Antonio mit Matthias (Foto: Privat)

Opfer um mehrere tausend Euro gebracht

Gefälschte Überweisungen - Geflohener Betrüger angeblich in Karlsruhe aktiv

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Rebekka Plies
Ein Bild von Rebekka Plies (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Ist ein bundesweit gesuchter und verurteilter Betrüger in Karlsruhe unterwegs? Unter anderem über soziale Netzwerke soll er junge Menschen um tausende Euro gebracht haben. Zwei Opfer haben jetzt Anzeige erstattet.

Er lernt Menschen über soziale Netzwerke kennen, freundet sich an. Doch kurze Zeit später wird das Vertrauen der meist jüngeren Menschen gnadenlos ausgenutzt. Viele werden um tausende Euro betrogen und noch dazu beklaut. Die Spur des einschlägig vorbestraften und verurteilten Raphael K. zieht sich durchs ganze Bundesgebiet und im April 2022 tauchte er in Karlsruhe unter dem Namen Matthias auf.

Matthias vor dem Karlsruher Schloss (Foto: Privat)
Matthias zog mit seinen neuen Bekanntschaften aus Karlsruhe gerne durch die Innenstadt und ums Karlsruher Schloss. Privat

Zwei Geschädigte aus Karlsruhe erzählen ihre Geschichte

Antonio ist 16 Jahre alt und lernte Matthias Ende April 2022 über das soziale Netzwerk "Jodel" kennen. Sie verabredeten sich mit einigen Leuten in der Karlsruher Innenstadt und zogen um die Häuser. Maria ist 25 Jahre alt und lernte Matthias in einem Karlsruher Club kennen. Sie fanden sich auf Anhieb sympathisch und verbrachten, wie auch mit Antonio, in den darauffolgenden Tagen viel Zeit miteinander.

"Er war sehr sympathisch, offen und interessiert an mir. Wir hatten einfach eine gute Zeit zusammen."

Nach dem Vertrauen kommt das komische Bauchgefühl

Matthias zeigte sich spendabel, bezahlte Drinks oder lud sowohl Antonio, als auch Maria zum Essen ein. Er machte beiden Versprechungen, trotzdem überwog zunächst das gute Gefühl jemanden kennengelernt zu haben, dem man in kurzer Zeit nah gekommen war.

"Irgendwann hatte ich ein komisches Bauchgefühl und auch meine Freunde haben mich gewarnt, aber ich wollte einfach nicht darauf hören. Wir haben uns einfach so gut verstanden."

Mit der Zeit traten aber auch die ersten Ungereimtheiten auf. Ist Matthias wirklich Musikproduzent und will in Karlsruhe-Durlach ein Musikstudio für das Label Universal Music aufmachen? Hat er wirklich so viel Geld, wie er vorgibt?

Matthias erschleicht sich das Vertrauen von Antonio, der am Ende rund 1.500 Euro wegen ihm verliert. (Foto: privat)
Matthias erschleicht sich das Vertrauen von Antonio, der am Ende rund 1.500 Euro wegen ihm verliert. privat

Betrugsmasche mit gefälschten Überweisungen

Mit fadenscheinigen Ausreden versuchte Matthias dann bei beiden an Geld zu kommen. Mit gefälschten Überweisungsbelegen machte er Antonio und Maria weis, ihnen Geld überwiesen zu haben. Beide gingen für ihn in Vorkasse, bezahlten ihm Einkäufe oder auch Geld für den Schlüsseldienst, weil sein Wohnungsschlüssel angeblich verschwunden war.

Mit Maria machte er außerdem einen kleinen Kurztrip inklusive Hotelübernachtungen in der Region, für die sie alles vorlegte. Doch nach einer weiteren Nacht im Hotel dann die böse Überraschung - Matthias war weg und auch mehrere hundert Euro Bargeld, die Maria für einen wichtigen Termin dabei hatte. Weder Antonio, noch Maria konnten ihn danach noch erreichen.

Über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Matthias (oder Raphael K.) berichten Maria und Antonio in diesem Video:

Maria und Antonio erstatten Anzeige

Nachdem ihnen der Betrug klar geworden war, erstatteten die beiden Anfang Mai Anzeige bei der Karlsruher Polizei. Matthias hat Antonio um etwa 1.500 und Maria um etwa 3.000 Euro betrogen. Im Laufe der Befragungen wurde ihnen dann klar, dass sie einem vorbestraften Betrüger aufgesessen sind.

"Als ich erfahren habe, dass es noch sehr viel mehr Menschen gibt, die auf ihn hereingefallen sind, war ich erleichtert."

Einschlägig vorbestrafter Täter auf der Flucht

2017 wurde bundesweit öffentlich nach Raphael K. gefahndet, nachdem immer mehr Betrugsfälle unter anderem über das Portal "Couchsurfing" bekannt geworden waren. Schlussendlich konnte er in Leipzig festgenommen werden. 2018 wurde er zu insgesamt sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Kollegen des FUNK-Formats "Der Fall" haben bereits darüber berichtet:

Wie die Justizvollzugsanstalt Zwickau, in der er eingesessen hatte, gegenüber dem SWR bestätigte, ist Raphael K. allerdings aus dem offenen Vollzug Ende 2021 nicht zurückgekehrt. Er ist seitdem auf der Flucht.

Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen laufen

Auf SWR-Anfrage haben verschiedene Ermittlungsbehörden im Südwesten bestätigt, dass derzeit verschiedene Ermittlungsverfahren und eine internationale Fahndung gegen Raphael K. laufen und dass es aktuell darum geht, seinen Aufenthaltsort herauszufinden. Auch die Karlsruher Fälle sollen dabei eine Rolle spielen.

Zu wissen, dass sie nicht die einzigen Geschädigten sind, war sowohl für Maria als auch für Antonio eine Erleichterung. Trotzdem werden Sie ihre Erlebnisse mit Matthias (Raphael K.) immer im Hinterkopf haben, wenn sie neue Leute kennen lernen.

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