Felix Huby (Foto: SWR)

Erfinder der "Tatort"-Kommissare Bienzle und Palu

Drehbuchautor und Schriftsteller Felix Huby mit 83 Jahren gestorben

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Sandra Müller

Er erfand die "Tatort"-Kommissare Bienzle und Palu und war einer der bekanntesten deutschen Drehbuchautoren. Jetzt ist Felix Huby im Alter von 83 Jahren gestorben.

Er hat den Tatort-Kommissaren Schimanski, Palu und Bienzle Leben eingehaucht. Jetzt ist Felix Huby tot. Der Drehbuchautor, Fernsehserienschreiber und Schriftsteller ist am Freitag im Alter von 83 Jahren in Berlin gestorben. Das meldet die "Stuttgarter Zeitung". Huby hatte Krebs, zuletzt ging es ihm aber besser.

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Felix Huby wurde am 21. Dezember 1938 als Eberhard Hungerbühler in Dettenhausen bei Tübingen geboren. Nachdem er das Gymnasium ohne Abitur verlassen hatte, wurde er nach einem Volontariat Redakteur bei der "Schwäbischen Donau-Zeitung". Danach wurde er Chefredakteur bei der Warentestzeitschrift DM und später bei der Zeitschrift "X-Magazin". Von 1972 bis 1979 war er Korrespondent des "Spiegel" für Baden-Württemberg und berichtete auch über die RAF-Prozesse in Stuttgart.

Legendäres Interview mit Ministerpräsident Hans Filbinger

1978 interviewte er Baden-Württembergs damaligen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU). Es wurde ein legendäres Interview, denn Filbinger war als Richter im Dritten Reich an Todesurteilen beteiligt. Und im Spiegel wurde Filbinger später zitiert mit dem Satz:"Was damals rechtens war, das kann heute nicht Unrecht sein". Jahrzehnte später erklärte ein Mitarbeiter Filbingers, der Satz sei so nie gefallen. Huby aber erinnerte sich noch vor wenigen Jahren, wie schockiert er über die Worte war:  

"Ich war so fertig danach, wie ich gemerkt habe, dass dieser Mann so beharrlich auf diesem Standpunkt bleibt, dass er damals einfach im Recht war. Das ist auch heute noch, wenn ich mich damit beschäftige, eine ganz furchtbare Geschichte."

Filbinger musste zurücktreten. Huby gab wenig später den Journalismus auf. 

Vom Journalisten zum Autor

Mit 40 Jahren wurde Huby Romanautor. Das Buch "Der Atomkrieg in Weihersbronn" wurde ein Erfolg und Huby ein gefragter Vielschreiber - vor allem fürs Fernsehen. Er erfand die "Tatort"-Kommissare Palu für den Saarländischen und Bienzle für den Süddeutschen Rundfunk. Huby schrieb Serie nach Serie: von "Oh Gott, Herr Pfarrer" bis "Ein Bayer auf Rügen".

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Bisweilen Spott der Kritiker  

Kritiker spotteten bisweilen, Huby habe eine Schreibfabrik im Keller. Er produziere einfache Fließband-Unterhaltung. Doch Huby focht das nie an. Ihm mache das Schreiben einfach Spaß. Er schreibe, wie er lese: Um zu erfahren, wie es weitergeht. Viele seiner Drehbücher, Theater und Hörspiele sind preisgekrönt.

"Sobald die Figuren da sind, geh ich oft an den Schreibtisch, um zu erfahren, was die machen. Die entwickeln so ein eigenes Leben und ich muss es nur noch aufschreiben."

Auszeichnungen und Ehrungen

Huby war Träger des Robert-Geisendörfer-Preises, des Berliner Krimipreises und des Ehren-Glauser. Im April 2007 erhielt er in Wien die "Goldene Romy" für das beste Drehbuch des Jahres 2006 - ein österreichischer Preis, der in etwa der "Goldenen Kamera" in Deutschland entspricht. Ausgezeichnet wurde der Tatort "Bienzle und der Tote im Weinberg".

