Neue Musik

Mehr musikalische Gegenwart geht kaum: Abschluss der Donaueschinger Musiktage 2022

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AUTOR/IN
Michael Rebhahn

26 Uraufführungen und ein Programm, das vom Violinkonzert bis zur Hologramm-Solistin reichte. Viel gab es bei den diesjährigen Donaueschinger Musiktagen zu erleben. Ein Überblick zum Abschluss des traditionsreichen Festivals für Neue Musik.

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Easy-Listening und preisgekrönte musikalische Avantgarde

Im Eröffnungskonzert verwandelte der australische Komponist Thomas Meadowcroft das SWR Symphonieorchester in eine Easy-Listening-Band und machte deutlich, wie breit das Spektrum ist, in dem sich Neue Musik heute bewegt.

Im selben Konzert war dann auch ein Beispiel für den technischen State-of-the-Art der musikalischen Avantgarde zu erleben. In ihrem Stück Outside the Realm of Time tauchte die polnische Komponistin Agata Zubel als Performerin auf — allerdings nicht real auf der Bühne, sondern als geheimnisvolles Hologramm, das über dem Orchester schwebte.

Eine effektvolle Arbeit, für die Agata Zubel dann auch den Kompositionspreis des SWR Symphonieorchesters erhielt.

Das Eröffnungskonzert der Donaueschinger Musiktage 2022 als Video on Demand:

Hamburger Schule trifft auf Kammerensemble

Ein Hauch von Indie-Rock hielt im Konzert mit dem New Yorker Ensemble Talea Einzug bei den Donaueschinger Musiktagen.

Dirk von Lowtzow, Sänger der Band Tocotronic, hatte seinen Text „Hyper Dub“ in Zusammenarbeit mit der Komponistin Iris ter Schiphorst zum Klingen gebracht. Hamburger Schule traf auf ein Kammerensemble.

Das Konzert des New Yorker Talea-Ensembles zum Nachhören:

Persönliche musikalische Auseinandersetzung mit Parkinson

Einem gewichtigen Thema hatten sich dagegen die Neuen Vocalsolisten Stuttgart gewidmet: Für ihr Konzert wurden vier Komponistinnen und Komponisten damit beauftragt, sich mit der Parkinson-Krankheit auseinanderzusetzen.

Entstanden sind sehr nahe, persönliche Stücke, die von Kontrolle und Kontrollverlust, von Vergänglichkeit und Widerstand handelten.

Abschluss mit Violinkonzert für Carolin Widmann

Das Abschlusskonzert der Donaueschinger Musiktage gehörte dann den fast schon klassischen Formen: Peter Ruzicka hatte ein Konzert für die Geigerin Carolin Widmann geschrieben; eine melancholisch, düstere Musik, in der neben dem SWR Symphonieorchester auch das SWR Vokalensemble mit einem Text von Paul Celan beteiligt war.

Einen Brückenschlag zur musikalischen Tradition gelang Arnulf Herrmann zum Abschluss der Musiktage. Ein Kinderlied hieß seine Komposition, in der ein Schlaflied von Johannes Brahms eine Atmosphäre zwischen Geborgenheit und Unheimlichkeit herstellte.

Das Abschlusskonzert der Donaueschinger Musiktage:

Auch in ihrem 101. Jahrgang bewiesen die Donaueschinger Musiktage einmal mehr, dass sie ein Ort sind, an dem Musik — so unterschiedlich sie auch klingen mag — immer gegenwärtig ist.

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Michael Rebhahn