Menschen und Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Bahre aus einem eingestürzten Gebäude.

Nach Erdbeben in türkisch-syrischem Grenzgebiet

Caritas International kooperiert mit Partnern im Erdbebengebiet

Stand
Interview
Arne Wiechern
Onlinefassung
Andreas Böhnisch

Die Soforthilfe für die Erdbeben-Opfer in der Türkei und in Syrien ist angelaufen. Caritas International mit Sitz in Freiburg nutzt bestehende Kontakte, um schnell zu helfen.

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Im türkisch-syrischen Erdbebengebiet setzen die Hilfsorganisationen alles daran, um noch Menschen zu retten und Überlebende zu versorgen. Die Organisation Caritas International aus Freiburg arbeitet mit Projektpartnern im Katastrophengebiet zusammen. "Wichtig ist, dass man Erfahrung vor Ort hat", sagt Leiter Oliver Müller im SWR. Mit den Partnern in Nordwest-Syrien und in der Türkei habe man die nächsten Schritte besprochen.

"Das ist eine Mischung aus Schock und großer Bedrückung."

Es konnte bereits Geld zur Verfügung gestellt werden, um den Menschen im Katastrophengebiet unmittelbar zu helfen.

Bei den schweren Erdbeben am Montag in der Türkei und in Syrien starben nach Angaben vom Mittwoch mindestens 8.100 Menschen.

Überlebenskampf bei eisigen Temperaturen

Die Betroffenen bräuchten aufgrund des winterlichen Wetters schnell Unterstützung. Dazu gehörten warme Kleidung, Matratzen und Bettzeug. Außerdem müssten Notunterkünfte eingerichtet werden. "Da werden jetzt Schulen und Gemeindehäuser freigeräumt, um die Menschen unterzubringen."

SWR Aktuell-Moderator Arne Wiechern im Gespräch mit Oliver Müller, Leiter von Caritas International, zur Erdbeben-Katastrophe im türkisch-syrischen Grenzgebiet:

Das Erdbeben habe sich in der Nacht ereignet und die Bewohner im Schlaf überrascht. Sie hätten dadurch oftmals keine Chance gehabt, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Lage in Syrien besonders dramatisch

Besondere Sorge bereite ihm die Lage in Syrien, ergänzt der Leiter von Caritas International.

"In Syrien trifft das Erdbeben auf eine extrem geschwächte Gesellschaft."

Die Krankenhäuser hätten schon vor dem Beben nur 50 Prozent ihrer Kapazität gehabt, weil es keinen Strom und keine Medikamente gegeben habe. Hinzu komme, dass auch die Wasserversorgung nur sehr eingeschränkt funktioniere. "Diese Gesellschaft, in der schon Millionen von Menschen gehungert haben, ist jetzt auch noch vom Erdbeben betroffen."

In Baden-Württemberg haben neben Caritas International auch andere Hilfsorganisationen, Vereine und Privatleute Unterstützung für die vom Erdbeben Betroffenen gestartet.

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Rettung von Menschen hat Priorität

Die Hilfsorganisationen stellen sich auf einen langen Einsatz im Katastrophengebiet ein. Deshalb sei eine gute Koordination sehr wichtig. Absprachen zwischen den großen Organisationen würden beispielsweise in den Bereichen Hygiene und Lebensmittelhilfe getroffen. "Das funktioniert in der Regel ganz gut", so Oliver Müller von Caritas International aus Freiburg. Priorität habe in der jetzigen Situation, letzte Verschüttete aus den Trümmern zu holen und Menschenleben zu retten. "Danach muss es allerdings einen abgestimmten Wiederaufbau geben."

Welle der Solidarität aus Mannheim

Eine Welle der Hilfsbereitschaft haben die Nachrichten von den verheerenden Erdbeben in der Rhein-Neckar-Region ausgelöst. Bereits am Montagabend waren in der Mannheimer Neckarstadt Hunderte einem privaten Hilfeaufruf gefolgt und hatten Sachspenden auf den Neuen Messplatz gebracht. Von dort startete ein Lkw, der die Hilfsgüter ins Erdbebengebiet bringen soll.

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Auch am Dienstag gingen die Sammelaktionen weiter: Fans des türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul aus Mannheim-Käfertal hatten zu Spenden aufgerufen. Seitdem werden im Vereinsgebäude fast ununterbrochen Pakete mit Hilfsgütern wie warme Kleidung, Decken, Windeln und Babynahrung gepackt.

Aalen organisiert Hilfsaktion für Partnerstadt

Die Stadt Aalen (Ostalbkreis) will ihrer stark vom Erdbeben betroffenen Partnerstadt Antakya in der Türkei mit Sachspenden und einem Spendenkonto helfen. Besonders warme Winterkleidung werde jetzt benötigt, teilte die Stadt am Dienstag mit. Noch am Dienstagabend soll der erste Lastwagen beladen werden und in Richtung Antakya losfahren. Bereits am Montag hatte sich in Aalen und dem Ostalbkreis ein breites Unterstützerbündnis formiert. Neben der Stadt engagieren sich türkische Vereine, die Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die Johanniter und viele mehr.

SWR-Reporterin Senada Sokollu über die Lage in der Türkei:

Ulm: Islamische Gemeinden sammeln Hilfsgüter

In Ulm organisiert die alevitische Gemeinde einen Hilfsgütertransport für die Türkei. In der Moschee in Ulm-Söflingen sammelt die DITIB-Gemeinde Ulm speziell Babynahrung und Medikamente für Kinder. Laut Hasan Yildiz von DITIB wird die leichtere Fracht via Flugzeug im Erdbebengebiet landen.

Aalen

Hilfsgüter, Babynahrung, Medizinprodukte Hilfe aus Aalen und Ulm für Erdbebenopfer

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SWR4 BW aus dem Studio Ulm SWR4 BW aus dem Studio Ulm

Vater und Sohn wollen auf eigene Faust helfen

Onur Sömnez, der in Reutlingen eine Diskothek und in Tübingen einen "Späti" betreibt, ist auf eigene Faust in die Türkei geflogen, um zu helfen. Gemeinsam mit seinem Vater, der in der Türkei wohnt, hat er sich von Istanbul aus auf den Weg ins Erdbebengebiet zwischen Adana und Antep gemacht. Sie haben dort Verwandte - wollen aber auch Fremden helfen. Unterwegs kaufen sie Hilfsgüter, die sie den Menschen bringen wollen.

DRK: Hilfsbereite sollen lieber Geld spenden

Generell empfiehlt das Deutsche Rote Kreuz Hilfsbereiten, lieber Geld zu spenden. "Damit Hilfe tatsächlich ankommt, ist es wichtig, dringend benötigte Logistik- und Hilfeleistungsstrukturen nicht unnötig zu belasten oder gar zu blockieren", erklärte das DRK in einer Mitteilung. Gut gemeinte, aber nicht abgestimmte Hilfslieferungen belegten Lagerhäuser und bänden Transport- und Sortierkapazitäten. "Sie helfen leider nicht, sie behindern die humanitäre Arbeit vor Ort", so das DRK. Geldspenden seien gegenüber Sachspenden eine deutlich effektivere Art der Hilfe. Der entscheidende Vorteil sei, dass die Hilfsorganisationen die Verwendung von Geldmitteln flexibel an sich ändernde Verhältnisse und eine sich verändernde Bedarfslage in den betroffenen Gebieten anpassen können.

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