt ist, zeichnet Georg Gänswein den kürzlich verstorbenen deutschen Papst in hellem Licht. Papst Franziskus, aus Gänsweins Sicht ein theologischer Linker, fängt dagegen ein paar Watschen ein, etwa für seine Rücknahme der überlieferten Liturgie. Ein mutmaßliches Motiv für die Kritik nennt Georg Gänswein selbst: Über seine Beurlaubung als Präfekt des Päpstlichen Hauses durch Papst Franziskus sei er "schockiert und sprachlos" gewesen.

Neues Buch Gänswein verärgert den Papst

"Nichts als die Wahrheit" verspricht das neue Buch von Georg Gänswein, dem langjährigen Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. Es könnte den Kritikern von Papst Franziskus Auftrie…

Persönlich Rache üben, Legenden bilden

Es entsetzt, nein es amüsiert mich, dass ein Verkünder der christlichen Wahrheit seine persönliche Sicht der Dinge für wahr erklärt. Aber vielleicht schiebt Georg Gänswein ja den Titel auf den Verlag, um den sich auch schon eine Legende rankt. Angeblich schmiss der Verlag die Druckmaschine gleich nach der Beerdigung von Benedikt XVI. an, ohne Wissen des Autors. Georg Gänswein soll sich darüber bei der Chefin des Verlagskonzerns, Silvio Berlusconis Tochter Marina, persönlich beschwert haben. Doch auch für ihn gilt das irdische Gebot „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

Ich bin mal gespannt, ob der deutsche Verlag den Titel der Originalausgabe übernimmt. "Nichts als die Wahrheit" heißt schon ein Buch von Dieter Bohlen.

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