Ein Feuer lodert auf dem Campus Galli  (Foto: SWR)

Ausflug ins Mittelalter bei Meßkirch

Campus Galli: Herbststürme und loderndes Feuer auf der Klosterbaustelle

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Auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle Campus Galli bei Meßkirch (Kreis Sigmaringen) wird bei Wind und Wetter gearbeitet. Im Herbst ist das eine besondere Herausforderung.

Es herrscht typisches Herbstwetter auf dem Campus Galli bei Meßkirch (Kreis Sigmaringen). Der Regen platscht senkrecht auf den Kiesweg, heftige Windböen fegen die ersten buntgefärbten Blätter durch die Luft. Selbst dem Hahn und seiner Hühnerschar ist es zu unwirtlich – sie springen schnell über die Pfützen und suchen Schutz in der Klosterscheune. Vor der Scheune steht Maurer Mutti. In grüner Wolltunika, ohne Mütze oder Schal und nur mit einer dünnen Leinenhose trotzt er Wind und Wetter. "Solange man trocken ist hält man die Kälte eigentlich relativ gut aus," meint er und grinst das schlechte Wetter einfach weg.

Wichtig ist die richtige Kleidung. Campus Mitarbeiter Julian schwört aufs Zwiebelprinzip. Unter einem dicken, hellbraunen Wollmantel trägt er eine selbst genähte Wolltunika. Dann noch Leinenhose - fertig. Eine lange Unterhose gab es im frühen Mittelalter leider noch nicht. "Geht aber auch so," meint Julian.

Die Klosterscheune im Herbst mit großen Pfützen im Vordergrund (Foto: SWR)
Vor der Klosterscheune auf dem Campus Galli sammelt sich das Regenwasser in grüßen Pfützen.

Erfinderisch muss man auf der Klosterbaustelle sein

An vielen Handwerkerhütten lodern kleine Feuer. Bei der Weberei hängt über der Glut ein Topf aus Eisen. Darin blubbert Wasser. Das wird über die Roggenhalme geleert, die in einem Trog aus Holt, einer Molle, lagern. Aus diesen Halmen werden Strohseile geflochten. Um bei der Arbeit mit dem feuchten Stroh keine klammen Finger zu bekommen, werden die Halme ins warme Wasser gelegt. Auch bei der Töpferei stehen nah am Feuer einige kleinere Tontöpfe mit Wasser. Immer wieder taucht Töpfer Martin seine Finger ins warme Nass, bevor er den Ton mit den feuchten Händen weiterverarbeitet.

Aufgewärmtes Wasser im Eisentopf wird von zwei Mitarbeitern zur Holzmolle getragen. (Foto: SWR)
Maurer Mutti und Hansi tragen auf dem Campus Galli das aufgewärmte Wasser zur Molle.

Vom Mittelalter Energiesparen lernen

Mario steht bei der Schmiede. In der Hand ein schmales, mit Harz bestrichenes Stück Holz, ein sogenannter Kienspan. Der war ein beliebtes Beleuchtungsmittel im frühen Mittelalter. Effizient und energiesparend, so Mario. Was das Sparen von Energie und Ressourcen angeht, da waren die Menschen im frühen Mittelalter uns weit voraus, meint er. "Die Ressourcen, die sie selber herstellen konnten, nur die waren verfügbar", so Mario. In Licht und Wärme wurde vor 1.200 Jahren wesentlich weniger Energie gesteckt als heute.

Ein glimmender Kienspan brennt nahe am Feuer bei der Töpferei auf dem Campus Galli. (Foto: SWR)
Ein Kienspan wird in der Töpferei auf dem Campus Galli am Feuer entzündet.

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