Ein Hammer, ein Seil und ein Holzrahmen mit Pflastersteinen liegen auf einem Stück Malervlies.  (Foto: dpa Bildfunk, Frank Hoermann/SVEN SIMON)

Maßnahme gegen Fachkräftemangel

Handwerkskammer und IHK fordern Berufsorientierung ab der 5. Klasse

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Viele Betriebe in Baden-Württemberg klagen über Fachkräftemangel. IHK und Handwerkskammer wollen gegensteuern und über die Schulen mehr junge Menschen für Ausbildungsberufe gewinnen.

Der Berufsschullehrerverband (BLV) in Baden-Württemberg fordert, dass die berufliche Orientierung ab Klasse 5 fester Bestandteil an allen weiterführenden Schulen sein soll. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Stuttgart haben die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer im Land diese Forderung unterstützt.

Betriebe klagen über Fachkräftemangel

Die berufliche Bildung sei das Rückgrat der Wirtschaft in Baden-Württemberg, erhalte jedoch politisch nicht die nötige Aufmerksamkeit, beklagte der Vorsitzende des BLV, Thomas Speck. Rund 60 Prozent der Betriebe sehen laut einer IHK-Konjunkturumfrage den Fachkräftemangel als größtes Unternehmensrisiko. Das teilte Andrea Bosch, Geschäftsführerin Beruf und Qualifikation bei der IHK Stuttgart, mit.

SPD will Berufsbildung im Schulgesetz verankern

Weder die Energiewende noch die Transformation der Wirtschaft bekomme man ohne gut ausgebildete Fachkräfte hin, so Patrick Wolf von der Handwerkskammer Stuttgart. Sie alle fordern einen Runden Tisch mit allen Akteuren. Außerdem unterstützen sie den SPD-Vorschlag, die Berufsbildung im Schulgesetz zu verankern, um so eine Gleichwertigkeit von Studium und Ausbildung in der Berufsvorbereitung an Gymnasien sicherzustellen.

GEW sieht Qualität der Berufsschulen bedroht

Unterdessen warnte die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in einer Pressemitteilung vor einem Rückgang der Qualität an den knapp 800 Berufsschulen in Baden-Württemberg. "Viele Lehrkräftestellen bleiben jedes Jahr unbesetzt und die Landesregierung verschiebt 130 Stellen wegen des leichten Schüler*innenrückgangs in andere Schularten statt die Qualität der Berufsausbildung zu stärken", ließ sich die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein in der Pressemitteilung zitieren.

Wenn das Kultusministerium ernsthaft eine Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht wolle, dann müsse es die Schulen auch mit entsprechenden Ressourcen ausstatten und endlich die hohe Zahl aufgelaufener Überstunden abbauen, so Stein weiter. Zum Fachkräftemangel an den beruflichen Schulen - vor allem in vielen berufsbezogenen Fächern - fordert die GEW einen Runden Tisch mit Landesregierung, Schulträgern und Gewerkschaften.

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