in Rentnerpaar sitzt am 06.07.2015 in Kitzingen (Bayern) im Schatten eines Baumes auf einer Bank im Freibad Mondseeinsel. Die unterfränkische Kreisstadt stellte 2016 zum zweiten Mal in Folge den bayerischen Hitzerekord auf. Im Kitzinger Freibad suchten die Bewohner Abkühlung.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Timm Schamberger)

Kaum Hitzeaktionspläne in Baden-Württemberg

Klimawandel: EU warnt vor immer mehr Hitzetoten

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Stefanie Peyk
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele (Foto: Dirk Bannert)

Die EU-Umweltagentur fordert Hitzeaktionspläne, um klimabedingte Krankheiten und Hitzetote zu vermeiden. In Baden-Württemberg haben bislang nur wenige Städte Notfallpläne.

Im Sommer 2022 sind in Deutschland etwa 4.500 Menschen durch extrem heiße Temperaturen gestorben, schätzt das Robert Koch-Institut. Besonders betroffen waren nach dem RKI-Bericht der Westen und der Süden des Landes. Nun hat auch die EU-Umweltagentur (EEA) vor immer mehr Hitzetoten und klimabedingten Krankheiten gewarnt. Die EU-Experten stellen fest, dass der fortschreitende Klimawandel zunehmend die Gesundheit der Europäerinnen und Europäer gefährdet.

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Es drohen bis zu 90.000 Hitzetote pro Jahr

Bei drei Grad Erderhitzung bis Ende des Jahrhunderts und ohne gezielte Klimaanpassungen drohten in Europa bis zu 90.000 Hitzetote jährlich, so die Prognose der Expertinnen und Experten. Bei einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad seien es dagegen 30.000 Todesfälle aufgrund des Klimawandels im Jahr.

EU-Forscher: Todesfälle sind vermeidbar

Um gefährdete Gruppen zu schützen, brauche es Hitzeaktionspläne, grüne und schattige Plätze in Städten, eine hitzetaugliche Architektur und angepasste Arbeitszeiten. In Europa seien fast alle hitzebedingten Todesfälle vermeidbar, meint die EU-Umweltagentur in ihrem aktuellen Bericht.

Mannheim hat einen detaillierten Hitzeaktionsplan

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Hitzeaktionspläne bei Städten und Gemeinden nach SWR-Recherchen im Sommer 2022 überschaubar. Da kommunale Hitzeaktionspläne nirgendwo angemeldet werden müssen, gibt es keine verlässlichen Zahlen. Als eine der wenigen Städte in Deutschland hat Mannheim einen Hitzeaktionsplan. Teil des Plans ist auch eine Stadtkarte mit vielen kühlen Orten. Aufgelistet sind beispielsweise Kirchengebäude, Grünanlagen, schattige Spielplätze und Orte im Wald oder am Fluss.

In Frankreich müssen alleinstehende Senioren Hilfsangebote bekommen

Manche Sozialverbände fordern für Deutschland auch ein bundesweit einheitliches Krisenmanagement- wie es beispielsweise Frankreich schon in seinem nationalen Hitzeaktionsplan (Plan Canicule) vorsieht: Demnach müssen die Städte Kältesäle für Menschen einrichten, deren Wohnungen sich besonders aufheizen. Behörden müssen alleinstehende Senioren kontaktieren und ihnen Hilfe anbieten, berichtet ARD-Korrespondentin Sabine Wachs.

Urbane Räume an Klimawandel anpassen

In Deutschland hat der Bund Kommunen eine 790 Millionen Euro-Förderung bereit gestellt: Mit dem Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ soll neben der sozialen Entwicklung der Städte gezielt auch die Klimaresilienz gefördert werden.

Krankheiten aus afrikanischen Regionen könnten sich in Europa verbreiten

Die EU-Umweltagentur befürchtet - neben Hitzetoten durch die zunehmende Erderhitzung - außerdem, dass sich Krankheiten wie Malaria, das Dengue-Fieber und das West Nil-Fieber mit dem Klimawandel weiter nach Norden ausbreiten könnten und auch mehr Menschen daran erkranken.

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