Im alten Eisstadion in Mannheim sind schon die Abrissbagger am Werk

Kindheitserinnerungen lösen Gänsehautmomente bei Bauleiter aus

"Mach's gut, altes Haus" - Bauleiter reißt wehmütig altes Eisstadion in Mannheim ab

Stand
Autor/in
Michaela Dymski

Zahlreiche Gebäude hat Christian Werner schon abgerissen. Aber der Abriss des alten Eisstadions in Mannheim ist anders für ihn. Hier hat er schon als kleiner Junge beim Eishockey zugeguckt.

Im Mannheimer Eisstadion sind früher die Rolling Stones aufgetreten, Tina Turner und Bon Jovi. Bis 2005 war es die Heimspielstätte der Adler Mannheim. Jetzt gehen die Abrissarbeiten der Kultstätte in die entscheidende Phase. Seit vergangener Woche werden die Kassenhäuschen und Garagen abgerissen. Für Bauleiter Christian Werner ist dieser Abriss ganz besonders und mit viel Wehmut verbunden, denn hier hat er schon als kleiner Junge beim Eishockey zugeguckt.

Gänsehaut pur bei Bauleiter Christian Werner - aber Job ist nun mal Job  

Ein altbekanntes historisches Stück Mannheims wird gerade unter Aufsicht von Bauleiter Christian Werner dem Erdboden gleich gemacht. Das alte Eisstadion am Friedrichspark aus dem Jahre 1939 ist jetzt schon nicht mehr das, was es mal war. Kassenhäuschen, Garagen und WC-Anlagen sind bereits weg. Jetzt geht es an die riesige Dachkonstruktion. Die einstige Heimat der Adler Mannheim wird kurz und schmerzlos Stück für Stück platt gemacht. Ein trauriger Abschied von einer Mannheimer Kultstätte für Christian Werner.

Ich kriege Gänsehaut. Wehmut ist dabei, aber es ist eben so. Die Zeit ist gezählt.

Das alte Eisstadion in Mannheim wird nach und nach abgerissen. Duch eine geborstene Scheibe sieht man Schutt im Stadion liegen
Das alte Eisstadion in Mannheim wird nach und nach abgerissen


Er hat schon als "kleiner Bengel" in der ersten Reihe gesessen


Christian Werner muss hautnah dabei zusehen, wie das alte Eisstadion dem Erdboden gleich gemacht wird. Für ihn ist das mit viel Wehmut verbunden. Denn er ist nicht nur der Technische Projektleiter vor Ort und für den Abriss verantwortlich, sondern auch Fan des alten Eisstadions am Friedrichspark in Mannheim. Er kennt das Stadion in- und auswendig, sagt er. Denn schon als "kleiner Bengel" sei er hier hergekommen, um die Eishockeyspiele der Mannheimer Adler zu sehen, damals noch unter dem Namen MERC, Mannheimer Eis- und Rollsport-Club. Vor knapp 20 Jahre zogen die Adler dann in die SAP Arena um.

Christian Werner, Technischer Projektleiter des Amts Mannheim und Heidelberg des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Christian Werner, Technischer Projektleiter beim Abriss des Eisstadions am Friedrichspark hat hier als Kind beim Eishockey in der ersten Reihe gesessen

Erich Weishaupt 1:0 gegen EV Füssen, ganz vorne in der ersten Reihe. Das macht heute noch Gänsehaut.

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Gänsehautmomente auf der Baustelle

Langsam arbeitet sich der Abrissbagger in den Innenraum des historischen Stadions vor. Viele Schutthaufen haben sich rund ums alte Eisstadion aufgetürmt. Und dann taucht etwas auf, was alte Erinnerungen bei Christian Werner wach werden lässt: Im Gebüsch unter einem Baum steht ein altes Eingangs-Drehtor: Hüfthoch mit drei Stangen, die man früher selbst weiterdrehen musste, um ins Eisstadion zu kommen. Werner bleibt stehen, hält inne und bekommt Gänsehaut, wie er sagt. Ganz am Anfang habe da ja noch jemand gestanden und die Eintrittskarten abgerissen. Es sei wie im Schwimmbad gewesen mit der Abrisskarte, und dann sei das elektronische Kartensystem gekommen mit diesem Drehtor.

"Da kommen schon Erinnerungen hoch. Das ist 40 Jahre her. Da fehlen einem die Worte."

Das Eingangs-Drehkreuz mit drei Stangen ist heute von Pflanzen überwuchtert
Früher musste man durch dieses Drehtor, um ins Eisstadion am Friedrichspark zu kommen


Ein Relikt bleibt erhalten und zieht bald um


Ein kleiner Trost für alle Fans des alten Eisstadions: Ein altes Relikt bleibt nämlich erhalten und zieht bald um, sagt Bauleiter Christian Werner stolz. Sie würden ein altes Stück der Stehplatzränge aufheben, erklärt er. Und es werde auf dem Udo-Scholz-Platz an der SAP Arena wieder aufgebaut. Damit hätten die Fans aus Mannheim auch eine kleine Erinnerung an das alte Eisstadion am Friedrichspark.


Bildungsstätte statt Sportstätte: Studenten statt Sportler


"Jetzt ist es Zeit für Neues", sagt Marco Grübbel, Leiter beim Amt Mannheim und Heidelberg von Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Die Universität Mannheim plant, hier drei Erweiterungsgebäude für die Philosophische Fakultät zu bauen. In den nächsten Jahren sollen hier die neuen Gebäude der Universität Mannheim entstehen, so Marco Grübbel. Die Grünfläche des Friedrichspark bleibe weitgehend erhalten, neu gebaut werde am Rand. Der Friedrichspark solle wieder begrünt und verschönert werden, so dass ein guter Aufenthaltsort entstehe, sagt Marco Grübbel.

Noch ist das alte Eisstadion gut zu erkennen, aber die Sitzreihen sind schon weg
Noch ist das alte Eisstadion gut zu erkennen, aber die Sitzreihen sind schon weg

Kaum noch was los in den letzten 20 Jahren im alten Eisstadion

Das alte Eisstadion glich einem Lost Place. Seit fast 20 Jahren habe das marode Eisstadion mittlerweile so gut wie leer gestanden, sagt Bauleiter Christian Werner. Nach dem Umzug der Adler in die SAP Arena wurde die Sportstätte noch für Inlinehockey-Spiele vom ISC Mannheim genutzt. Bis vor einigen Jahren wurden hier auch noch einige Public Viewing-Events veranstaltet, wie die Übertragung des Saisonfinales der Handball-Bundesliga 2016, bei dem die Rhein-Neckar-Löwen ihren ersten Meistertitel holten. Zuletzt gab es ein Public Viewing bei der Fußballweltmeisterschaft 2018, sagt Werner.

Im alten Eisstadion in Mannheim sind schon die Sitze abgerissen
Wo früher die Rolling Stones auftraten, liegen jetzt Holzbretter und Schutt herum

Hin und wieder hätten hier auch noch Konzerte stattgefunden. Früher waren hier große Stars aufgetreten. Die Rolling Stones hätten hier vor 10.000 Besuchern gespielt, erinnert sich Christian Werner, das sei 1973 gewesen.

Das alte Eisstadion habe seine Zeit gehabt - jetzt müsse es weg, sagt er ganz pragmatisch aus fachlicher Sicht als Bauleiter. Aus menschlicher Sicht ist Christian Werner aber auch traurig.

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