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Forschende sind sich einig: Die größte Infektionsgefahr besteht in schlecht belüfteten Innenräumen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Aerosole, virushaltige Flüssigkeitspartikel.

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Der Hauptübertragungsweg für Sars-Cov2 ist das Einatmen von virushaltigen Flüssigkeitspartikeln. Das heißt, wenn wir mikroskopisch kleine Tröpfchen, die zum Beispiel beim Husten oder Nießen einer infizierten Person entstehen, einatmen. Jeder Mensch stößt durch die Atmung sowie beim Sprechen, Husten und Niesen flüssige Aerosolpartikel unterschiedlicher Größen aus.

Aerosole hängen lange in der Luft

Während die größeren Tröpfchen relativ rasch zu Boden fallen – halten sich die leichteren Aerosole lange in der Luft und können auch einige Meter Distanz überwinden. Das ist vor allem in kleinen oder schlecht belüfteten Räumen der Fall. Daher sollen solche Räume- wie zum Beispiel Klassenzimmer oder Großraumbüros gut belüftet werden, um die Aerosol-Belastung der Atemluft zu verringern.

In einem Experiment haben Wissenschaftlerinnen Testpersonen in einen geschlossenen Raum gestellt und 25 Sekunden lang den kurzen Satz „Stay healthy! (Bleib gesund!) Sagen lassen. Anschließend haben sie die dabei entstandenen Sprachtröpfchen gezählt und hochgerechnet, dass beim normalen Sprechen im Schnitt pro Minute rund tausend Aerosolpartikel ausgestoßen werden, die dann etwa acht Minuten lang in der Raumluft schweben.

Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Coronaviren (Foto: Imago, imago)
Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Coronaviren. Beim normalen Sprechen werden im Schnitt pro Minute rund tausend Aerosolpartikel ausgestoßen. Imago imago

Gute Luftfilter mindern Viruslast

Ganz wichtig: Ob und wie schnell die Aerosolpartikel absinken, hängt auch von Faktoren wie Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit ab. Und man kann die Luftreinigung durchaus vorantreiben. So haben Studien in Frankfurt gezeigt, dass handelsübliche Luftreiniger mit Hepafiltern in einem voll besetzten Klassenzimmer die Aerosol-Konzentration innerhalb einer halben Stunde um 90 Prozent verringern konnten.

Und Experimente in einem Konzerthaus in Dortmund zeigten, dass mit einer guten Lüftungsanlage Aerosole sehr stark verdünnt werden können. Wissenschaftlerinnen erklären seit Monaten, dass die Ansteckungsgefahr mit Sars-Cov-2 in Innenräumen deutlich höher ist als draußen, da sich dort die Aerosolpartikel besser anreichern können. Nun haben Aerosolforscher aus Deutschland die Politik aufgefordert, diesen Fakt bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stärker zu beachten.

Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Coronaviren (Foto: Imago, imago)
Die Ansteckungsgefahr mit Sars-Cov-2 in Innenräumen ist deutlich höher als draußen. Mit guten Lüftungsanlagen kann die Aerosolkonzentration stakt verdünnt und diese Gefahr deutlich reduziert werden. Imago imago

Ansteckungsgefahr im Freien ist geringer

Gerade für Büros, Klassenräume, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen sollten bessere und weitergehende Maßnahmen ergriffen werden. Dort könne eine Ansteckung schon stattfinden, wenn sich ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen die Aerosolforscher. Deshalb sollten Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich gehalten werden, mit Maskentragen und häufigem Stoß- oder Querlüften, sowie Raumluftreinigern und Filtern. Das sei wichtiger als Alibi-Vorschriften wie zum Beispiel das Maskentragen in der Fußgängerzone.

Aerosole spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Coronaviren (Foto: Imago, imago)
Maskentragen, Lüften und Raumluftreiniger in Innenräumen sind wichtiger als Maskentragen in der Fußgängerzone. Imago imago

Das Spazierengehen im Freien, Joggen oder Radfahren nur noch mit Maske zu erlauben oder ganz zu verbieten, sei Symbolik. Dadurch sei kein nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen zu erwarten», schreiben die Experten in ihrem offenen Brief. Bisher sei nicht ein Fall bekannt, bei dem im Freien eine größere Menschengruppe mit Covid-19 infiziert wurde, wie das in Innenräumen zum Beispiel in Heimen, Schulen, Kirchen und in Büros häufig der Fall ist. Allerdings warnen sie: Tröpfcheninfektionen können Menschenansammlungen aufttreten, wenn Mindestabstände nicht eingehalten und/oder keine Masken getragen werden.

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