Dienstagsausgabe der "Heilbronner Stimme" in gedruckter Form (Foto: SWR, Maja Ihle)

Druckversion noch eingeschränkt

"Heilbronner Stimme" nach Cyberangriff wieder im Briefkasten

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Maja Ihle
Oliver Diesem

Entgegen den bisherigen Prognosen ist die "Heilbronner Stimme" am Dienstagmorgen wieder in gedruckter Form erschienen - wenn auch mit Einschränkungen.

Nachdem es am Montagabend auf der Homepage der "Heilbronner Stimme" hieß, es sei noch unklar, ob "das Drucken der Tageszeitung und die anschließende Verteilung erfolgreich sein können", erschien die Zeitung am Dienstagmorgen tatsächlich in gedruckter Form. Chefredakteur Uwe Ralf Heer spricht von einem "kleinen Wunder", das der IT zu verdanken sei. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, als die Zeitungen am Morgen im Briefkasten waren, sagte Heer dem SWR.

Gedruckte Zeitung noch mit Einschränkungen

Aus technischen Gründen ist es eine Gesamtausgabe der "Heilbronner Stimme"/ "Hohenloher Zeitung"/"Kraichgau Stimme", mit einheitlichem Lokalteil und ohne Wechselseiten. Auf abendliche Ereignisse könne derzeit noch nicht aktuell reagiert werden, schreibt das Medienunternehmen in der Dienstagsausgabe.

Seit Freitagmorgen (14. Oktober) sind die Systeme der "Heilbronner Stimme" nach einem Cyberangriff einer Hackergruppe verschlüsselt. IT-Sicherheitsexperten arbeiten weiter an Lösungen.

"Wir haben den Patienten jetzt vielleicht ein bisschen geheilt und ein bisschen verbunden, aber endgültig gesund ist er natürlich noch lange nicht."

"Die Situation ist extrem belastend"

Seit Freitag müsse sich die "Heilbronner Stimme" komplett neu organisieren, sagte Chefredakteur Uwe Ralf Heer dem SWR. Es müssten neue Wege der Kommunikation geschaffen werden. Die Mitarbeitenden hätten sich umorganisieren müssen, um für das E-Paper produzieren zu können. Außerdem müsse man ermitteln, welche Geräte infiziert seien und mit welchen gearbeitet werden könne. Für alle Systeme müssten kurzfristig Alternativen gesucht werden. "Das kostet viel Zeit und ist extrem belastend für alle Mitarbeitenden", so Heer.

Cyberangriff hätte nicht verhindert werden können

Die IT-Experten hätten ihm versichert, dass der Cyberangriff nicht zu verhindern gewesen sei. Das Unternehmen sei sehr stark abgesichert gewesen. Zu den Tätern und dem möglichen Motiv macht die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Es handele sich jedoch um eine bekannte Hacker-Gruppierung.

Vorgehen von Hackern meist sehr organisiert

Mittlerweile gebe es viele einschlägige Hacker-Gruppierungen, die durch Cyberangriffe Millionen oder sogar Milliarden erbeuten, erklärt der IT-Sicherheitsexperte und Geschäftsführer der Heilbronner IT-Sicherheitsfirma cirosec, Stefan Strobel. Oft werden die Zugänge gehackt und im Anschluss verschlüsselt. Um wieder Zugriff auf die Daten zu erhalten, soll das betroffene Unternehmen dann in der Regel Lösegeld zahlen. In einigen Fällen werde auch damit gedroht, Kundendaten und Geschäftsgeheimnisse zu veröffentlichen, so Strobel.

"Das sind oft russische Gruppierungen, die das seit Jahrzehnten betreiben."

Das herkömmliche Virenschutzprogramm auf dem Computer reiche schon lange nicht mehr aus, so Strobel. Viele Unternehmen würden die Cybersicherheit vernachlässigen und die Angriffe auch viel zu spät erkennen.

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