Die Umsiedlung der Waldrappe in einer Felswand gelang beim zweiten Versuch.  (Foto: Waldrapp-Team/Johannes Fritz)

Umsiedlung ist teilweise erfolgreich

Erste Waldrappe nehmen Nest in Felswand bei Überlingen an

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Das Waldrapp-Team hat am Mittwoch erneut versucht, zwischen Sipplingen und Überlingen (Bodenseekreis) Waldrappe in eine Felswand umzusiedeln. Dabei gab es einen ersten Erfolg.

Die Experten wollten die Waldrappe, eine bedrohte Vogelart, von ihrem bisherigen Nistplatz in eine Felswand umsiedeln. Bei einem Brutpaar gelang dies.

Erster großer Erfolg

Beim ersten Umsiedlungsversuch am Dienstagabend war kein Brutpaar bei seinen Küken geblieben. Am Mittwoch lief es etwas besser: Das Brutpärchen Urmel und Eduardo blieb über mehrere Stunden bei seinen Kleinen. Eduardo ist das Weibchen. Weil bei Waldrappen die Geschlechtsbestimmung erst spät möglich ist, kommt es manchmal zu solch einer verwirrenden Namensgebung. "Die Küken haben sich aus den Nestboxen herausbewegt und interagieren nun sehr schön mit den Elternvögeln", sagt Johannes Fritz vom Waldrapp-Team. "Der nächste Schritt ist die Fütterung." Und auch das klappte bei Urmel und Eduardo.

Ein Kran fährt die Waldrappe an die Steilwand.  (Foto: SWR, Martin Hattenberger)
Mit einem großen Kran wurden die Waldrappe in die Felswand gebracht. Dort wurden sie mit Mehlwürmern bei Laune gehalten. Martin Hattenberger

Nach Abflug kehrt Waldrapp zurück

Ein weiterer großer Erfolg und wichtiger Etappenschritt ereignete sich um kurz nach 11:30 Uhr: Die Waldrapp-Dame Eduardo, die das Nest kurzfristig verlassen hatte, kehrte zurück – unter großem Jubel der Vogelschützer.

"Das ist ein wunderbares Zeichen, dass sie jetzt weiß, wo ihre Nische ist", sagt Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrapp-Team. "Das ist ein wichtiger Moment, weil das zeigt, dass sie weiß dass die Küken da sind und sie die Intention hat, die Nische anzufliegen." Es scheint, als habe die Umsiedlung mit Urmel und Eduardo geklappt. SWR-Reporter Martin Hattenberger war beim Umsiedlungsversuch dabei und hat das Waldrapp-Team begleitet:

Umsiedlung gelingt bei anderen Paaren nicht

Bei den anderen Waldrappen sieht das anders aus. Alle weiteren Vögel, die in die Felsnische gebracht wurden, flogen schon nach kurzer Zeit wieder ab. Für die zwei weiteren Brutpaare brachen die Naturschützer den Umsiedlungsversuch ab. Ihre Küken wurden wieder zurück in die künstliche Brutwand gebracht. Im nächsten Jahr wollen die Experten es erneut versuchen.

Am Dienstag gelang die Umsiedlung der Tiere nicht. Die Vögel flogen immer wieder zu ihrem bisherigen Nest.  (Foto: SWR, Martin Hattenberger)
Am Dienstag gelang die Umsiedlung der Tiere nicht. Die Vögel flogen immer wieder zu ihrem bisherigen Nest. Martin Hattenberger

Jungtiere sollen künftig in Felswand groß werden

Bislang nisteten die Tiere in einer eigens für sie errichteten Anlage im Hinterland. Doch die Vögel sollen ihre Jungen künftig in der Felsnische großziehen. Das ist ihr natürlicher Lebensraum. Ziel des Waldrapp-Projekts ist es, die einst schon ausgestorbenen Vögel wieder am Bodensee anzusiedeln.

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SWR