Eisbären sind in einem großen Käfig mit Wasserfall (Foto: Pressestelle, Zoologischer Stadtgarten Karlsruhe, Timo Deible)

Zum Internationalen Tag des Eisbären

Eisbären im Karlsruher Zoo: heiße Liebe oder eiskalte Abfuhr?

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AUTOR/IN
Felix Wnuck
Ein Porträt Foto von Felix Wnuck (Foto: SWR)
Theresa Ehrl

Vor ungefähr einem Jahr zog Eisbär-Männchen Lloyd zur Eisbär-Witwe Charlotte in den Zoo Karlsruhe. Sind sich die beiden mittlerweile näher gekommen oder zeigen sie sich die kalte Schulter?

Das Eisbären-Gehege im Karlsruher Zoo ist ein kleiner Besuchermagnet. Nicht zuletzt wegen des großen weißen Felsens, der in der Mitte steht. Auch die riesigen Eisbären ziehen die Blicke auf sich. Denn so ein Raubtier kann ziemlich groß und schwer werden: von Kopf bis Fuß um die 2,50 Meter und bis zu 500 Kilogramm schwer.

Das war es auch, was Tierpflegerin Anja Fielenbach an den Tieren so fasziniert.

"Ich finde den Eisbären als eines der größten Landraubtiere der Welt einfach super interessant."

Eisbären sind in einem großen Käfig mit Wasserfall (Foto: Pressestelle, Zoologischer Stadtgarten Karlsruhe, Timo Deible)
Tierpflegerin Anja Fielenbach findet die Eisbären im Karlsruher Zoo besonders spannend.

Lloyd und Charlotte leben lieber getrennt

Momentan beherbergt das Gehege zwei Bären: Lloyd, der nach dem Tod von Eisbär-Männchen Blizzard nach Karlsruhe gekommen ist, sowie Eisbär-Dame Charlotte. Allerdings leben sie lieber neben- als miteinander. Anfänglich waren die Sympathien zwar groß, aber laut Anja Fielenbach wollte Eisbär-Dame Charlotte dann doch lieber allein sein.

Außerdem sind die beiden Onkel und Nichte, also nahe Verwandte. Nachkommen und eine Eisbär-Zucht wären also sowieso nicht möglich. Trotzdem ist sich Marco Roller, Tierarzt im Karlsruher Zoo, sicher, dass hier ein Beitrag zum Erhalt der Art und deren Überleben geleistet wird.

"Wir Zoos denken in ganz vielen Artenschutzbereichen nicht so kurzfristig. Unser Ziel ist ein langfristiger Schutz."

Tierarzt Marco Roller vor dem Eisbären-Gehege im Karlsruher Zoo (Foto: Pressestelle, Timo Deible/Zoo Karlsruhe)
Tierarzt Marco Roller ist sich sicher, dass der Karlsruher Zoo einen Beitrag zum Erhalt der Eisbären leistet.

Zoo Karlsruhe denkt langfristig

Denn auch wenn aktuell noch keine Eisbären in die Wildbahn entlassen werden, kann sich das in Zukunft ändern. Ein Beispiel ist für Marco Roller das Wisent (europäischer Bison). Diese Wild-Rinder wären ohne Zoos ausgestorben. Ähnlich könnte es den Eisbären ergehen.

Darauf aufmerksam macht der Internationale Tag des Eisbären am 27. Februar. Dabei soll daran erinnert werden, dass das Überleben der Eisbären in der Arktis durch den Klimawandel immer mehr bedroht wird. Noch gibt es ungefähr 25.000 Eisbären. Die Naturschutzorganisation WWF warnt, dass bis 2050 zwei Drittel der Eisbären ausgestorben sein könnten.

Klimawandel bedroht Eisbären

Grund dafür ist der Temperaturanstieg durch den Klimawandel, der sich in der Arktis besonders deutlich bemerkbar macht. Durch ihn schmilzt das für die Eisbären so wichtige Packeis. Weniger Packeis heißt mehr Hunger für die Raubtiere. Denn Eisbären jagen am Packeis nach ihrer Hauptnahrungsquelle: Robben.

In Zoos gibt es diese Probleme erst einmal nicht. Allerdings gibt es trotzdem Kritik an der Eisbär-Haltung. Die Grünen in Karlsruhe haben vor fast einem Jahr eine Diskussion darüber angestoßen. Die Partei findet das Gehege im Karlsruher Zoo zu klein, auch wenn es bedeutend größer als in vielen anderen Zoos ist.

Grüne sehen Eisbär-Haltung kritisch

Dazu zeige zumindest Eisbär-Dame Charlotte Anzeichen von negativen körperlichen und psychischen Folgen durch die Haltung im Gehege. Sie laufe hin und her und ließe ihren Kopf kreisen, bevor sie wieder umkehre, erzählt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Karlsruhe, Renate Rastätter.

Grundsätzlich sei Renate Rastätter für die Aufklärung, die die Zoos leisten. Auch sei sie nicht gegen die Arterhaltung durch Zoos. Aber eben genau das sei ihr wichtig: Tierhaltung in Zoos sei nur dann sinnvoll, wenn die Chance besteht, die Tiere irgendwann wieder auszuwildern.

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