Testanlage für Agri-PV im Allgäu

Energiewende scheitert an Verwaltungsvorschriften

Streit um landwirtschaftliche Photovoltaikanlage in Bruchsal

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Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold

Ein Bruchsaler Unternehmer möchte im Süden der Stadt eine Agri-Photovoltaik-Anlage mit drei Megawatt Leistung errichten. Bislang scheitert er an den Verwaltungsvorschriften.

Agri-PV-Anlagen gibt es schon vereinzelt in Baden-Württemberg. Zum Beispiel auf den Hagelschutzdächern von Obstplantagen. Die geplante Anlage von Unternehmer Matthias Holoch würde anders funktionieren: Senkrecht stehende Solarpanele nähmen dabei das Tageslicht von beiden Seiten auf. Dazwischen bliebe genügend Platz, Weizen, Mais oder andere Feldfrüchte anzubauen. Die Fläche könnte also weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, betont der Unternehmer.

Senkrechte Solarpanele können Licht von beiden Seiten aufnehmen

Solche senkrechten Anlagen gibt es vereinzelt bereits in Deutschland, berichtet Matthias Holoch. Vor allem im Testbetrieb auf Grünlandweiden wird ihre Effektivität noch untersucht. Holoch selbst testet derzeit senkrecht stehende Solarpanele.

Diese Module könnten bei einer geplanten Anlage in Bruchsal-Langental zum Einsatz kommen: es gäbe auch drei Landwirte, die bereit wären insgesamt 32 Hektar Fläche für die Agri-PV-Anlage zur Verfügung zu stellen. Weil die Idee aber so neu ist, dass sie noch nirgends umgesetzt wurde, gibt es noch keine Grundlage für eine Baugenehmigung.

Oberbürgermeisterin Petzold-Schick begrüßt die Idee einer Agri-PV-Anlage

Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) findet die Idee von senkrecht aufgestellten Solarmodulen grundsätzlich gut. Aber sie sagt auch: "Leider liegen die von Holoch vorgesehenen Felder auf Flächen, die im Regionalplan nicht für Photovoltaik vorgesehen sind und die der Landwirtschaft vorbehalten bleiben sollen." Dass beides nebeneinander möglich sein könnte, war zu der Zeit, als der Plan aufgestellt wurde, noch undenkbar.

Das Problem: eine Änderung des Regionalplans ist nicht so einfach. Von der Planung bis zur Umsetzung können zwei bis drei Jahre vergehen. Dazu kämen Kosten für Gutachten in fünfstelliger Höhe. Das müsse alles schneller gehen, fordert Holoch.

"Wir haben für die Energiewende nicht mehr so viel Zeit."

Grundsätzlich stimmt ihm in diesem Punkt auch Bruchsals Oberbürgermeisterin zu. Ihr seien aber die Hände gebunden, sagt sie, wenn sie sich nicht über Flächennutzungspläne hinwegsetzen wolle. Die Oberbürgermeisterin ist vor allem sauer auf die verantwortlichen Politiker in Stuttgart. Dort müssten sie die gesetzlichen Grundlagen für solche neuartigen Ideen schaffen, fordert sie. Außerdem fordert Petzold-Schick, müsse sich der Landesbauernverband eindeutig zu solchen Vorhaben positionieren.

Bislang fehlen die Genehmigungsgrundlagen

Petzold-Schick sieht bislang keine Möglichkeit, die Agri-PV-Anlage wie geplant zu verwirklichen. Sie empfiehlt, aus der Idee von Matthias Holoch ein sogenanntes "privilegiertes Bauvorhaben" zu machen. Diese Möglichkeit sähe auch das zum Januar 2023 erweitere EEG-Gesetz des Bundes vor.

Allerdings gibt es für die Details des eben erst erweiterten Gesetzes noch keine Ausarbeitungen. Und ohne diese Erklärungen ist das neue Gesetz noch nicht anwendbar. Angeblich sollen die Erläuterungen im Sommer folgen. So lange muss man sich in Bruchsal und in Stuttgart gedulden. Vielleicht wäre dann die Stadt Bruchsal bereit, als erste Kommune bundesweit ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für diese neuartige Form der Photovoltaik aufzunehmen. Das zumindest hofft Unternehmer Matthias Holoch.

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