Hofanlage Milz (Foto: SWR, Marlene Fuchs)

Tag des offenen Denkmals

Hinter den Kulissen der Hofanlage Milz in Kressbronn

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Marlene Fuchs

Am Sonntag war in Baden-Württemberg der Tag des offenen Denkmals. Auch die historische Hofanlage Milz in Kressbronn (Bodenseekreis) hat dazu eingeladen, hinter die Kulissen zu blicken.

Ruinen, Mühlen, Klöster oder einfach nur das unter Denkmalschutz stehende Nachbarhaus: In Baden-Württemberg haben am Sonntag rund 500 Denkmäler eingeladen, für ein paar Stunden hinter ihre sonst oft verschlossenen Türen zu schauen. Mit dabei war auch die historische Hofanlage Milz in Kressbronn am Bodensee. Seit 20 Jahren kümmert sich ein Verein um den Erhalt des historischen Hofs. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben dort seit dem 17. Jahrhundert ihre Spuren hinterlassen, die Geschichten über ihr Leben erzählen. Diese Geschichten können interessierte Besucherinnen und Besucher am Sonntag entdecken.

SWR-Reporterin Marlene Fuchs hat die Hofanlage Milz in Kressbronn vorab besucht - und Spuren aus der Geschichte gesucht:

Verein sucht Spuren auf den Lebenswegen der ehemaligen Bewohner

Für den Tag des offenen Denkmals hatten die Vereinsmitglieder extra Plakate gestaltet. Sie zeigen mit Bildern und Texten, wie der Verein arbeitet, um auf den Lebenswegen der Bewohnerinnen und Bewohner Spuren zu finden. Denn: Sie wollen mehr über die persönlichen Schicksale auf dem Hof herausfinden. Die letzte Bewohnerin, Theresia Milz, lebte bis zu ihrem 85. Lebensjahr auf dem Hofgut. Nach ihrem Tod im Jahr 1992 blieb im Haus alles genauso, wie sie es zurückgelassen hatte. Ein Glücksfall, sagt die Vereinsvorsitzende Petra Sachs-Gleich.

"Der Hof ist beispielhaft für die gesamte östliche Bodenseeregion. Hier ist eine großartige Ausstattung sehr authentisch erhalten geblieben. Der Hof ist unglaublich wichtig für unsere eigene Geschichte."

Familiengeschichten werden wieder lebendig

Und nicht nur für die Geschichte der Region, sondern zum Beispiel auch für Walter Schmid aus Gattnau bei Kressbronn und Willi Huster aus Kressbronn ganz direkt. Denn beide können auf dem Hof einen Teil ihrer jeweiligen Familiengeschichte erleben: Die Großmutter von Walters Schmids Opa etwa stammte vom Hof Milz. Auch Willi Husters Vorfahren lebten dort. Beide sind Vereinsmitglieder und forschen seit Jahrzehnten in der wechselhaften Geschichte des Hofes, um mehr über die Menschen herauszufinden, die dort lebten und arbeiteten.

Hofanlage Hofgut Milz Kressbronn am Bodensee (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Die Vereinsmitglieder (von links) Willi Huster, Petra Sachs-Gleich und Walter Schmid kümmern sich rund ums Jahr um den Erhalt der Hofanlage. Marlene Fuchs

"Das Haus ist mit allem, was je darin war, immer noch vorhanden - das ist doch wunderbar. Es ist natürlich noch lebendig, wenn man weiß, dass dort die Wurzeln der eigenen Familie liegen."

Zeit ist auf dem Hof stehengeblieben

Im Haus selbst scheint es so, als sei die Zeit einfach stehengeblieben. Die Schuhe im Schlafzimmer stehen noch so unterm Bett, wie Theresia Milz sie stehen ließ. In der Küche steht die Kaffeemühle neben dem Eisenherd, auf dem bis zuletzt nur mit Feuer gekocht wurde. Ein Badezimmer gibt es nicht, die Menschen mussten für ein warmes Bad Wasser im Backhaus erhitzen.

Hofanlage Hofgut Milz Kressbronn am Bodensee (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Die Küche ist noch genauso, wie die letzte Bewohnerin, Theresia Milz, sie im Jahr 1992 verlassen hat. Marlene Fuchs

Am Tag des offenen Denkmals, kann man die Hofanlage Milz in Kressbronn kostenlos besichtigen. Zwischen 11 und 15 Uhr gibt es vom Verein zur Erhaltung der Hofanlage stündlich auch eine Führung durch das Haupthaus. Dabei kann man die Spuren der Bewohnerinnen und Bewohner aus den vergangenen Jahrhunderten entdecken. Im historischen Backhaus werden außerdem Brote gebacken.

Hofanlage Hofgut Milz Kressbronn am Bodensee (Foto: SWR, Marlene Fuchs)
Die Hofanlage Milz in Kresssbronn am Bodensee. Gerade wird das Dach repariert. Denn es ist immer etwas zu tun am historischen Hofensemble. Marlene Fuchs

Zahlreiche Denkmäler in der Region machen mit

Auch das Deutschordensschloss in Achberg (Kreis Ravensburg) beispielsweise öffnete seine Tore und hat zur Suche nach Spuren des Adels aus der Barockzeit eingeladen. Um Spuren aus dem 20. Jahrhundert ging es in Radolfzell am Bodensee: Dort fanden anlässlich des Tages zwei Stadtführungen zum Thema "Radolfzell im Nationalsozialismus" statt.

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