Die Lokführergewerkschaft GDL streikt erneut. So fallen am Hauptbahnhof in Ulm viele Züge der Deutschen Bahn aus. Private Betreiber wie Go Ahead dagegen fahren. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

"Kostendeckung Grundlage für Lohnsteigerungen"

Einigung bei Bahn und GDL: FDP appelliert an Verantwortliche

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Deutsche Bahn und GDL haben sich im Tarifstreit geeinigt. Die 35-Stunden-Woche soll bis 2029 kommen. Der BW-Landeschef Theurer appelierte nun an Management und Belegschaft.

Nach mehreren Warnstreiks im deutschen Bahnverkehr in den vergangenen Wochen haben die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL ihren Tarifstreit beendet, wie die Gewerkschaft am Montagabend mitteilte. Damit sind weitere Streiks vorerst vom Tisch.

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Große Erleichterung beim Bundes-Schienenbeauftragten Theurer

Mit großer Erleichterung hat der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer, der auch Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr ist, auf die Einigung im Tarifstreit reagiert. "Die Streiks haben ja zu drastischen Eingriffen in das Leben der Menschen geführt. Schülerinnen und Schüler kamen nicht zur Schule, Familien konnten nicht zur Arbeit, die Wirtschaft hat gelitten", sagte er im SWR. Daher sei er "einfach nur froh", dass jetzt für längere Zeit ein Tarifvertrag gelten soll.

Gleichzeitig nimmt er das Management der Bahn, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Pflicht. Fernverkehr, Regionalverkehr und auch DB Cargo müssten zusehen, kostendeckend zu arbeiten, denn "das ist ja die Grundlage für Lohnsteigerungen", so Theurer. So müssten in den nächsten Jahren auch Investitionen für mehr Effizienz und Produktivität umgesetzt werden.

Clarissa Freundorfer, Konzernbevollmächtigte der DB für Baden-Württemberg, ist ebenfalls erleichtert, "dass es wieder planbarer wird für die Kunden." Das gelte nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für die Güterverkehrskunden.

Diese Unsicherheit und auch die kurzen Ankündigungen des Streiks waren schon sehr, sehr schwierig.

So sieht die Einigung zwischen DB und GDL aus

Es gebe ein Wahlmodell zur Wochenarbeitszeit für das Schichtpersonal, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. "Die Auseinandersetzung war hart, aber wir konnten uns nun auf einen intelligenten Kompromiss einigen", sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler. "Kernelement ist ein innovatives Optionsmodell, mit dem Mitarbeitende im Schichtdienst künftig selbst über ihre Wochenarbeitszeit entscheiden."

420 Euro mehr in zwei Schritten

Der Korridor gehe bis 2029 von 35 bis 40 Stunden. "Dabei gilt das Leistungsprinzip: Wer mehr arbeitet, verdient entsprechend mehr", erklärte Seiler. Zudem gebe es 420 Euro Lohnerhöhung in zwei Schritten: 210 Euro mehr pro Monat zum 1. August 2024 und nochmal 210 Euro zum 1. April 2025.

Eine Inflationsausgleichsprämie über 2.850 Euro solle in zwei Stufen ab März ausgezahlt werden, so Seiler weiter. Bis Ende Februar 2026 gelte nun Friedenspflicht mit der GDL. Der Tarifvertrag laufe 26 Monate bis zum 31. Dezember 2025, danach folge eine zweimonatige Verhandlungsphase, in der ebenfalls keine Streiks möglich seien.

Weitere Informationen zur Einigung zum Nachlesen bei der Tagesschau:

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