Schweine hinter Gittern im Stall (Foto: SWR)

Reaktion auf Pläne von Özdemir

BW-Landwirtschaftsminister Hauk fordert Geld für Tierwohllabel

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Das Tierwohllabel von Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir (Grüne) sei eigentlich eine gute Idee, meint BW-Landwirtschaftsminister Hauk. Er sieht aber auch Gründe für Kritik.

Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) hat die fehlende Finanzierung für die geplante staatliche Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch und Wurst kritisiert. Das fünfstufige Modell von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sei im Kern zwar eine gute Idee. Der Bund müsse aber die Mittel dafür sicherstellen, forderte Hauk.

Verbraucherinnen und Verbraucher seien nicht bereit, für mehr Tierwohl höhere Preise zu bezahlen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Viele landwirtschaftliche Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand. Sie bräuchten Klarheit darüber, wie die Kennzeichnung und erleichterte Verfahren bei der Genehmigung von Stallbauten ablaufen sollten. "Dazu gehört auch, dass unsere Landwirte mit einer entsprechenden Förderung unterstützt werden."

"Verbraucher sind nicht bereit, höhere Preise für mehr Tierwohl zu bezahlen."

Kritik von Foodwatch, Greenpeace und Peta

Umwelt- und Tierschützerinnen und Tierschützern geht das geplante Label nicht weit genug. "Ein Siegel, das nur auf die Haltungsform guckt, ist irreführend und blendet die entscheidenden Probleme aus", sagte Annemarie Botzki von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Nutztierhaltung in der jetzigen Form mache die Tiere chronisch krank.

Der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter beklagte, Aspekte wie Transport, Schlachtung oder Tiergesundheit würden überhaupt nicht berücksichtigt. Die Tierschutzorganisation PETA warf der Bundesregierung Täuschung vor. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Haltungsformen seien so gering, dass das Wort Tierwohl fehl am Platz sei.

Bauernverband: Rind und Geflügel in Tierwohllabel einbeziehen

Der Deutsche Bauernverband spricht dagegen von einem ersten wichtigen Schritt - sieht aber erhebliche Lücken: So gebe es ohne verbindlichen Zeitplan für die Einbeziehung von Rind und Geflügel "keinerlei Lenkungswirkung", warnte Bauernpräsident Joachim Rukwied aus Eberstadt (Kreis Heilbronn). Man dürfe mit der Schließung der Lücken und der Einführung einer wirklich flächendeckend verbindlichen Herkunftskennzeichnung nicht bis zum Ende der Legislaturperiode warten.

Beginn der Kennzeichnung beim Schweinefleisch

Die Eckpunkte des Modells, die der Bundeslandwirtschaftsminister und Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Özdemir vorgestellt hatte, sehen fünf Haltungsformen vor. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Platz die Tiere haben und wie komfortabel ihre Ställe ausgestattet sind. Nach Özdemirs Plänen soll die verbindliche staatliche Kennzeichnung im Verlauf des kommenden Jahres starten - zunächst beim Schweinefleisch.

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Finanzierung noch unklar

Als Anschubfinanzierung für den Stallumbau sind bis 2026 im Bundeshaushalt eine Milliarde Euro vorgesehen. Özdemir räumte ein, dass dieser Betrag nicht ausreiche. Für die weitergehende Finanzierung gebe es in der Koalition Klärungsbedarf.

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