Mitglieder der Ortsgruppe Nackenheim demonstrieren bei einer Rettungsübung der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) das Retten eines Schwimmers aus dem Rhein.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)

Trauen Sie sich zu, einen Ertrinkenden zu retten?

So vermeiden Sie Bade-Unfälle und helfen im Notfall

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"Können Sie einem Ertrinkenden aus dem Wasser helfen?" 43 Prozent der Befragten sagten "Nein", 45 Prozent trauten sich das zu. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema "Unfälle und Sicherheit beim Baden".

Bei Gefahr: immer zuerst Notruf absetzen

Das ist besonders wichtig, denn dann ist ärztliche Hilfe schon vor Ort, wenn der Ertrinkende gerettet ist. Es ist übrigens ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Ertrinkende laut rufen und wild mit den Armen schlagen. Ganz oft sind sie so kraftlos, dass sie nur noch mühsam versuchen, sich über Wasser zu halten. Das erkennen Sie daran, dass der Kopf des Schwimmers immer wieder kurz unter den Wasseroberfläche verschwindet.

Sich nicht selbst in Gefahr bringen

Falls Sie noch voll angezogen sind: Kleidung, die sich mit Wasser vollsaugt, ausziehen. Wenn Sie selbst kein guter Schwimmer sind: holen Sie sich lieber Unterstützung. Der Retter braucht Kraft und Ausdauer, berücksichtigen Sie das!

Der Ertrinkende wird nach allem greifen, was in seiner Nähe ist - also auch nach Ihnen. Nehmen Sie einen schwimmfähigen Gegenstand mit - ein Surfbrett, eine Luftmatratze, einen dicken Ast, einen Rettungsring. Schwimmen Sie von hinten an die Person heran, mit dem Gegenstand vor sich. Und wenn der Ertrinkende nach Ihnen greift und die Gefahr besteht, sie beide unter Wasser zu ziehen, dann hilft manchmal nur Warten, bis der Ertrinkende so erschöpft ist, dass Sie sich ihm gefahrlos nähern können.

DLRG Rettung Badesee Rettungsbrett (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
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Besonders kritisch: Flüsse

Besonders kritisch sind Rettungsversuche in fließenden Gewässern. Schwimmen Sie niemals gegen die Strömung - Sie verlieren zu sehr an Kraft. Holen Sie den zu Rettenden lieber MIT der Strömung ein. Aber: Strömungen in Flüssen sind gefährlich. Im Zweifel laufen Sie lieber auf dem Land nebenher und versuchen, die Person zu beruhigen. Vielleicht schafft es die Person, sich MIT der Strömung seitwärt ganz langsam ans Ufer treiben zu lassen. Versuchen Sie mit einem langen Gegenstand - einem Ast oder zusammengeknoteten Tüchern oder Kleidungsstücken - eine Art "Rettungsleine" zu schaffen.

Erste Hilfe nach der Rettung

Bei einem Atemstillstand: sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Also: Herzdruckmassage (30 Mal), dann Beatmung (zwei Mal). Das solange tun, bis Atmung und Kreislauf wieder funktionieren oder der Rettungsdienst da ist. Ausserdem die Person vor Unterkühlung schützen: abtrocknen und in trockene Tücher oder eine Rettungsfolie (ist in jedem Verbandskasten) einwickeln. Atmet die gerettete Person noch eigenständig, dann: stabile Seitenlage und bei ihr bleiben, bis die Rettung eintrifft.

Besonders tückisch ist das sogenannten "sekundäre Ertrinken". Selbst kleine Mengen Wasser in der Lunge können dazu führen - deshalb sollte auch jemand, der sagt "alles ok, mit geht es wieder gut, hab' ja nur Wasser geschluckt", auf jeden Fall sofort zum Arzt gehen.

Wo ist das Risiko, zu ertrinken, am höchsten?

An Seen, Teichen und Flüssen ist die Gefahr am größten, mehr als 90 Prozent ertranken dort. Außerdem sind dort vergleichsweise wenig Rettungsschwimmer stationiert. Deshalb: bewachte Badestellen aussuchen.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Wer schlecht schwimmen kann, wer übermütig ist, wer sich selbst überschätzt - und wer Alkohol beim Baden trinkt, der ist am gefährdesten. Die DLRG sagt: das ist vor allem bei Männern der Fall - drei Viertel aller Todesopfer dieses Jahr waren bislang männlich.

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Darf ich erhitzt ins Wasser springen?

Das sollten Sie vermeiden! Ein Sprung ins - meist sehr kühle Wasser - kann Unterkühlung und Krämpfe verursachen. Außerdem belastet der Temperaturunterschied den Kreislauf. Das ist vor allem für ältere Menschen gefährlich - oder wenn man Herz- und Kreislaufprobleme hat. Deshalb: langsam ins Wasser gehen und den Körper ans kalte Wasser gewöhnen. Sobald man friert: raus aus dem Wasser.

Beginnender Sonnenuntergang am Pfuhler Badesee im August  (Foto: privat, Selina Götz)
privat, Selina Götz

Was soll ich bei der Wahl der Badestelle beachten?

Unbekannte Gewässer können gefährlich sein. Einfach mal so hineinspringen: bitte nicht - dabei kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen. Am besten gehen Sie nur an bewachten Badestellen schwimmen.

Auch wichtig: die Warnhinweise. Eine rote Flagge am Meer zum Beispiel bedeutet Badeverbot - viele Menschen ignorieren das. Ganz besonders heimtückisch: Strömungen, die die Schwimmer unaufhaltsam aufs offene Meer hinaauszieht. Man sieht diese Strömungen nicht, und wenn man sie bemerkt, ist es schon zu spät. Vor allem für Kinder im flachen Wasser ist das gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können.

Einzige Chance, wenn man in einer ablandigen Strömung gefangen ist: nicht versuchen, auf direktem Weg zum Strand zurückzuschwimmen - gegen die Strömung verlieren Sie nur an Kraft. Besser ist es, quer zu dieser Strömung zu schwimmen und zu versuchen, so eventuell schräg aus ihr heraus zu kommen.

Kann ich auch in Flüssen baden?

Was die Wasserqualität angeht: Ja - in vielen deutschen Flüssen reicht sie zum Baden aus. Bei Niedrigwasser kann die Wasserqualität aber erheblich sinken.

Vorsicht: in Flüssen gibt es gefährliche Strömungen, die vom Ufer aus nicht zu erkennen sind. Und Strudel, die Sie in die Tiefe ziehen können. Wo Schiffsverkehr herrscht oder in der Nähe von Brückenpfeilern sollten Sie überhaupt nicht ins Wasser.

Was muss ich bei Kinder besonders beachten?

Wasser zieht Kinder magisch an. Eltern sollten sie an Gewässern daher nie aus den Augen lassen - das gilt übrigens auch für den flachen Gartenteich. Kleine Kinder können bereits in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken. Auch Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken. Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, ist das für Außenstehende mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder". Kinder ertrinken "leise".

Wie leiste ich am besten Erste Hilfe?

Bei Atemstillstand sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen, bei Herzstillstand gleichzeitig eine Herzmassage. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, Wasser aus Lungen oder Magen zu entfernen. Das bringt nichts und kostet wertvolle Zeit.

(mit Material von AFP, DRK, DLRG, AOK)

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