gesundes Essen, eine Wage und ein Maßband  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Ernährungsdoc Matthias Riedl

Das steckt hinter den Abnehm-Mythen

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Wundermittel und Geheimtipps - im Internet kursieren die absurdesten Gerüchte von Dingen, die beim Abnehmen helfen sollen. Dr. Matthias Riedl klärt auf: Was ist dran an den Mythen?

Der Frühling kommt bestimmt und an Weihnachten und zum Jahreswechsel wurde ordentlich geschlemmt. Und das ist auch kein Problem, aber wer sich in seiner Haut dennoch nicht ganz wohl fühlt und für das persönliche Gefühl lieber ein paar Kilo verlieren möchte, sieht sich im Internet mit vielen Gerüchten konfrontiert.

Dr. Matthias Riedl (Foto: Andreas Sibler)
Dr. Matthias Riedl Andreas Sibler

Mythos 1: Schlaf macht schlank

Mit dabei ist zum Beispiel auch der Tipp, dass schlafen schlank machen kann. Laut Dr. Matthias Riedl ist Schlaf zwar auf jeden Fall wichtig, aber: "Der Slogan schlank durch Schlaf ist eine deutliche Übertreibung."

So sei es durchaus wichtig genug zu schlafen, da ein kurzer oder schlechter Schlaf dazu führt, dass die Hungerhormone morgens erhöht sind. Und die führen wiederum zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel und der dann zu mehr Appetit. Wer nun aber extra viel schläft, um extra gut abzunehmen, der tappe in die Falle des Mythos, denn durch einen längeren Schlaf kann die Gewichtsabnahme nicht weiter gefördert werden. "Gut ist ein Schlaf um sieben, acht Stunden. Wenn es deutlich drüber ist, ist dieser Effekt nicht mehr nachweisbar", so Riedl.

Mythos 2: Die Gene sind schuld

"Die Gene sind wichtig, ja. Aber wir sind den Genen nicht hilflos ausgeliefert", sagt Dr. Matthias Riedl von den Ernährungsdocs beim Norddeutschen-Rundfunk. Denn auch die Ernährungsumwelt, die Prägung durch die Gesellschaft, Werbung und die vielen Fertigprodukte spielen eine Rolle. Die Ernährung sei immer bedeutender geworden. Wer darauf achte, also viel Gemüse und gesunde Fette esse, das Eiweiß richtig dosiere und bei den Kohlenhydraten aufpasse, der schaffe es auch Gewicht abzunehmen.

Mythos 3: Es gibt Lebensmittel, die schlank machen

Laut Riedl helfen eiweißhaltige Lebensmittel durchaus beim schlanker werden. "Weil der Körper beim Verstoffwechseln von Eiweiß tatsächlich auch Energie verbraucht", sagt er. Außerdem animiere Eiweiß auch den Durstrezeptor und wer mehr Wasser trinke, habe eine bessere Magenfüllung und esse weniger Falsches.

Ein Glas mit Wasser (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Viel trinken ist nicht nur im Sommer wichtig. Picture Alliance

Mythos 4: Langsam essen hilft beim Abnehmen

Richtig, denn wir brauchen 20 Minuten, damit sich bei uns die Sättigung entwickelt. "Wer sich in 20 Minuten vollschaufelt, der nimmt natürlich mehr Energie auf", erklärt Riedl. Also lieber langsam essen, genießen, die Gabel auch mal ablegen und vor allem gut kauen.

Mythos 5: Auch wenig Bewegung hilft beim Abnehmen

Laut Ernährungsexperte Riedl gewöhnt sich der Körper leider immer an ein bestimmtes Bewegungspensum, weshalb diese Bewegung dann mit der Zeit nicht mehr so stark gewichtsreduzierend wirkt. "Das heißt, eine regelmäßige Steigung des Trainings hilft tatsächlich bei der Gewichtsabnahme, aber Bewegung ist leider nur der kleine Bruder", so Riedl. Der große Bruder ist die richtige Ernährung.

Mythos 6: Sex hilft beim Abnehmen

Es klinge so schön, stimme aber leider nicht, da der Energieverbrauch laut Riedl nur marginal sei: "Die Vorstellungen, die man sich davon macht, sind völlig übertrieben." Beim Geschlechtsverkehr würden je nach Art nur 20 bis maximal 100 Kilo-Kalorien verbraucht – das entspricht etwa dem Abarbeiten einer Praline. Zum Abnehmen eignet sich Sex also eher weniger, hat dafür ja aber viele andere Benefits.

Mythos 7: Das Gehirn braucht Zucker

Vor der Prüfung schnell noch den Traubenzucker einwerfen, damit es möglichst gut läuft, denken wir. Aber das stimmt nicht. "Zucker nimmt uns sogar Energie, Zucker macht uns schlapp", sagt Dr. Matthias Riedl. Traubenzucker gebe zwar einen kurzen Kick, dann aber falle der Blutzuckerwert ganz tief. Nach dem Zuckerkonsum fühle man sich sogar oft leicht trauriger als vorher, was gar nicht förderlich zum Abnehmen sei: "Ein trauriges Gehirn neigt dazu, sich etwas Gutes zu tun. Indem es nämlich zur nächsten Süßigkeit greift".

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