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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

Der Begriff Quarantäne geht zurück auf die Zeit der großen Pest-Pandemie im 14. Jahrhundert. Die Pest stammte damals aus dem Mongolenreich, drang bis ans Schwarze Meer vor und erreichte von dort über das Mittelmeer Europa – also über den Seehandel.

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Venedig schützt sich vor der Pest: Schiffsbesatzung 40 Tage isoliert

In Italien gab es zwei Städte, die im Seehandel konkurrierten: Genua und Venedig. Um die Pest einzudämmen beschloss Venedig, ankommende Schiffe 40 Tage lang zu isolieren. Das heißt, die Schiffe lagen im Hafen, die Besatzung durfte aber nicht an Land. Von dieser Zahl 40 – italienisch quaranta – leitete sich die Quarantäne ab.

40: italienisch "quaranta"

40 Tage sind fast 6 Wochen – für diese Dauer gab es damals keinerlei wissenschaftliche Begründung, sie war willkürlich festgesetzt. Dahinter dürfte auch eine Art Zahlenmagie gesteckt haben. Die Zahl von 40 Tagen spielt ja schon in der Bibel und im christlichen Kalender an verschiedenen Stellen eine Rolle. Und so haben die Venezianer dann auch diese Dauer gewählt.

Wenig Erfolg: Reiche kaufen sich frei

Allerdings diese Maßnahme auch nicht konsequent durchgeführt und kontrolliert. Händler mit genügend Geld konnten sich auch von der Quarantäne freikaufen. So gelangte die Pest am Ende doch von Venedig über den Brenner nach Mitteleuropa. Das war der eine Weg. Der andere führte über Genua und Marseille durch das Rhone-Tal. Insgesamt starben in Europa geschätzt 25 Millionen Menschen am „Schwarzen Tod“.

Quarantäne ist sinnvoll, richtet sich heute aber nach der Inkubationszeit

Das alles spricht aber nicht gegen Quarantänemaßnahmen, die wurden ja im Lauf der Zeit bis heute immer wieder eingesetzt, um die Ausbreitung eines Krankheitserregers zumindest zu verlangsamen.

Heute bezieht sich der Begriff Quarantäne auch nicht nur auf Leute, die von irgendwo anders herkommen. Beim neuartigen Coronavirus wurden, wie in China, die Bewohner ganzer Städte unter Quarantäne gestellt. Oder, in Europa, diejenigen, die Kontakt zu bereits Infizierten hatten. Die Idee ist zwar die gleiche wie im Mittelalter, aber die konkreten Maßnahmen sind heute wissenschaftlich wesentlich besser abgesichert. Und auch wenn es noch Quarantäne heißt, werden in der Regel keine 40 Tage festgesetzt, sondern die Dauer richtet sich nach der Inkubationszeit der jeweiligen Krankheit.

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