Der Architekt Arno Lederer ist gestorben. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Tobias Hase/dpa | Tobias Hase)

Prägend für Stuttgart

Der Architekt Arno Lederer ist tot

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Magdalena Haupt
Magdalena Haupt, SWR (Foto: SWR)

Gebäude von Arno Lederer prägen das Stadtbild von Stuttgart und vielen anderen Städten. Der Architekt ist am 21. Januar im Alter von 75 Jahren gestorben.

Arno Lederer ist tot. Das bestätigte der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten gegenüber dem SWR. Lederer lehrte von 1985 bis 2014 als Professor an der Universität Stuttgart und gründete gemeinsam mit seiner Frau Jórunn Ragnarsdóttir das renommierte Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei (LRO).

Lederer: Architektur für die Menschen

Als Architekt hat Arno Lederer für die Menschen gebaut: Schulen, Rathäuser, Geschäftshäuser, aber auch Museen und Theater. Mit seinen Entwürfen suchte Lederer den Anschluss an Gebäude und Traditionen einer Stadt, gemäß seinem Leitspruch:

"Zuerst die Stadt, dann das Haus."

In Stuttgart prägten die Architekten um Lederer ein ganzes Viertel mit dem Neubau des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof. Rund um eine Kirche ergänzten die Lederer und seine Partner neue Gebäude, die um einen hellen Innenhof auf früheren Klostermauern gruppiert sind.

Auch der Hospitalhof in Stuttgart trägt die Handschrift seines Architekten Arno Lederer. (Foto: SWR)
Der Hospitalhof in Stuttgart trägt die Handschrift seines Architekten Arno Lederer.

In Plochingen (Kreis Esslingen) wurde 2021 ein Musikzentrum für ehrenamtliche Musikvereine und Chöre eröffnet - entworfen ebenfalls vom Architekturbüro Lederer, Ragnasdóttir und Oei.

Das neue Musikzentrum Baden-Württemberg in Plochingen. (Foto: SWR, Foto: Werner Trefz)
Das neue Musikzentrum Baden-Württemberg in Plochingen. Das Logo ist mit graphischen Elementen verfremdet und passt zu dem modernen Bau. Foto: Werner Trefz

Weitere Gebäude, die Arno Lederer mit seinem Büro entworfen hat: der Neubau des Historischen Museums der Stadt Frankfurt, das Volkstheater in München und das hessische Staatstheater Darmstadt.

Das Eingangsportal des Staatstheaters Darmstadt - entworfen von Arno Lederer. (Foto: SWR, picture-alliance/ dpa/dpaweb | Arne Dedert)
Das Eingangsportal des Staatstheaters Darmstadt - entworfen von Arno Lederer. picture-alliance/ dpa/dpaweb | Arne Dedert

Lederer, der seine Entwürfe nach Möglichkeit immer gern mit der Hand zeichnete, kreierte eine Architektur, die den menschlichen Bedürfnissen entgegenkommen sollte: Formenreich, nachhaltig, massiv. An Treppenhäusern oder Fensteröffnungen verzichtete er oft auf die klassischen rechten Winkel und setzte auf runde, geschwungene Formen.

Einsatz für eine Kulturmeile ohne Autos in Stuttgart

Engagiert in der Initiative "Aufbruch Stuttgart" setzte sich Arno Lederer für ein attraktiveres Kulturquartier in der Landeshauptstadt ein. Die Idee dahinter: die Stadtautobahn B14 verschwinden zu lassen. Möglicherweise ließ er deshalb den Erweiterungsbau der Württembergischen Landesbibliothek, den er entworfen hat, direkt an die Straße angrenzen, die Nachbargebäude sind weiter zurückgesetzt. Bei Verkehr werde immer an das Auto gedacht, so Lederer, dabei gebe es auch Fahrrad- und Fußgängerverkehr.

"Schon lange weiß man, dass die langsamen Verkehre die Stadt sicherer machen und besser machen und dass die Ökonomie des Handels zunimmt."

Arno Lederer und Stuttgart 21: erst Zustimmung, dann Distanz

In der Debatte um das Bauprojekt "Stuttgart 21" nahm Arno Lederer nach anfänglicher Zustimmung zuletzt eine sehr distanzierte Haltung ein, weil sich aus seiner Sicht die Bedingungen nachträglich geändert hätten. Er warf dem Bauherrn Deutsche Bahn eine "liederliche Weiterentwicklung des Projekts" vor. 1997 hatte er als Mitglied des Preisgerichts für das Projekt Stuttgart 21 für den Entwurf des Architekten Christoph Ingenhoven gestimmt. Dieser beinhaltete auch den Abbruch der beiden Seitenflügel. Davon distanzierte sich Lederer später und sprach sich gegen den Abriss aus.

Am Samstag, den 21. Januar 2023 ist Arno Lederer im Alter von 75 Jahren gestorben.

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Es ist noch immer ungewöhnlich, dass Frauen unter den Architekten in der ersten Reihe stehen. Die isländische Architektin Jórunn Ragnarsdóttir gehört zu denen, die das geschafft haben. Die Arbeiten, die sie im erfolgreichen Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei mitverantwortete, sind vielfach preisgekrönt.

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