"Wenn die Babyboomer weg sind - Neue Arbeitskräfte, andere Regeln?"  So lautete das Motto der Podiumsdiskussion von IHK und SWR am Dienstagabend im SWR Studio Freiburg.

IHK Südlicher Oberrhein lädt zu Diskussionsrunde ein

Talk im SWR Studio Freiburg: Was passiert, wenn die Babyboomer in Rente gehen?

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Rebecca Arens

Fehlende Fachkräfte und Babyboomer im Ruhestand: Das sind große Herausforderungen für die Arbeitswelt. Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben darüber im SWR Studio Freiburg diskutiert.

"Wenn die Babyboomer weg sind - Neue Arbeitskräfte, andere Regeln?" - unter diesem Motto hat am Dienstagabend im SWR Studio Freiburg eine Podiumsdiskussion zum Thema Fachkräftemangel stattgefunden. Zu Gast im Schlossbergsaal waren Simon Kaiser, Ausbildungschef der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, Rüdiger Wapler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nürnberg, Julia Tischer, Juniorchefin des Elztalhotels Winden (Landkreis Emmendingen), Yannick Bury, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr sowie Jasmin Klein, Social-Media-Managerin bei der Firma Alexander Bürkle.

Experte: Arbeitsmarkt seit Corona noch angespannter 

Laut Rüdiger Wapler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg klagen 50 bis 60 Prozent der Unternehmen über Fachkräftemangel.  Vor allem seit Corona sei die Nachfrage nach Arbeitskräften branchenübergreifend extrem hoch. Viele Unternehmen befürchten, so Wapler, dass sich die Situation noch verschärfen werde.

Generation Z sei nicht arbeitsscheu

Gerade die Berufseinsteiger der Generation Z stünden immer wieder im Verdacht, arbeitsscheu zu sein. Das sei ein Vorurteil, sagte Rüdiger Wapler. "Die Gruppe, die am meisten arbeiten will, sind die unter 25-Jährigen", so Wapler weiter. Ausgenommen seien Studierende, die meist in Nebenjobs arbeiteten. Die 23-jährige Social-Media-Managerin, Jasmin Klein, vertrat die Generation Z in der abendlichen Podiumsdiskussion. Die Generation Z, so Klein, sei weder arbeitsscheu noch unmotiviert, man müsse sie nur richtig abholen.  

Bürokratische Hürden erschweren Fachkräftemangel?

Yannick Bury, Bundestagsabgeordneter der CDU, zeigte sich skeptisch, was die Rahmenbedingungen in Deutschland zur Bekämpfung des Fachkräftemangels angehen. Dies beginne, so Bury, bei den Arbeitszeitgesetzen und -regelungen und führe über die Frage "Welche Anreize müssen grundsätzlich gesetzt werden, um den Fachkräftemangel zu beheben" bis hin zu Stichworten wie "Beruf und Familie unter einen Hut kriegen". Deutschland verliere in dieser Hinsicht derzeit ein wenig seinen guten Ruf. Der CDU-Politiker sieht darin ein Problem, aber auch eine Chance: Es sei dringend an der Zeit, mehr Freiräume in der Arbeitswelt zu schaffen.  

Gastgewerbe leidet besonders unter Fachkräftemangel

Das Gastgewerbe gehört zu den Branchen, die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind. Julia Tischer, Juniorchefin des Elztalhotels in Winden, rät, sich den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht zu verschließen: "Wir sind immer auf der Suche", so Tischer. In ihrem Hotel gebe es zwar derzeit genügend Mitarbeitende, aber auch dort fielen immer mal wieder Beschäftigte krankheitsbedingt aus. Die Themen Wohnen und Arbeitsmarkt gingen in ihrer Branche Hand in Hand. "In sehr vielen Fällen kann ich den Mitarbeiter nicht einstellen, wenn ich ihm keine Wohnung anbieten kann", sagte Tischer Das sei ein bestehender Konflikt. Der Fachkräftemangel führe dazu, dass Unternehmen auf Arbeitssuchende zugehen und sich überlegen müssen, was sie ihren Mitarbeitern bieten können.  

So wie mein Großvater den Betrieb geführt hat, würde das heute nicht mehr funktionieren.

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