Erntehelfer sammeln Gurken auf einem Feld des Agrarbetriebs Gemüsefischer.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  Jens Büttner)

Konkurrenz aus dem Ausland

Obst- und Gemüsebauern in Baden-Württemberg leiden unter hohen Kosten

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AUTOR/IN
Susanne Henn
ONLINEFASSUNG
Christoph Mautes

Die Obst- und Gemüsebauern in BW stehen unter Druck. Die Produktionskosten sind für sie so hoch, dass sie kaum mehr wettbewerbsfähig produzieren können - und das hat Folgen.

Wenn man die Deutschen fragt, dann geben viele an, dass sie am liebsten Obst und Gemüse aus der Region kaufen. "Wir haben aber oftmals die Erfahrung gemacht, dass die Herkunft gar keine Rolle spielt. Hauptsache die Ware ist schön und preisgünstig", sagt Hans Lehar, Geschäftsführer der Obst und Gemüse-Absatzgenossenschaft in Bruchsal (Kreis Karlsruhe).

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Diese Ware komme dann häufig aus dem Ausland. Denn dort sind die Produktionskosten deutlich geringer. "Wir haben wesentlich höhere Standards, die wir einhalten müssen. Wir haben auch sehr viel mehr Verbote im Bereich Pflanzenschutz und Düngung, die es anderswo nicht gibt", so Lehar.

Außerdem sei der Mindestlohn selbst innerhalb der EU sehr unterschiedlich. In Deutschland liegt er bei zwölf Euro. In Spanien oder Osteuropa dagegen liege er bei vier bis fünf Euro. Das führt zu immensen Unterschieden in der Kalkulation.

Gemüsebauern machen beim Verkauf Verluste

Das hat Folgen, zum Beispiel für die deutschen Spargel- und Erdbeerbäuerinnen und -bauern, denn die bekommen ihre Ware nicht immer kostendeckend verkauft.

Im Moment seien die Spargelpreise noch akzeptabel.  Doch: "Wir hatten letztes Jahr die Situation, dass die Spargelproduzenten die Ernte frühzeitig abgebrochen haben, weil die Erlöse die Kosten einfach nicht mehr gedeckt haben", berichtet Lehar.

Auch Obstbauern haben Probleme

Auch die Erzeugerinnen und Erzeuger von Erdbeeren haben auf etlichen Feldern nicht gepflückt, weil das teurer wäre, als die Ware verrotten zu lassen. Immer mehr von ihnen hören ganz auf. Und auch bei den Obstbäuerinnen und -bauern, etwa am Bodensee lief es schon mal besser

"So schlecht wie im Moment war die Stimmung noch nie"

Denn die Betriebe hätten noch viele Äpfel in den Lagern, aber günstigere Ware, vor allem aus Osteuropa, drücke die Preise. Momentan bekommen die Apfelbäuerinnen und -bauern im Schnitt 25 Cent pro Kilo, um die Kosten decken zu können, müsste es doppelt so viel sein.

Preise selbst für die ausländische Konkurrenz zu niedrig

Die jetzigen Preise - so Bernhard - lohnten sich vermutlich auch für die Kollegen in Osteuropa nicht. Aber auch die müssten die Lager leer bekommen. "Die Äpfel sind in den Lagern. Die produzieren aktuell nur Kosten", sagt Bernhard.

Und wenn die neue Ernte kommt, muss wieder Platz sein. Denn ein Problem haben alle: In einem guten Erntejahr gibt es in Europa einfach zu viele Äpfel und dann gibt es auch noch das Angebot aus Übersee, etwas aus Neuseeland. Und davon - so Bernhard - profitiert der Handel.

"Gute Ware kostet im Laden 2,49 Euro. Bei uns kommen 25 Cent an. Das ist zu wenig."

Irgendwo bleibe das Geld hängen. Aber eben nicht bei den Obstbäuerinnen und -bauern. Denn auch von denen geben immer mehr auf. Aber die Konkurrenz kommt nicht nur aus dem Ausland. Auch in Deutschland gibt es einen Verdrängungswettbewerb, nur die großen Betriebe machen wirklich noch Profit Und deshalb könnte regionales Obst und Gemüse aus Baden-Württemberg in Zukunft seltener werden.

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Susanne Henn
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