Falter: Schwarze Acht (Foto: SWR, Heiner Kunold)

Da brummt nichts!

Wo sind die Insekten geblieben? Spurensuche mit dem Karlsruher Entomologen

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Endlich Frühling! Nur irgendetwas fehlt: es brummt und summt in den Wiesen und auf den Obstbäumen nicht so, wie wir es aus früheren Jahren gewohnt waren. Wo sind die Insekten geblieben?

Ein Frühlingstag in Karlsruhe Grötzingen: Der Knittelberg über dem Kraichgaustadtteil gehört vielleicht zu den schönsten und wildesten Ecken der Stadt. Hier blühen die Wiesen und ein bisschen auch noch der Weißdorn. Aber der übermannshohe, dornige Busch am Wegesrand bleibt seltsam still. Das bestätigt der Karlsruher Insektenforscher.

Normalerweise brummt es hier lautstark. Heute nicht: Eine kleine Fliege zeigt sich, aber keine Biene und auch kein einziger Rosenkäfer. Es sind weniger Insekten unterwegs, bestätigt der Entomologe und Schmetterlingsforscher vom Karlsruher Naturkundemuseum.

Schmetterlinge schwirren über die Wiesen

Allerdings ist es nicht so, dass überhaupt keine Insekten da wären, in diesem Frühjahr. Robert Trusch war mit seinem großen Kescher nur eine halbe Stunde auf der Jagd und hat schon zwölf verschiedene Schmetterlingsarten auf den Wiesen am Südhang hinter Grötzingen beobachtet oder gefangen: Ein Magerrasenperlmutterfalter ist darunter, ein Aurorafalter, ein Beilfleckwidderchen, ein gemeiner Bläuling , ein Heidespanner, ein Hartheuspanner und auch ein Grünaderweißling und eine schwarze Acht.

Klingt eigentlich nach einer großen Artenvielfalt, aber Robert Trusch winkt ab: Das sind die häufigsten Arten, nicht wirklich ein Artenreichtum.

"Vor allem sind die Mengen der Individuen sehr begrenzt. In den 1980er Jahren habe ich noch erlebt, dass nicht 25 von den Heidespannern auf einer Wiese unterwegs waren, sondern wirklich tausend. Und das ist eben der Unterschied."

Dramatischer Insektenschwund auf Agrarflächen

Es ist ein Rückgang um fast 80 Prozent, den die Insektenforscher beklagen und der längst wissenschaftlich belegt ist. Nicht zuletzt durch Forschungen von Robert Trusch und seinen Kollegen im Karlsruher Naturkundemuseum. In bäuerlichen Agrarlandschaften ist der Insektenschwund unter Umständen noch dramatischer, sagt der Insektenforscher.

"Wir hatten einfach mal ein normales Frühjahr. Damit hatten wir auch eine Entwicklung, die langsamer war. Aber es ist nicht so, dass die Arten deswegen weg waren, wir haben sie nur schwerer beobachten können."

Es gibt aber noch einen banaleren und weniger dramatischen Grund, warum dieses Frühjahr bisher eher weniger Insekten unterwegs waren, sagt Robert Trusch: es war einfach noch nicht warm genug!

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