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Studien zeigen, dass Nasenspülungen oder -Sprays die Viruslast und damit das Risiko einer Corona-Infektion verringern könnten. Daran forschen bereits einige Unternehmen weltweit.

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In der Nase und dort vor allem ganz hinten, am Nasenrachen, ist die Viruslast laut Experten zehnmal größer als im restlichen Rachenbereich. Deshalb gibt es die Idee, bei der Abwehr von SARS-CoV-2 in der Nase anzusetzen.

Nasenspray aus Kanada tötet Viren – in Labor- und Tierversuchen

In Kanada ist nun ein Nasenspray des Unternehmens Sanotize entwickelt worden, das Stickstoffmonoxid verwendet und in Labor- und Tierstudien zuverlässig SARS-CoV-2 in den oberen Atemwegen abtötet. Das Nasenspray soll Menschen helfen, ihre oberen Atemwege zu reinigen und Viren abzutöten, bevor sie schwere Krankheiten verursachen.

Denn es dauert eine gewisse Zeit, bis sich das Virus an die Zellen in der Nase binden kann. Erst wenn sich die Viren einige Zeit in den Nasenzellen vermehrt haben, machen sie sich auf den Weg in die Lunge. Deshalb soll das Stickoxid-Nasenspray als Abwehr gegen Infektionen eingesetzt werden und als Behandlung für leichte und mittelschwere Fälle mit dem Ziel, schwere Entzündungsreaktionen und Infektionen der Lunge zu verhindern.

Aerosole spielen offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Viren. Daher könnte es eine gute Strategie sein, über antivirale Nasensprays die Virenlast im Mund- Nasenraum zu senken. (Foto: Imago, imago images/CHROMORANGE)
Aerosole spielen offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Viren. Daher könnte es eine gute Strategie sein, über antivirale Nasensprays die Virenlast im Mund- Nasenraum zu senken. Imago imago images/CHROMORANGE

Klinische Tests für antiviralen Nasenspray laufen

Nun wird das Nasenspray auch in Großbritannien in klinischen Studien getestet. In Kanada befindet sich das Anti-Corona-Spray bereits in klinischen Phase-2-Studien. Dabei wird derzeit an 153 Probandinnen und Probanden untersucht, ob das Spray eine COVID-19-Infektion verhindern kann. Zudem sollen Daten zur Behandlung einer leichten / mittelschweren COVID-19-Infektion mit dem Nasenspray gewonnen werden. Ende Februar werden diese Studien abgeschlossen. Bestätigen sich die guten Ergebnisse, will das Unternehmen in Kanada eine Notfallgenehmigung beantragen.

Derzeit werden verschiedene Nasensprays zur Eindämmung von Coronaviren getestet. (Foto: Imago, imago images/photothek)
Derzeit werden verschiedene Nasensprays zur Eindämmung von Coronaviren getestet. Imago imago images/photothek

Versuche mit Stickoxiden und Lipopeptiden

Auch in den USA und in Europa laufen Krankenhausversuche mit Stickoxid, bei denen schwerkranke Coronavirus-Patienten das Gas einatmen, um das Virus in ihrer Lunge abzutöten und so das Fortschreiten einer schweren Infektion zu verhindern. Ein weiteres Nasenspray kommt aus den USA. Es ist allerdings bisher nur im Tierversuch an Frettchen erprobt.

Forscher:innen der Columbia University haben ein spezielles Lipopeptid entwickelt, das das Coronavirus daran hindert, sich an Zellen zu heften und in diese einzudringen. Bei Frettchen wirkte es sofort und zeigte dann eine 24 Stunden andauernde Schutzwirkung. Die Wissenschaftler hoffen nun. rasch weitere Versuche mit Menschen durchführen zu können.

Auch Stickoxide sind anscheinend dafür geeignet, Viren abzutöten und können, als Nasenspray eingesetzt, dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr zu veringern. (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Auch Stickoxide sind anscheinend dafür geeignet, Viren abzutöten und können, als Nasenspray eingesetzt, dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr zu veringern. Imago imago images/Science Photo Library

Antiviraler Nasenspray auf der Basis von Xylitol und Grapefruitkernextrakt

Ein bereits im Handel erhältliches Nasenspray auf der Basis von Xylitol wird derzeit in den USA ebenfalls als Behandlungsoption bei leichten bis moderaten COVID-19-Fällen getestet. Die klinische Studie dazu soll mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis August dieses Jahres laufen. Im Dezember hat der Hersteller bei der US-Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit (FDA) den Antrag auf eine Vorabnotfallzulassung gestellt. Die Wirkstoffe des Nasenspray Xylitol und Grapefruitkernextrakt zeigten zunächst in Laborstudien, dass sie SARS-CoV-2 töten, indem sie das Andocken des Virus an das Kernprotein an der Zellwand verhindern.

Auch in Deutschland wird offenbar an einem antiviralen Nasenspray gegen SARS-CoV-2 geforscht. Auf unsere Anfrage hin will sich das Saarbrücker Unternehmen Ursapharm aber aufgrund bestehender Kooperationsvereinbarungen noch nicht dazu äußern.

Nasensprays könnten künftig vielleicht dabei helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. (Foto: Imago, imago images/Westend61)
Nasensprays könnten künftig vielleicht dabei helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Imago imago images/Westend61
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