Ein Schild mit der Aufschrift "Universitätsklinikum Freiburg und Notaufnahme" steht vor einem Gebäude. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Seeger)

Steuerfreie Einmalzahlungen und 250 Euro im Monat

Tarifeinigung: Beschäftigte der Unikliniken in BW bekommen mehr Geld

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Der Tarifkonflikt für die Beschäftigten der Unikliniken im Land ist überraschend gelöst. Am Montagabend teilte die Gewerkschaft ver.di mit, dass sie sich mit den Arbeitgebern geeinigt hat.

Der Tarifkonflikt an den Universitätskliniken in Baden-Württemberg ist beigelegt. Die Gewerkschaft ver.di teilte am Montagabend mit, dass jeder der 26.000 Beschäftigten an den vier Unikliniken Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen ab Januar 2024 monatlich 250 Euro mehr Geld erhält. Zuvor hatten sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft zu einer kurzfristig angesetzten vierten Tarifverhandlungsrunde in Stuttgart getroffen.

Beschäftigte erhalten dazu Einmalzahlungen

Ein Sprecher der Gewerkschaft bestätigte dem SWR am Montagabend, dass die Beschäftigten auch mehrere Einmalzahlungen erhalten - insgesamt 3.150 Euro. Noch in diesem Dezember soll eine steuer- und abgabenfreie Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1.200 Euro ausgezahlt werden. Im März 2023 gibt es eine weitere Inflationsausgleichszahlung in Höhe von 1.200 Euro netto. Im Oktober nächsten Jahres soll es dann eine dritte Einmalzahlung geben, dann in Höhe von 750 Euro. Und ab Januar 2024 gibt es monatlich 250 Euro mehr.

Laut dem Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Uniklinika (AGU) steht das Ergebnis noch bis zum 15. Dezember unter einem sogenannten Gremienvorbehalt.

Ver.di zufrieden mit dem Tarifergebnis

Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich am Abend zufrieden mit dem Tarifabschluss. Verhandlungsführerin Irene Gölz sprach von einem hochgradig solidarischen Abschluss in historisch schwierigen Zeiten. Es sei wichtig gewesen, wegen der Inflation nur Festbeträge sowohl bei den Monatsgehältern als auch bei den Einmalzahlungen zu vereinbaren. Ver.di-Landesbezirksleiter Martin Gross erklärte: "Alle Beschäftigten in allen Branchen kämpfen in diesen Monaten in ihren jeweils anstehenden Tarifrunden gegen die Entwertung ihrer Einkommen. Das heutige Ergebnis bei den Unikliniken kann sich dabei im Rahmen der bisher erzielten größeren und kleineren Abschlüsse im Tarifherbst 2022 sehen lassen."

Die beiden AGU-Vorstände Gabriele Sonntag und Udo Kaisers teilten mit, die diesjährigen Entgelttarifverhandlungen hätten sehr viel Kraft gekostet. Trotz der angespannten finanziellen Lage der Uniklinika sei ihnen ein "akzeptabler Abschluss gelungen, der eine schnelle, direkte Unterstützung für die Beschäftigten bietet, dabei besonders auch die unteren Entgeltgruppen im Blick behält und gleichzeitig wirtschaftlich vertretbar ist".

In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Streikrunden an den Unikliniken in Baden-Württemberg gegeben.

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Auch Auszubildende erhalten mehr Geld

Auch die Auszubildenden an den Unikliniken bekommen künftig mehr Geld. Sie erhalten noch in diesem Jahr eine Einmalzahlung von 900 Euro. Ab April 2023 verdienen sie monatlich 115 Euro netto mehr, ab dem 1. Mai 2024 dann 150 Euro.

"Der harte Kampf in Ulm, Freiburg, Tübingen und Heidelberg hat sich auf jeden Fall gelohnt", sagte ver.di-Landesbezirksleiter Martin Gross. Die Azubis hätten sich mit ihrem großartigen Engagement in dieser Runde ihre überproportionale Erhöhung selbst erkämpft und mehr als verdient.

Für die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wurde eine höhere Regeleingruppierung vereinbart, die im Schnitt laut den Angaben über 400 Euro mehr im Monat ausmacht. Die Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung erhalten nach mehreren Monaten Tarifkonflikt und etlichen Streiktagen eine auf 300 Euro verdoppelte monatliche Zulage ab Dezember 2022 und anteilig für Februar bis November 2022 eine Netto-Einmalzahlung von 3.000 Euro.

Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 19 Monate bis zum 30. April 2024. Im Tarifkonflikt hatte die Gewerkschaft vor allem mit Verweis auf die hohe Inflation deutlich höhere Gehälter und rund 10,5 Prozent mehr Geld für Pflegekräfte und Beschäftigte in der Verwaltung gefordert.

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