Mit einem Breakdance-Projekt in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) wird Integration quasi ertanzt, gemeinsam in der Gruppe.  (Foto: SWR)

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Breakdance-Projekt in Buchen: Tanzen für die Integration

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Friederike Kroitzsch

Über 2.000 Deutsche aus Russland hat die Stadt Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) allein in den 90er-Jahren aufgenommen. Die Integration funktioniert über ein ungewöhnliches Freizeit-Projekt.

Laute Musik wummert in einer kleinen Schul-Turnhalle in Buchen. Ein Dutzend Kinder und Jugendliche turnen, zappeln, dehnen sich, tanzen vor riesigen Spiegeln. Manchmal schaut Stas hier noch vorbei: Stanislav Lasarev. Elf Jahre alt war er, als er an der Hand der Eltern nach Deutschland, in den Neckar-Odenwald-Kreis kam. So richtig zuhause fühlte er sich nicht, aber es gab ein paar Kumpels, mit denen war Stanislav immer mal wieder unterwegs und machte ein bisschen Breakdance auf der Straße. Und dann traf er Volker Schwender aus Buchen.

Buchener Lehrer startete das Tanz-Projekt

"Wir hatten damals monatelang Diskussionen im Gemeinderat, wie wir die Neubürger integrieren können", erinnert sich Schwender. Der Buchener Lehrer gründete schließlich auf eigene Faust ein neues Freizeitangebot für die Jugendlichen: Dreimal die Woche öffnete er eine kleine Schulturnhalle, damit die jungen Deutschen aus Russland hier eigenverantwortlich Breakdance trainieren konnten.

Zahlreiche Meistertitel ertanzt

"Ich selber kann nicht tanzen, ich konnte die also auch nicht anleiten, aber die haben alles aus dem Internet angeschaut und es dann hier nachgetanzt", sagt Schwender. "So hat das dann damals geklappt!"

Das ist die sehr bescheidene Umschreibung für die Tatsache, dass es inzwischen zahlreiche Formationen aus Volker Schwenders Projekt in Buchen gibt, die Deutsche Meister, Europameister, Vizeweltmeister und Weltmeister geworden sind. Auch Stas, einer der Tänzer der ersten Stunde, war später so erfolgreich, dass er selber Trainings anbieten konnte und mit eigenen Formationen weltweit an Wettbewerben teilnahm.

Integration wird ertanzt

In der kleinen Buchener Turnhalle hat das alles angefangen, und seit Jahren findet das Training weiter dreimal die Woche statt, auf dem Hallenboden und auf Matten werden Verständigung, Freundschaft und Integration quasi ertanzt, gemeinsam in der Gruppe.

"Ich bekomme auch Rückmeldungen von Lehrern, dass die Jungs und Mädchen, die hier trainieren, plötzlich auch in der Schule viel besser mitmachen."

Das Breakdance-Projekt aus Buchen leitet seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration, so Schwender. Und nicht nur das: "Wir machen hier vielleicht auch Prävention. Denn wer dreimal in der Woche zum Training kommt, und ein richtig guter Breakdancer werden will, hat kaum noch Zeit, auf dumme Gedanken zu kommen", so Schwender weiter.

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