Symbolbild "Junge Fachärzte" (Foto: IMAGO, Imago / Daniela Romereo)

Gegen den Hausärztemangel

Angebot zur Weiterbildung soll junge Ärzte in die Region Karlsruhe locken

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Katharina Raquet
Bild von Katharina Raquet (Foto: SWR, Patricia Neligan)
Johannes Stier

Viele Menschen finden keinen Hausarzt mehr. Im Raum Karlsruhe bekommen junge Mediziner jetzt Hilfe bei der entsprechenden Facharztausbildung. So will man Nachwuchsärzte in die Region locken.

Viele Hausarztpraxen haben Aufnahmestopp. Es fehlen Ärztinnen und Ärzte im Landkreis Karlsruhe und mittlerweile auch in der Stadt Karlsruhe. Die Ärzte, die es gibt, sind häufig überlastet, Praxen nehmen teilweise keine Patientinnen und Patienten mehr an.

Hilfe für Mediziner bei Facharztausbildung

Um gegen diese Misere anzugehen, ist ein Weiterbildungsverbund gegründet worden, um die Facharztausbildung nach dem Studium zu erleichtern und so junge Mediziner in die Region zu locken. Ärzte und Kliniken sind Teil dieser Weiterbildungskooperation - so auch Allgemeinmediziner Dr. Kawe Sadreameli aus Kronau. Er unterstützt junge Mediziner in diesem Projekt.

Die Erfahrung zeige, viele Ärzte lassen sich in der Region nieder, in der sie ihre Facharztausbildung gemacht haben, erklärt Kawe Sadreameli. Mit dem neu gegründeten Weiterbildungsverbund wolle man fördern, dass dies der Raum Karlsruhe sein wird. SWR-Moderatorin Katharina Raquet hat mit dem Mediziner aus Kronau gesprochen.

SWR Aktuell, Katharina Raquet: Herr Sadreameli, was genau ist dieser Weiterbildungsverbund, der da gegründet wurde?

Dr. Kawe Sadreameli: Der Weiterbildungsverbund, der jetzt gegründet wurde, ist ein Zusammenschluss von Kliniken und niedergelassenen Ärzten, um den jungen Ärztinnen und Ärzten, die sich in der Weiterbildung zum Facharzt befinden, eine bessere Möglichkeit zu bieten, diese auch inhaltlich zu gestalten. Die Facharztausbildung hat gewisse Vorgaben, die geleistet werden müssen. Und um diese auch in einem guten zeitlichen Rahmen leisten zu können, müssen die jungen Ärzte verschiedene Abteilungen durchlaufen. Der Weiterbildungsverbund hilft dabei, dies besser zu strukturieren, zu koordinieren, sodass sich die jungen Ärzte einfach im Wesentlichen auf die Inhalte konzentrieren können und weniger mit organisatorischen Dingen Zeit verschwenden müssen.

SWR Aktuell: Das heißt also, es wird den jungen Ärztinnen und Ärzten einfacher gemacht, die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner zu machen und entsprechende Praxen zu finden. Aber warum sollen die dann anschließend auch hier in der Region bleiben?

Dr. Kawe Sadreameli: Also wenn man sich das anschaut, wer sich in den Praxen niederlässt oder sich bis jetzt niedergelassen hat, dann zeigt sich eigentlich ganz deutlich der Trend, dass Ärzte, die sich niederlassen, in der Regel immer aus Krankenhäusern in der Region sind. Wer jetzt seine Facharztausbildung abschließt, bleibt zu einem Großteil in der gleichen Region und lässt sich dort nieder. Das ist klar, denn er kennt die Strukturen, kennt die Häuser, man kennt auch den einen oder anderen Kollegen persönlich. Und das sind halt unschätzbare Vorteile, die einem die Arbeit erleichtern und letztendlich auch den Patienten dann zugute kommen können.

Zur Vertragsunterzeichnung im Landratsamt Karlsruhe sind am Freitag, 13. Januar, die Akteurinnen und Akteure aus den Kommunen und der Medizin zusammengekommen, um den Weiterbildungsverbund für Hausärztinnen und -ärzte zu besiegeln. (Foto: Landratsmat Karlsruhe )
Weiterbildungsverbund für Hausärztinnen und -ärzte: Vertragsunterzeichnung im Landratsamt Karlsruhe am Freitag, 13. Januar Landratsmat Karlsruhe

SWR Aktuell: Es ist ja jetzt schon so, dass auch in Karlsruhe, also auch in der Stadt, nicht alle frei werdenden Hausarztpraxen nachbesetzt werden können. Und in Stadt und Landkreis Karlsruhe sind über 37 Prozent der Hausärzte über 60 Jahre alt. Es wird dann auch eine große Ruhestandswelle geben. Kann denn so ein Weiterbildungsverbund viel bewirken? Also richtig viele Ärztinnen und Ärzte hierher locken?

Dr. Kawe Sadreameli: Das ist eine gute Frage. Also die Situation, die jetzt schon sehr angespannt ist, aufgrund des Mangels an niedergelassenen Hausärzten auf dem Land schon länger, und jetzt auch in den Städten spürbar ist, ist natürlich durch solch einen Weiterbildungsverbund nicht dadurch zu lösen. Dass wir jetzt dadurch mehr Ärzte generieren, das ist nicht möglich. Aber wir wollen den Ärzten, die jetzt hier sind oder die vielleicht davon mitbekommen, dass hier in unserer Region solch ein Weiterbildungsverbund gegründet wurde, die Möglichkeit bieten, besondere Anreize wahrzunehmen. Wenn sich also jetzt herumspricht, dass sich hier ein Weiterbildungsverbund für die jungen Ärzte einsetzt, ist das natürlich ein großes Plus für unseren Standort. Es zeigt halt auch: Hier werden die jungen Ärzte wertgeschätzt und wahrgenommen und nicht einfach nur als Arbeitskräfte verheizt. Das ist ganz, ganz wichtig.

SWR Aktuell: Wie ist es denn bei Ihnen in der Praxis? Sie haben ja eine Hausarztpraxis in Kronau. Wie ist da die Lage im Moment?

Dr. Kawe Sadreameli: Ich bin allein in einer Einzelpraxis und ich hatte lange keinen Aufnahmestopp. Aber seit Ende letzten Jahres musste auch ich meine Tore sozusagen für neue Patienten schließen. Weil es von der Menge einfach nicht mehr zu bewältigen war.

SWR Aktuell: Ist es eine Option für Sie, einen weiteren Arzt in ihre Praxis mit aufzunehmen?

Dr. Kawe Sadreameli: Ich hätte vom Aufwand her, von der Patientenanzahl und vom Inhalt ohne weiteres die Möglichkeit, einen oder sogar zwei Ärzte anzustellen. Da braucht man natürlich auch die räumlichen Möglichkeiten dafür. Das wäre jetzt bei mir auch gegeben, eine Weiterbildungsbefugnis habe ich auch. Nur so sehr man sich auch bemüht, es gibt so wenig junge Ärzte, die sozusagen ansprechbar oder verfügbar sind. Und dann muss man natürlich Anreize bieten. Anreize im Arbeitsleben gibt man dadurch, dass man den jungen Leuten auch eine vernünftige Balance zur Verfügung stellt, zwischen Arbeit und Nichtarbeit.

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