Es gibt immer mehr Schulabbrecher. (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Über 2.500 Jugendliche gehen ohne Abschluss von der Schule ab

BW liefert Bundesarbeitsagentur keine Daten zu Schulabbrechern - trotz Nahles Kritik

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Henning Otte
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Matthias Roman Schneider

Baden-Württemberg gibt der Bundesagentur für Arbeit bisher keine Daten über Schulabbrecher weiter, obwohl das Land dazu verpflichtet ist. Der Bund wirft dem Land Untätigkeit vor.

Baden-Württemberg gibt der Bundesagentur für Arbeit bisher keine Daten über Schulabbrecher weiter. Das Kultusministerium in Stuttgart erklärte dem SWR, man stehe dem Anliegen der Bundesarbeitsagentur grundsätzlich positiv gegenüber, doch der Datenschutz lasse das bisher nicht zu, obwohl das Land seit einiger Zeit dazu verpflichtet ist.

Nahles: Länder tun zu wenig gegen Schulabbrüche

Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, hatte beklagt, die Länder täten bisher zu wenig, um die Zahl der Schulabbrecher zu verringern. Sie kritisierte in der "Rheinischen Post", die meisten Länder kämen ihrer Pflicht nicht nach, der Bundesarbeitsagentur die Kontaktdaten der Jugendlichen zu übermitteln. Die Betreuung und Begleitung junger Menschen nach einem Schulabbruch müsse verbessert werden. Eine Sprecherin der Bundesarbeitsagentur sagte dem SWR, die Weitergabe der Daten sei seit 1. Juli 2020 gesetzlich festgeschrieben.

Zunächst habe es noch Pilotprojekte zur Umsetzung gegeben, doch seit vergangenem Jahr könnten die Daten übermittelt werden. Bisher lieferten aber nur Hamburg und Bremen vollumfänglich.

Schulgesetz müsse geändert werden um Daten weitergeben zu dürfen

Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte dem SWR, um die Daten weitergeben zu können, müsse das Schulgesetz geändert werden. "Wir arbeiten daran, diese Rechtsgrundlage zu schaffen und im Schulgesetz aufnehmen zu lassen, allerdings wurde das Anliegen zunächst aufgrund der Corona-Pandemie und deren Folgen für die Schulen zurückgestellt." Zugleich verwies das Kultusministerium darauf, dass die Zahl der Jugendlichen, die ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen, seit mehreren Jahren sinke.

Statistisches Landesamt: 2.517 Schulabbrecher jährlich

Im Jahr 2021 waren es laut Statistischem Landesamt 2.517 - Jugendliche mit Behinderung sind hier nicht eingerechnet. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss nehme an Kursen zur Ausbildungsvorbereitung teil, die an beruflichen Schulen angeboten werden. "Der Abgang von der Schule ohne Hauptschulabschluss bedeutet also nicht das Ende der Schulkarriere. Und diese Personen können auch nicht als 'Abbrecher' gesehen werden", sagte der Sprecher.

"Um wie viele Schülerinnen und Schüler es sich handelt, können wir jedoch nicht sagen, da wir keine Schülerindividualdaten erheben."

Der Sprecher des Kultusministeriums betonte, jeder Schüler ohne Abschluss sei ein Schüler zu viel. Deswegen könne eine "berufliche Beratung durch die Agentur für Arbeit durchaus zielführend sein". Er meinte aber auch: "Es gibt in den Schulen bereits zahlreiche Angebote der beruflichen Orientierung, die auch dazu beitragen, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss sinkt." Wann die Daten dazu gesammelt werden dürfen, ist noch nicht klar.

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