Unerwarteter Ärger um Theaterstück 

Zeitlebens schrieb Huby auch Theaterstücke, eines davon erzählte die Geschichte seines Heimatdorfs Dettenhausen im Schönbuch. Kurioserweise war der kleine Ort im Kreis Tübingen danach jahrelang zerstritten. Huby hatte im Stück nämlich erkennbar die Geschichten mehrerer Dettenhäuser Familien verarbeitet. Einige fühlten sich verunglimpft. Das Stück wurde abgesagt. Huby kehrte seiner Heimatgemeinde den Rücken. Jahrelang herrschte Funkstille. Erst 15 Jahre später kam das Stück zur Aufführung. Und erst 2018, zu Hubys 80. Geburtstag, war das Zerwürfnis endgültig vergessen: Dettenhausen machte Huby zum Ehrenbürger. 

Außerdem bekam er den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg "als herausragender Schriftsteller und Fernsehautor" von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) überreicht.

"Für mich war es immer ein Traum, Schriftsteller zu werden. Ich hab schon meine Freizeit zum Teil damit verbracht kleine Stücke zu schreiben, als ich noch ein Kind war."

Schriftsteller bis zuletzt

Auf Fernsehen hatte Huby zwar irgendwann keine Lust mehr, Theaterstücke und Romane schrieb er aber bis zuletzt - darunter einen autobiografischen Dreiteiler. Huby wohnte die letzten 30 Jahre seines Lebens mit seiner Frau in Berlin. Er hat zwei erwachsene Söhne. Jetzt ist er in Berlin gestorben. Als leidenschaftlicher Schriftsteller - bis zuletzt.

Politik in BW trauert um Huby

Viele Menschen trauern um Huby - einige Menschen aus der Landespolitik in Baden-Württemberg haben auf seinen Tod reagiert. "Felix Huby war ein echtes kreatives Multitalent", so Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Als Journalist, Drehbuchautor, Fernsehserienschreiber und Schriftsteller habe er prägende Spuren in der baden-württembergischen Kulturlandschaft hinterlassen.

Sein Wirken, für das er unter anderem mit dem Verdienstorden des Landes und dem baden-württembergischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, werde fehlen. "Bei allen Aufgaben hat ihn seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat und ein liebevoller, empathischer, oft humorvoller Blick auf die schwäbischen Eigenheiten begleitet."  Mit "Kommissar Bienzle" habe Huby eine Figur für die Ewigkeit erschaffen, die für Generationen als unnachahmlicher Charakterkopf des Stuttgarter Tatorts im Gedächtnis bleiben werde.

Als Journalist, Drehbuchautor, Fernsehserienschreiber und Schriftsteller hat er prägende Spuren in der baden-württembergischen Kulturlandschaft hinterlassen. 

Auch die SPD trauert um Huby. "Die allermeisten kennen Felix Huby als genialen Erfinder des Tatort-Ermittlers Bienzle", so SPD-Fraktionsvize Nicolas Fink. Er habe das Land in vielfältiger Weise geprägt - als Journalist alter Schule habe er mit seinem klaren Wertekompass die Demokratie in Baden-Württemberg in vielfältiger Weise geprägt. "Die SPD-Fraktion trauert um einen großen Baden-Württemberger, unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Felix Huby habe Generationen von Menschen in Baden-Württemberg mit seinen Geschichten begleitet, sagt der medienpolitische Sprecher der SPD, Jonas Weber. "Interviews, wie das mit Hans Filbinger, zeigen bis heute, wie sehr er an Demokratie und Recht glaubte", so Weber. Seine journalistische Arbeit und seine kritischen Nachfragen blieben unvergessen.

Felix Hubys autobiografische Romane "Lehrjahre" und "Spiegeljahre" gibt es auch als SWR-Hörspiel-Reihe. Er selbst kommt darin mit Rückblicken zu Wort:

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Sandra Müller