Bunker auf der Theresienwiese in Heilbronn (Foto: SWR)

Stadt derzeit ohne aktuelle Schutzräume

Theresienturm: Wegen Ukraine-Krieg Interesse am Heilbronner Bunker groß

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Viele Heilbronnerinnen und Heilbronner zeigen großes Interesse am Hochbunker auf der Theresienwiese aus dem Zweiten Weltkrieg. Heute gibt es in Heilbronn keine Schutzräume mehr.

Das Interesse am Theresienturm, einem Luftverteidigungsturm an der Theresienwiese in Heilbronn, ist derzeit besonders groß. Eine Stadtführung am Dienstag war restlos ausgebucht. Der Turm steht seit 1940 und war in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs Zufluchtsort für viele Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt. Stadtführer Francois Scheidt sagt, zurzeit seien die Fragen intensiver, auch wenn der Bezug zum Krieg in der Ukraine nicht unbedingt ausgesprochen werde.

"Flak" sollte gegnerische Flugzeuge abwehren

Direkt bei den Besucherinnen und Besuchern der Stadtführung am Dienstag nachgefragt, sagt ein junger Mann, der Turm sei ein Mahnmal des Zweiten Weltkriegs und mit dem aktuellen Geschehen sei ein Krieg wieder näher gerückt. Eine Frau mit Geburtsjahr 1949 hofft, man werde den Hochbunker nie mehr brauchen. Ein etwas jüngerer Mann sagt, jetzt könne er sich vorstellen, wie es in der Ukraine zugeht.

Oben auf dem Hochbunker sollte damals eine Flugabwehrkanone ("Flak") angreifende Flugzeuge bekämpfen. Eigentlich war der Turm nur für das Militär gedacht, in den Mannschaftsräumen war Platz für 240 Mann.

1.000 Menschen fanden im Zweiten Weltkrieg Zuflucht

Laut Stadtführer Francois Scheidt waren im Bunker aber weitaus mehr Menschen in den Bombennächten untergebracht. Der Turm wurde nach der Bombardierung im September 1944 für die Zivilbevölkerung freigegeben, über 1.000 Menschen fanden dort dann Zuflucht. Auf einer Infotafel vor dem Bunker wird eine Zeitzeugin zitiert: "Einem Mann hat es nicht mehr in den schützenden Bunker gereicht. Er wurde von umherfliegenden Gesteins- oder Metallteilen getroffen."

Nach dem Krieg wurde der Turm als Hotel für Durchreisende genutzt, heute kommen Touristen und interessierte Einheimische vorbei. Francois Scheidt glaubt, dadurch dass der Krieg in der Ukraine so nah sei, bewege das die Menschen schon.

Keine Schutzräume mehr in Heilbronn

In Heilbronn gibt es heute keine Schutzräume mehr, so die Stadt. Abgesehen vom allgemeinen Katastropheneinsatzplan liegen auch keine konkreten Konzepte für potenzielle Angriffe vor. Uwe Pfeiffer, Leiter der Abteilung Katastrophenschutz, sagt: "In den 1960er-Jahren war einmal angedacht, die Schutzräume aus dem Zweiten Weltkrieg zu reaktivieren. Das wurde aber aufgegeben." Den bestehenden Bunkern fehlen entsprechende Lüftungs- und Filteranlagen. Für einen Großteil der Bevölkerung gebe es nicht ansatzweise genug Platz.

Mannschaftsraum im Theresienturm (Foto: SWR)
Mannschaftsraum im Theresienturm

Bund lässt Konzept überprüfen

Auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) heißt es: "Aufgrund des Krieges in der Ukraine hat sich der Bund dafür entschieden, die weitere Rückabwicklung öffentlicher Schutzräume zunächst auszusetzen und das bisherige Konzept zu überprüfen. Als ersten Schritt wird der Bund gemeinsam mit den Ländern zeitnah eine vollständige Bestandsaufnahme der noch verbliebenen Schutzräume vornehmen."

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