Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Unternehmen suchen händeringend Personal

Fachkräftewoche in Karlsruhe: "Mehr Fokus auf Menschen über 50"

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Susann Bühler
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Fabiola Germer
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Wie dem Fachkräftemangel begegnen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Schwerpunktwoche der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt. Menschen über 50 könnten ein Teil der Lösung sein.

In vielen Branchen werden seit Monaten dringend Fachkräfte gesucht. Ein Teil der Lösung, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, könnten Menschen über 50 sein. Welche Chancen und Perspektiven es für diese Altersgruppe auf dem Arbeitsmarkt gibt, ist unter anderem Teil der Fachkräftewoche der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und der Handwerkskammer Karlsruhe.

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Fachkräftemangel: "Die Generation 50 Plus in den Fokus nehmen"

Eine, die sich seit Jahrzehnten sowohl mit der Seite der Arbeitgeber als auch mit den Wünschen der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt beschäftigt, ist Ariane Durian. Sie ist Geschäftsführerin einer Personalvermittlungsfirma in Karlsruhe und appelliert an Unternehmen vor allem Menschen über 50 stärker in den Fokus zu nehmen und sich für diese Altersgruppe zu öffnen.

"Es gibt viele Bereiche, in der die Erfahrungen der Generationen Ü50 und Ü60 gebraucht werden."

Jemand über 50 habe wahrscheinlich keinen Karrieresprung mehr geplant, sondern wird möglichgerweise 15 Jahre im Unternehmen bleiben, sagt Durian. Diese Berufserfahrung könne dann auch an jüngere Menschen im Unternehmen weitergegeben werden. Außerdem sei ihrer Meinung nach die Belastbarkeit in dieser Generation höher als bei Jüngeren.

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Deutlich weniger Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen

Der Arbeitsmarkt sei leer, erzählt Arian Durian. Im Vergleich zu vor drei Jahren bekomme sie heute deutlich weniger Bewerbungen. Damals seien es im Schnitt 30 pro Tag gewesen. Heute gebe es Tage, an denen keine einzige Bewerbung reinkommt, obwohl aktuell 100 Stellen ausgeschrieben seien.

Rentner können seit 1. Januar dazuverdienen

Durian weist auch auf die neue gesetzliche Regelung der Deutschen Rentenversicherung hin, die auch für Rentner interessant sein könnte. Denn die bisherigen Hinzuverdienstgrenzen sind seit dem 1. Januar 2023 aufgehoben. Rentner können also demnach ohne Abzüge noch ein eigenes Einkommen haben.

Außerdem bekräftigt sie den Vorteil für Unternehmen. Sollten sich mehr Rentner und Rentnerinnen durch die neue Regelung dazu entscheiden an den Arbeitsmarkt zurückzukehren, können Arbeitgeber sehr erfahrenes Personal erhalten und von deren Kompetenzen und Fähigkeiten profitieren, so Durian.

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