Ein Tag mit der Flüchtlingssozialarbeiterin Zeyneb Othman (Foto: SWR)

Serie: Neue Heimat im Südwesten

Wie eine junge Frau Geflüchteten den Start erleichtert

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AUTOR/IN
Paula Kersten
ONLINEFASSUNG
Charlotte Schönberger

Warum eine Schultüte manchmal die Welt bedeuten kann, weiß Zeyneb Othman. Sie ist Flüchtlingssozialarbeiterin im Landkreis Emmendingen und hilft Geflüchteten in Südbaden.

Manchmal macht eine Schultüte schon den Unterschied: Wer bei der Einschulung eine hat, gehört dazu. Wer keine hat, wird mitunter schräg angeschaut. Das weiß Zeyneb Othman. Sie arbeitet als Flüchtlingssozialarbeiterin beim DRK Kreisverband Emmendingen. Schultüten seien typisch deutsch, sagt sie, deshalb sei es für geflüchtete Familien alles andere als selbstverständlich, am ersten Schultag an eine Schultüte für ihr Kind zu denken.

"Es ist ganz wichtig für die Kinder, sich am ersten Tag zugehörig zu fühlen und zu wissen: Wir sind jetzt zwar in einem neuen Land, aber wir gehören dazu."

Schultütenbasteln für geflüchtete Kinder

Aus diesem Grund hat Zeyneb Othman eine Bastelaktion in Emmendingen organisiert, bei der geflüchtete Kinder mit ihren Eltern Schultüten gestalten können. Die Flüchtlingssozialarbeiterin hat viel Energie in dieses Projekt gesteckt, das erst durch Spenden ermöglicht wurde. Unter anderem hat sie besorgt, was in Schultüten reinkommt.

Eins darf in der Tüte natürlich auf keinen Fall fehlen: die Süßigkeiten. "Meine Mutter hat damals in meine Schultüte nichts Süßes reingetan, weil sie die Tradition nicht kannte", erzählt Zeyneb Othman, deren Mutter aus dem Libanon stammt. "Deshalb war es mir besonders wichtig, dass die jetzt mit dabei sind!" Und die Eltern mit ihren Kindern sind glücklich über das Angebot. Die meisten Teilnehmenden kommen aus der Ukraine.

Ein Tag mit der Flüchtlingssozialarbeiterin Zeyneb Othman (Foto: SWR)
Ingesamt neun Eltern basteln an diesem Vormittag Schultüten für ihre Kinder.

Personalmangel in der Flüchtlingssozialarbeit

Projekte wie das Schultütenbasteln können sehr viel bewirken, weiß Zeyneb Othman. Doch dafür fehle ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen zwischen all den anderen Aufgaben oft die Zeit. Es gebe zu wenig Sozialarbeiter, die sich um Geflüchtete kümmern, ihnen beim Ankommen in Deutschland helfen.

Hier der SWR4-Hörfunkbeitrag zum Nachhören:

Bürokratie beansprucht viel Zeit

Nach dem Schultütenbasteln geht es für Zeyneb Othman weiter. Zwei Geflüchtete aus Syrien, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind, brauchen ihre Unterstützung: bei der Suche nach einem Deutschkurs und einem Arbeitsplatz. Othman kommt bei solchen Gesprächen zugute, dass sie fließend Arabisch spricht. Nach den beiden Männern aus Syrien wartet eine Familie aus Afghanistan auf sie. Die Familie hat einen Aufenthaltstitel erhalten. Jetzt gilt es, eine Krankenkasse zu finden und verschiedene Formulare einzureichen.

Ein Tag mit der Flüchtlingssozialarbeiterin Zeyneb Othman (Foto: SWR)
Diese afghanische Familie ist im vergangenen Jahr aus dem Kunduz nach Deutschland geflohen. Zeyneb Othman und ihr Kollege Martin Meyer helfen ihnen auch mit den Anträgen.

Mit gutem Gewissen nach Hause gehen

Es sind volle Tage für Zeyneb Othman. Auch weil sie und ihre Kollegen viele Stunden damit verbringen müssen, Anträge auszufüllen. Bürokratie frisst wertvolle Zeit, die dann im Kontakt mit den Menschen fehlt, sagt Zeyneb Othman. Außerdem sei es nicht immer leicht, sich abzugrenzen. Gerade anfangs habe sie viel mitgenommen, auch von den Fluchtgeschichten. „Aber ich denke mir auch, wenn wir acht Stunden täglich gute Arbeit geleistet haben, dann können wir nach Hause gehen und abschalten. Mit gutem Gewissen."

"Neue Heimat im Südwesten" - Folge 2: Yaser und Omar Alabsi

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"Neue Heimat im Südwesten" - Folge 3: Sonja Berger, Hanna und Ghazal

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