"Der schlimmste Albtraum des linksgrünen Mainstreams"

FDP-Dreikönigstreffen 2025 in Stuttgart: Lindner trommelt für Aufholjagd

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Autor/in
Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch Autor Bild
Annika Jahn

Seit mehr als 140 Jahren starten die Liberalen am Dreikönigstag in Baden-Württemberg politisch in das neue Jahr. Selten waren die Zeiten für die FDP so turbulent.

Beim traditionellen Dreikönigstreffen in der Stuttgarter Oper hat Parteichef Christian Lindner die seinen auf eine Aufholjagd im kurzen Bundestagswahlkampf vor dem 23. Februar eingestimmt.

Christian Lindner spricht FDP vor der Wahl Mut zu

Unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung in der Stuttgarter Oper sagte Lindner der ARD, jedes Dreikönigstreffen sei ein besonderes. Es handle sich um ein "Hochamt der Selbstvergewisserung und auch der Zuversicht". Dementsprechend gestaltete sich dann auch Lindners Rede in der Stuttgarter Oper: Der Parteichef rief seine Partei zu Optimismus und Entschlossenheit vor der Neuwahl des Bundestags auf.

Wir sind über Jahrzehnte erprobt in den Aufs und Abs der Politik und öfters haben wir den Jahresanfang in der Defensive begonnen.

Die FDP solle Zuversicht aus sich selbst schöpfen "im Bewusstsein, alles lässt sich ändern". Und die Ziele des FDP-Parteichefs sind angesichts der schlechten Umfragewerte seiner Partei ambitioniert. Derzeit müssen die Liberalen um den Einzug in den Bundestag bangen. Die FDP-Spitzen signalisierten in der Stuttgarter Oper jedoch Selbstbewusstsein: nicht nur einen Kanzlerwechsel, sondern auch einen Politikwechsel will Lindner. Der gehe nur mit der FDP. Denn nur die kämpfe für eine bürgerliche Politik im Zeichen einer Wirtschaftswende.

Zum einen müssten die Standort-Faktoren gestärkt werden. Der wirtschaftliche Erfolg des Landes hänge aber auch von der inneren Einstellung der Bevölkerung ab. Menschen müssten wieder mehr zur Arbeit motiviert werden. Lindner forderte Steuersenkungen, Bürokratieabbau und einen schlankeren Staat.

Linder: "der schlimmste Albtraum des linksgrünen Mainstreams"

Lindner griff auch die andauernde Kritik an seiner Person auf und sagte: "Verehrte Anwesende, ich darf mich vorstellen. Mein Name ist Christian Lindner. Ich bin noch 45 Jahre alt und offensichtlich der schlimmste Albtraum des linksgrünen Mainstreams in Deutschland."

Vor der Veranstaltung hatte Lindner, angesprochen darauf, ob das Ampel-Aus inklusive Aufregung um das "D-Day"-Papier der FDP nachhaltig geschadet habe, gesagt: "Das Ampel-Aus ist ein Zeichen der Glaubwürdigkeit der FDP, weil uns Inhalte wichtiger sind als Ämter." Viele Menschen werfen der FDP laut Lindner vielmehr vor, zu lange in der Ampel-Koalition geblieben zu sein.

FDP fordert Bürokratieabbau mit "Kettensäge"

Das Motto der Veranstaltung am Dreikönigstag lautet "Alles lässt sich ändern". Auch die FDP-Spitzenkandidatin für BW, Judith Skudelny, sowie FDP-Generalsekretär Marco Buschmann und der neu gewählte Landesparteivorsitzende Hans-Ulrich Rülke hielten Reden. Letzterer schwor die Liberalen auf einen Wahlkampf hin zu einer bürgerlichen Regierung ein. Er sprach von einer links-grünen Ideologie der 2010er Jahre, mit der jetzt Schluss sein müsse.

Vorangegangen war am Sonntag der Landesparteitag der FPD in Baden-Württemberg in Fellbach. Dabei wurde Hans-Ulrich Rülke zum neuen Landesparteivorsitzenden gewählt. Knapp 85 Prozent (84,9 Prozent) der rund 400 Delegierten stimmten für den 63-Jährigen. Für Baden-Württemberg und Deutschland forderte er in seiner Rede eine Wirtschaftswende. Nötige Reformen müssten nicht mit der Nagelschere, sondern mit der Kettensäge angegangen werden, so Rülke. Dazu gehöre der Bürokratieabbau. Für Unternehmen müsse es steuerliche Erleichterungen geben. Die Menschen müssten zu mehr Arbeit motiviert werden, indem sich Leistung wieder lohne.

Mark Hohensee, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, hält vor dem Eingang der Schwabenlandhalle vor dem Beginn des Landesparteitags der BW-FDP eine Motorsäge in der Hand. Er will damit für einen Bürokratieabbau mit der Kettensäge demonstrieren.
Mark Hohensee, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, kam zum Landesparteitag der BW-FDP mit einer Motorsäge.

Traditionelles Treffen zu Dreikönig in Baden-Württemberg

Seit mehr als 140 Jahren starten die Liberalen am Dreikönigstag in Baden-Württemberg politisch in das neue Jahr. Die FDP muss aktuell um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen: Gerade mal drei Prozent der Wählerinnen und Wähler auf Bundesebene und vier Prozent auf Landesebene würden laut den jüngsten Umfragen ARD-Deutschlandtrend und BW-Trend die FDP wählen, wenn am Sonntag Wahl wäre.

Baden-Württemberg gilt als Stammland der Liberalen. 1866 hatte sich ein Vorläufer der FDP, die Württembergische Volkspartei, in Stuttgart zur ersten "Dreikönigsparade" getroffen.

In den vergangenen Tagen hatten die Liberalen mit dem Werben für eine Koalition mit der Union auf sich aufmerksam gemacht - auch wenn es dafür Umfragen zufolge bei Weitem nicht reicht. Die FDP hatte mit der Union zuletzt von 2009 bis 2013 unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert. Aus dem Bündnis konnten die Liberalen keinen Vorteil ziehen, sie flogen bei der Bundestagswahl 2013 aus dem Parlament.

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