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Richtig atmen – Verbindung von Körper und Seele

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AUTOR/IN
Ingrid Strobl
ONLINEFASSUNG
Ulrike Barwanietz
Candy Sauer

Atem-Kurse, Atem-Apps und Bücher zum "richtigen Atmen" sind im Trend. Was genau aber passiert im Körper, wenn wir atmen? Und wie kann bewusstes Atmen helfen, entspannter zu leben?

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Was lange Zeit nur ein Thema für Buddhisten, Lungenärzte und Yoga-Lehrer war, ist neuerdings zum Hype geworden. Je hektischer und atemloser sich das Leben gestaltet, desto größer scheint das Interesse am Atem zu werden. Die Auswahl an Büchern und Zeitschriftenartikeln zum Thema ist groß und von unterschiedlicher Qualität. Wie genau funktioniert dieser vielbeschworene Atem, ohne den wir nicht am Leben wären?

Atmen: Zusammenspiel verschiedener Teile der Muskulatur

Wolfram Windisch, Chefarzt der Lungenklinik im Krankenhaus Köln-Merheim, beschreibt ein komplexes Zusammenspiel zwischen ganz verschiedenen Teilen der Muskulatur, die Ein- und Ausatmung so regeln, dass sie den Bedürfnissen des Menschen angepasst sind. Die Muskeln im Rumpf ziehen sich dafür zusammen und führen dazu, dass der Brustkorb sich weitet und die Luft einströmt. Wenn sich die Muskeln dann entspannen, entsteht in der Lunge ein Überdruck und das Ausatmen passiert von allein, ohne dass die Muskeln noch etwas dafür tun müssen.

Es gibt jedoch auch Muskeln, die der Ausatmung dienen, sagt Wolfram Windisch. Die brauchen wir aber nur dann, wenn wir ganz schnell ausatmen wollen oder wenn wir kontrolliert ausatmen wollen, wie beim Sport. Oder um Druck aufzubauen, beim Niesen, beim Husten, beim Pressen, beim Singen.

Die Psyche verändert die Atmung

Es gibt aber noch eine andere Ebene. Denn das Atemzentrum, so autonom es läuft, ist verschaltet mit unserer bewussten Wahrnehmung. Das heißt, wir können, wenn wir atmen, gleichzeitig darüber reflektieren, dass wir atmen.

Wolfram Windisch erklärt, dass die Atmung sehr eng mit dem sogenannten limbischen System und auch den anderen Systemen im zentralen Nervensystem verschaltet ist, die für die Psyche verantwortlich sind. Konkret heißt das: Wenn man Schmerzen hat oder wenn man aufgeregt ist durch Angst oder Freude, verändert sich die Atmung.

Grafik mit Lunge, Skelett und gekennzeichneten Bronchien
Der Atem ist seit einiger Zeit verstärkt Thema der Hirnforschung und der Psychologie

Atmen: schon vor und während der Geburt wichtig

Nicht nur Yogalehrerinnen und Buddhisten arbeiten mit der heilsamen Wirkung des Atems. Hebammen zum Beispiel ermutigen Gebärende, bewusst zu atmen. Auch – und gerade – während der Wehen. Denn so können sie nicht nur ihre Schmerzen ein wenig lindern, sondern versorgen das Kind gleichzeitig besser mit Sauerstoff. Ein bewusstes Atmen kann aber auch schon vor der Geburt helfen. Deshalb lernen werdende Mütter in Geburtsvorbereitungskursen spezielle Atemtechniken.

Riskant: Apnoetauchen und Höhenbergsteigen

Menschen, die es für das sogenannte Apnoetauchen ohne Sauerstoffgerät in extreme Tiefen zieht, begeben sich allerdings in Lebensgefahr. Gefährlich wird es auch für Höhenbergsteigerinnen und Höhenbergsteiger. Denn in extremen Höhen ab 7.000 Metern übernimmt die zunehmend dünnere Luft die Regie über den menschlichen Atem. Höhenbergsteiger wissen das – und versuchen dennoch immer wieder, die Herausforderung anzunehmen. Sprich: die Achttausender ohne Sauerstoffmasken zu erklimmen. Ein Spiel mit dem Tod.

Bewusste Atemübungen als Therapie

Der Atem ist seit einiger Zeit verstärkt Thema der Hirnforschung und der Psychologie. Und die Ergebnisse neuerer Untersuchungen bestätigen, was in der indischen Medizin schon vor Jahrtausenden bekannt war: Eine entschleunigte Atmung ist das Basistherapeutikum in der Psychosomatik, erklärt zum Beispiel Thomas Loew, Chefarzt der psychosomatischen Abteilung am Universitätsklinikum Regensburg in der Zeitschrift Psychologie heute. Die Patientinnen und Patienten der Klinik werden beim tiefen Ein- und Ausatmen an ein Biofeedback-Gerät angeschlossen und können so sehen, was sich in ihrem Körper verändert: Der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt langsamer, die Muskeln entspannen sich.

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Bei der sogenannten Ujjayi-Atmung wird durch einen Hauchlaut über die Kehle versucht, die Ausatmung sehr gleichmäßig zu halten

Buddhistische Atemmeditation und Yoga

Die klassische und im Westen weit verbreitete buddhistische Atemmeditation ist die Geistesruhe-Meditation, Shamata. Der Meditationslehrer Yesche Udo Regel lehrt sie nicht nur in buddhistischen Zentren, sondern auch in Krankenhäusern. Und erhält häufig die Rückmeldung, das Meditieren helfe, mit den Anforderungen und dem Stress in der täglichen Arbeit besser fertig zu werden.

Auch der Pneumologe und Schulmediziner Wolfram Windisch ist alternativmedizinischen Methoden nicht von vorne herein abgeneigt. Er selbst empfiehlt zum Beispiel Yoga und speziell die im Yoga praktizierte Ujjayi-Atmung.

Yoga-Atemtechnik: Ujjayi

Darin wird durch einen Hauchlaut über die Kehle versucht, einen gleichbleibenden Ton zu produzieren und damit die Ausatmung sehr gleichmäßig zu gestalten. Ziel ist es auch Stoffwechselvorgänge, Denkvorgänge und viele andere Prozesse aus der Unordnung heraus zu bringen, erklärt Windisch. Diese und andere Methoden, so der erfahrene Mediziner, können durchaus eine Beruhigung des Körpers und des Geistes bewirken.

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