Im neuen Inklusionspark in Hausen am Tann gibt es viele Sportgeräte (Foto: SWR)

Für mehr Miteinander im Alltag

Neuer Inklusionspark in Hausen am Tann eingeweiht

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In Hausen am Tann (Zollernalbkreis) wurde am Wochenende der "Inklusionspark An der Schlichem" eingeweiht. Menschen mit und ohne Behinderung sollen hier gemeinsam Sport treiben.

Der neue Inklusionspark liegt direkt am kleinen Flüsschen Schlichem am Ortsrand von Hausen am Tann. Blaue Klettergerüste und verschiedene Reckstangen gibt es hier. Auch Instrumente aus Metall, etwa ein Glockenspiel, wurden aufgestellt. Das Herzstück ist aber ein Rollstuhl-Parcours.

Mit dem Rollstuhl über Kies und Pflastersteine

Als einer der Ersten testete Steffen Baumgart den Rolli-Parcours. Er sitzt seit drei Jahren selbst im Rollstuhl. Der Parcours war für ihn eine Herausforderung. Schon allein wegen der unterschiedlichen Beläge wie Kopfsteinpflaster und Kies sowie der Holzwippe, die überwunden werden muss. „Das Kopfsteinpflaster ist leicht abschüssig, das geht zügig. Aber dann kommt eine Kante, wie ein Bordstein. Danach kommt Schotter, da ist es sehr schwierig zum Durchkommen,“ meint er nach der Probefahrt.

Die verschiedenen Untergründe und Hindernisse würden einen guten Eindruck vermitteln, welche Hürden Rollstulfahrerinnen und Rollstulfahrer im Alltag zu bewältigen hätten, meint Baumgart. Also sind die Schwierigkeiten realistisch? „Ja, auf jeden Fall,“ bestätigt er.

Steffen Baumgart ist einer der Ersten, die den neuen Rolli-Parcours befahren (Foto: SWR)
Steffen Baumgart ist einer der Ersten, die den neuen Rolli-Parcours befahren

Festliche Einweihung mit Landrat

Zur festlichen Einweihung des Inklusionsparks kamen unter anderem Landrat Günther-Martin Pauli, sowie die ehemalige Biathletin Simone Hauswald und der ehemalige Bundesligahandballer Frank Ettwein. Alle drei durften den Parcours mit einem Rollstuhl befahren und hatten so ihre Schwierigkeiten.

Der Bau des Inklusionsparks ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Hausen am Tann sowie des Albvereins, Musikvereins und des Sportvereins. Die Idee ihn zu bauen stammt von Hermann Schreijäg. Ihm ist nicht nur Barrierefreiheit wichtig, vielmehr geht es ihm darum, dass Menschen mit Behinderung auch wirklich im Alltag teilhaben und teilnehmen können. Deswegen hat er mit einem Freund, der selbst im Rollstuhl sitzt, zusammengearbeitet. Gemeinsam haben sie den Park erdacht und die Hindernisse geplant. So wollten sie im Parcours realistische Situationen schaffen.

Landrat Pauli eröffnet den neuen Inklusionspark in Hausen am Tann (Foto: SWR)
Landrat Pauli eröffnet den neuen Inklusionspark in Hausen am Tann

Inklusion beginnt im Kopf

Inklusion beginnt für Schreijäg im Kopf. Deswegen will er ein Bewusstsein dafür schaffen: „Bewusstsein, was es heißt, im Rollstuhl unterwegs zu sein.“ Darüber hinaus sind ihm Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung wichtig: „Begegnungen, um Ängste zu nehmen.“ Mit dem fertiggestellten "Inklusionspark An der Schlichem" ist er sehr zufrieden.

Auch Sonja Schmid freut sich über die neue Attraktion in Hausen am Tann. Sie hat nicht nur das Fest organisiert sondern auch die Rollstühle für alle, die den Parcours meistern wollen. Das war ihr wichtig, denn sie wollte „den Menschen, die im normalen Leben nicht im Rollstuhl sitzen zeigen, wie schwierig die ganzen Herausforderungen sind. Zugucken, wie jemand im Rollstuhl da durch fährt, ist einfach. Selber machen wird schon schwierig,“ sagt sie gegenüber dem SWR. Das soll den Menschen die Augen öffnen, hofft Schmid. Sie wünscht sich mehr Miteinander und Bereitschaft zur Hilfe, auch im Alltag.

Organisatorin Sonja Schmid, Steffen Baumgart und Initiator Hermann Schreijäg freuen sich bei der Einweihung (Foto: SWR)
Organisatorin Sonja Schmid, Steffen Baumgart und Initiator Hermann Schreijäg freuen sich bei der Einweihung

Viele Spenden für Inklusionspark

Insgesamt hat der neue Inklusionspark 189.000 Euro gekostet. Allein 33.000 Euro stammen aus Spenden. Geld, das gut investiert ist: Am Tag der festlichen Einweihung gelingen Begegnung und Inklusion sichtbar gut. Kinder spielen an den Sportgeräten, Menschen mit und ohne Behinderung durchfahren den Rolli-Parcours, essen und trinken. Ein Fest, das das Ziel des Parks perfekt erreicht: Hauptsache gemeinsam.

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SWR