Ein Schild mit der Aufschrift "Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte" steht vor einem Gebäude an der Universitätsklinik Freiburg. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Seeger (Archiv))

Versorgung laut KVBW trotzdem gesichert

Keine Hoffnung mehr: Notfallpraxis in Bad Säckingen bleibt geschlossen

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Anita Westrup
Anita Westrup (Foto: SWR)

Wer am späten Abend oder am Wochenende in Bad Säckingen dringend einen Arzt braucht, muss auch künftig weit fahren. Die Notfallpraxis in Bad Säckingen bleibt dauerhaft geschlossen.

Eine Nachricht, die buchstäblich Bauchschmerzen bereitet: Die Notfallpraxis in Bad Säckingen (Kreis Waldshut) schließt endgültig ihre Türen. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KV) entschieden - trotz einer Unterschriftenaktion, die das Aus abwenden sollte. Patientinnen und Patienten rund um Bad Säckingen müssen also auch in Zukunft längere Wege und Wartezeiten auf sich nehmen. Und die Notaufnahmen in den umliegenden Krankenhäusern stoßen immer mehr an ihre Kapazitätsgrenzen.

Protest gegen Schließung ohne Erfolg

Eine alltägliche Situation: Man rutscht beim Schnibbeln ab und schneidet sich tief in den Finger. Ausgerechnet an einem Samstagabend. Es blutet und tut weh. Alle Hausarztpraxen sind dicht und die Notfallpraxis in Bad Säckingen seit Ende Oktober vergangenen Jahres geschlossen. Die nächsten Notaufnahmen in Lörrach und in Waldshut-Tiengen sind 30 bis 40 Autominuten entfernt. Wer kein Auto hat, für den kann allein der Weg dorthin zu einer echten Herausforderung werden.

Ein Zustand, den viele nicht hinnehmen wollten. Aus Protest gegen die Schließung ihrer Notfallpraxis hatten die Bad Säckinger erst vor wenigen Tagen 9.000 Unterschriften in Stuttgart abgegeben. Auch Politiker aller Parteien - von Bund, Land und Kommunen - hatten bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart protestiert - vergeblich.

Notfallmediziner Olaf Boettcher vor der geschlossenen Notfallpraxis in Bad Säckingen (Foto: SWR, Clemens Wolfsperger)
Notfallmediziner Olaf Boettcher vor der geschlossenen Notfallpraxis in Bad Säckingen.

Notaufnahmen am Hochrhein an der Belastungsgrenze

Die Notaufnahmen in der Umgebung von Bad Säckingen spüren die Auswirkungen der ausgedünnten medizinischen Versorgung. Ein deutlicher Anstieg der Patientenzahlen in den Krankenhäusern ist zu verzeichnen, wie die Krankenhäuser in Waldshut-Tiengen und die Lörracher Kreiskliniken mit ihren Standorten Schopfheim, Rheinfelden und Lörrach bestätigen. Sie berichten von einer Zunahme der Patienten in der Notaufnahme. Auch Rettungsdienste und Hausärzte in der Region sehen sich an der Grenze ihrer Belastbarkeit.

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KVBW sieht keine Gefahr für die ärztliche Versorgung

Neben der Notfallpraxis in Bad Säckingen bleiben auch die Notfallpraxen in Geislingen (Kreis Göppingen), Künzelsau (Hohenlohekreis), Möckmühl (Kreis Heilbronn) und Waghäusel-Kirrlach (Landkreis Karlsruhe) dicht. Die dauerhafte Schließung der Notfallpraxen hat nach Angaben der KVBW keine schwerwiegenden Folgen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. "Es stehen überall in erreichbarer Entfernung noch Praxen zur Verfügung", teilt die Vereinigung mit. Außerdem wurde der KVBW zufolge in den vergangenen Monaten daran gearbeitet, den Bereitschaftsdienst der anderen Praxen zu verbessern. Das bedeutet, dass ihre Struktur geprüft und der Fahrdienst neu ausgerichtet wurde. Außerdem sollen Ärztinnen und Ärzte bei ihrer Arbeit stärker als bisher auf Telemedizin zurückgreifen können, wozu beispielsweise Patientengespräche per Video gehören.

Auslöser war Fall eines Zahnarztes aus BW

Grund für die Schließung der Notfallpraxen war ein Gerichtsurteil, das die Beschäftigung sogenannter Poolärztinnen und -ärzte in Notfallpraxen in der bisherigen Form für unzulässig erklärt hatte. Das Bundessozialgericht hatte entschieden, dass ein Zahnarzt aus Baden-Württemberg sozialversichert werden muss, wenn er als "Poolarzt" einen von der Kassenärztlichen Vereinigung organisierten Notdienst übernimmt. Wegen des Gerichtsurteils hatte die KVBW Ende Oktober angekündigt, keine "Poolärztinnen" und "Poolärzte" in den Notfallpraxen mehr einzusetzen und den ärztlichen Bereitschaftsdienst neu konzeptionieren zu wollen.

"Poolärzte" übernahmen viele Notdienste

"Poolärzte" sind Medizinerinnen und Mediziner, die keine Kassenzulassung haben, also unter anderem Mediziner, die im Krankenhaus arbeiten, die kurz vor der Facharztanerkennung stehen oder die bereits im Ruhestand sind. Nach Angaben der KVBW hatten diese etwa 40 Prozent der Dienste in den Notfallpraxen freiwillig übernommen. Weil deren Wegfall nicht kompensiert werden könne, schränkte die KVBW das Angebot der Notfallpraxen deutlich ein. Acht Notfallpraxen wurden komplett geschlossen, sechs Praxen teilweise unter der Woche. Zudem wurden in fast allen weiteren Praxen die Öffnungszeiten reduziert.

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