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Ältere und Säuglinge sterben durch die Hitze. Allergiker leiden unter dem verlängerten Pollenflug. Neue Infektionskrankheiten werden zu Plagen. Menschen hungern wegen der Dürren. Wie muss sich die Gesundheitsversorgung darauf einstellen?

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Die Folgen des Klimawandels sind seit einigen Jahren spürbar und sichtbar, er verursacht extreme Wetterlagen und schädigt die Natur. So war 2018 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881, gefolgt von den Jahren 2019 und 2014.

Pollen an einem Haselstrauch: Bäume, Sträucher und Gräser blühen früher und verlängern die Saison für Betroffene (Foto: Imago, imago images / Ardea)
Bäume, Gräser und Sträucher wie hier die Hasel blühen früher und könnten die Saison für Betroffene verlängern Imago imago images / Ardea

Klimawandel: Gefahr für die Gesundheit

Der Klimawandel wirkt sich in vielfacher Hinsicht auf die Gesundheit der Menschen aus. Im schlimmsten Fall können Hitzeprioden zum Tod führen wie etwa 2003, als es in Europa 70.000 Hitzetote gab.

  • Hitzebedingte Gesundheitsprobleme: Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Erschöpfung, Schlafmangel, dicke Beine. Viele fühlen sich so schlecht, dass sie sich krankmelden müssen. Vor allem alte Menschen sind betroffen und Kleinkinder, deren Thermoregulation noch nicht gut funktioniert.
  • Heuschnupfen und Allergien: Bäume, Sträucher und Gräser blühen früher und könnten die Saison für Betroffene verlängern.
  • Schwarzer Hautkrebs: Die Menschen halten sich länger im Freien auf als in früheren Jahrzehnten. Das könnte ein Grund sein, warum laut Daten der Kaufmännischen Krankenkasse 2017 bundesweit 87 Prozent mehr Frauen und Männer diese Diagnose erhielten als noch zehn Jahre davor.
  • Infektionskrankheiten: Das Bedürfnis, sich bei Hitze im Wasser abzukühlen, kann das Ökosystem in Bedrängnis bringen, da bereits kleine Störungen zu Veränderungen wie etwa Algenbildung führen können. In der Ostsee beispielsweise breiten sich bei hohen Temperaturen Bakterien aus und verursachen bei den Badenden eine Vibrionen-Infektion. Die Zahl der Fälle ist noch gering, dennoch sind Wissenschaftler beunruhigt.
  • Tropische Infektionskrankheiten: Seit einigen Jahren werden in Süddeutschland vereinzelt Mücken gefunden, die vor dem Klimawandel nicht hier leben konnten. Zum Beispiel die Tigermücke, Überträgerin des Dengue- und des Zika-Virus. Offenbar fühlt sie sich in Teilen Baden-Württembergs bereits wohl, denn laut Umweltbundesamt gibt es erste Berichte, dass Mücken hier überwintert haben. Das ist die erste Voraussetzung, damit sie heimisch werden. In Österreich, in Frankreich und in 17 weiteren europäischen Ländern gilt die Mücke bereits als etabliert. Noch wurden in Deutschland allerdings keine Mücken gefunden, die den Erreger des Dengue- oder Zika-Fiebers in sich tragen.

Verbesserte Aus- und Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte

Ärzte müssen lernen, Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, die die Klimakrise auslöst. Eine breite Bildungs- und Aufklärungskampagne ist notwendig, weil die Ausbildung diese Themen bisher noch nicht berücksichtigt.

Die „Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit", kurz KLUG, will hierfür sensibilisieren. Die Allianz ist ein Netzwerk von Akteurinnen und Akteuren aus den Gesundheitsberufen, also Wissenschaftler, Ärztinnen und Krankenpfleger. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema in der Öffentlichkeit, der Politik und auch in der Ausbildung zu verankern.

Student im Hörsaal, vor sich ein Anatomiebuch: Ärztinnen und Ärzte müssen lernen, Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, die die Klimakrise auslöst. Bisher ist das Thema noch kaum Bestandteil des Studiums. (Foto: Imago, imago images / Mario Kühn)
Ärztinnen und Ärzte müssen lernen, Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, die die Klimakrise auslöst. Bisher ist das Thema noch kaum Bestandteil des Studiums. Imago imago images / Mario Kühn

Erste Lehrkonzepte wurden im Sommer 2020 an den beiden Universitäten in München, der in Mannheim, an der Charité in Berlin und der Hochschule Fulda entwickelt und erprobt, aber noch nicht endgültig in die Curricula übernommen. Auch an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg wird ein Bildungsmodul entwickelt.

Städte und Kommunen: Hitzeaktionsplan zum Schutz der Bevölkerung

Um die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung zu minimieren, hat das Umweltbundesamt Empfehlungen für einen „Hitzeaktionsplan“ entwickelt. Er soll Kommunen befähigen, koordiniert vorzugehen, sagt Dr. Hans-Guido Mücke, der den Plan mitentwickelt hat: "Diese Handlungsempfehlungen basieren auf einem Dokument der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das nach der Hitzewelle 2003 in Zusammenarbeit mit internationalen Experten im Jahr 2008 veröffentlicht worden ist."

Der Plan besteht aus acht Kernelementen:

  1. Schaffung einer zentralen Leitstelle
  2. Das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes muss genutzt werden
  3. Information der Bevölkerung, Alten- und Pflegeheime, Kindergärten, Ärzte und Gesundheitsdienste
  4. Reduzierung von Hitze in Innenräumen
  5. Besondere Beachtung von Risikogruppen
  6. Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
  7. Langfristige Stadtplanung und
  8. Auswertung des Erfolgs der Maßnahmen
Eine Frau kühlt sich in der Sommerhitze an einem Brunnen in Mannheim die Füße. Sommerhitze in Mannheim. Auch Mannheim gehört zu den Städten in Deutschland, die an einem Hitzeaktionsplan arbeiten. (Foto: Imago, imago images / Ralph Peters)
Sommerhitze in Mannheim. Auch Mannheim gehört zu den Städten in Deutschland, die an einem Hitzeaktionsplan arbeiten. Imago imago images / Ralph Peters

Immer mehr Kommunen und Städte erkennen, dass sie sich auf die Folgen des Klimawandels und die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung vorbereiten müssen. Die Stadt Köln war die erste , die einen Hitzeaktionsplan entwickelte. Düsseldorf, Mannheim, Stuttgart, Worms, Erfurt und viele andere Städte sind gerade dabei.

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