Eine Pflegerin kümmert sich um eine Bewohnerin eines Pflegeheimes - die Übergangsfrist für die einrichtungsbezogene Impfpflicht läuft am 30. März ab. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow)

Abkommen mit Bundesagentur für Arbeit

Baden-Württemberg sucht verstärkt Pflegekräfte aus dem Ausland

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Der Personalmangel in der Pflege ist hoch. Die Landesregierung will verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland wie aus Tunesien oder Indien anwerben und mehr in Sprachkurse investieren.

Auf der Suche nach zusätzlichen Pflegekräften aus dem Ausland will Baden-Württemberg enger mit der Bundesagentur für Arbeit zusammenarbeiten. Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) unterzeichnete dazu am Mittwoch in Stuttgart mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesagentur ein Abkommen. Das Land will demnach eine Million Euro in Sprachunterricht investieren und zwar bereits in den Herkunftsländern. Außerdem nimmt Baden-Württemberg künftig an dem Programm "Triple Win" der Bundesagentur teil, mit dem bereits seit 2013 Pflegefachkräfte aus dem Ausland angeworben werden.

Betreuer helfen bei Bürokratie und Integration

Länder, zu denen über "Triple Win" bereits eine Kooperation besteht, sind die Philippinen, Tunesien, Jordanien, Bosnien-Herzegowina, Indonesien, Vietnam und Indien. Potenzielle Beschäftigte werden schon in ihren Heimatländern auf ihren Einsatz in deutschen Pflegeheimen vorbereitet. Interessentinnen und Interessenten werden bei der Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse und später bei ihrer Integration an ihrem deutschen Arbeitsplatz von Betreuerinnen und Betreuern unterstützt. So soll vor allem sichergestellt werden, dass die Anwerbung der Menschen rechtlich und moralisch einwandfrei verläuft. Eine Auflage für "Triple Win" ist, dass in den Herkunftsländern selbst kein Mangel an Pflegekräften herrscht.

Sprachprobleme bremsen nach wie vor aus

Fehlende Deutschkenntnisse ausländischer Fachkräfte sind allerdings nach wie vor ein großes Problem. Vanessa Ahuja, bei der Bundesagentur für Arbeit zuständig für Leistungen und Internationales, begrüßte die Sprachförderung der baden-württembergischen Landesregierung deshalb ausdrücklich. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2020 sei zwar ein richtiger Schritt, sagte Ahuja in Stuttgart. Der Spracherwerb im Ausland sei aber nach wie vor eine Hürde.

"Der Spracherwerb im Ausland ist aber nach wie vor eine Hürde."

Außerdem würden durch die Investition der Landesregierung die Kosten für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Inland reduziert. Der Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg, Christian Rauch, erwartet, dass bereits im Heimatland erworbene Sprachkenntnisse die Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern werden.

Land erhofft sich hunderte neue Pflegekräfte aus dem Ausland

Gesundheitsminister Lucha nannte die künftige Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit einen "Quantensprung“. Er zeigte sich überzeugt davon, dass es mit der neuen Kooperation künftig einfacher und schneller geht, Pflegekräfte aus dem Ausland nach Baden-Württemberg zu holen. Laut Lucha kamen im Jahr 2020 rund 1.700 Pflegekräfte aus dem Ausland zum Arbeiten nach Deutschland, bei weiteren rund 2.000 ist die Erlaubnis eingeschränkt, weil zum Beispiel noch Prüfungen fehlen. Über das Programm "Triple Win" hofft das Land, weitere 200 Pflegekräfte bis zum Jahresende 2023 zu gewinnen.

Berufsverband fordert bessere Arbeitsbedingungen

Die Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe im Regionalverband Südwest, Andrea Kiefer, ist grundsätzlich für die engere Zusammenarbeit. Allerdings gebe es noch immer eine hohe Arbeitsbelastung und schlechte Arbeitsbedingungen.

"Ohne bessere Arbeitsbedingungen will niemand lange in Baden-Württemberg bleiben."

An der Stelle kommt auch Kritik von der AfD im baden-württembergischen Landtag. Wenn in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland niemand im Pflegebereich arbeiten wolle, dann müsse man an den Bedingungen etwas ändern und nicht einfach in schlimmster Kolonialherrenmanier Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren, sagte AfD-Fraktionschef Bernd Gögel. Das gewonnene Personal bleibe letzten Endes wohl ohnehin nicht lange, weil niemand unter solchen Bedingungen arbeiten wolle.

Barmer: Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird zunehmen

Die Situation in der Altenpflege in Baden-Württemberg wird nach einer Prognose der Krankenkasse Barmer brisanter als bisher angenommen. Bis zum Jahr 2030 werden demnach 710.000 Menschen auf entsprechende Hilfe angewiesen sein. Das sind laut dem jüngsten Pflegereport der Krankenkasse über ein Fünftel mehr Menschen als bislang erwartet.

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