SWR2 Wissen | 2-teilige Reihe

Bier und Wein – Trendgetränke und Klimawandel

Stand
Autor/in
David Beck
Bild von David Beck, Reporter und Redakteur SWR Wissen aktuell sowie Redakteur bei SWR Kultur Impuls.
Pascal Siggelkow
Pascal Siggelkow

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Wetterextreme: Eine Krise folgt auf die andere. Schwere Zeiten – auch für die Bierbrauer und Winzer im Land. Vor allem der Klimawandel wird die Branchen nachhaltig verändern. Doch er sorgt auch für ein Umdenken – sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Konsumenten.

Audio herunterladen (26,1 MB | MP3)

Beim Weinanbau macht das Klima die Musik: Je nachdem, wie warm und trocken eine Region ist, wird von den Winzern die passende Rebsorte dafür gewählt. In Deutschland wurde daher über Jahrhunderte der hier klassische Riesling angebaut. Denn diese Sorte mag es eher kühl und feucht. Doch vor allem im Südwesten Deutschlands könnte es dafür bald schon zu heiß sein – und zu trocken.

Daher stehen viele Winzer momentan vor einer schweren Entscheidung: Setzen sie die Tradition ihrer Vorfahren fort oder setzen sie auf neue Sorten? Die Entscheidung muss gut durchdacht sein und mit Weitsicht getroffen werden. Eine neue Weinrebe braucht bis zu sieben Jahre, bis sie erntefähige Trauben bildet. Klimatische Veränderungen spielen bei der Planung daher eine wichtige Rolle.

Rebe mit Rieslingtrauben: Der Riesling mag es eher kühl und feucht. Daher wurder er in Deutschland über Jahrhunderte angebaut. Bald könnte es für den Riesling hierzulande aber zu heiß und zu trocken sein. Die Winzer müssen umdenken.
Der Riesling mag es eher kühl und feucht. Daher wurder er in Deutschland über Jahrhunderte angebaut. Bald könnte es für den Riesling hierzulande aber zu heiß und zu trocken sein.

An der Mosel, wo eigentlich traditionell Riesling angebaut wird, findet bereits ein Umdenken statt. Immer häufiger setzen die Winzer hier auf Burgunder. Auch Jungwinzer Sven Nieger setzt in Baden-Baden unter anderem auf Rebsorten wie Syrah, die früher eigentlich nur in südeuropäischen Ländern angebaut wurde. Wie wichtig es ist, sich den klimatischen Veränderungen anzupassen, zeigt ein Blick in das Elsass. Dort haben einige Winzer zu lange am Riesling festgehalten, statt auf Rotwein zu wechseln, sagt Wein-Sommeliér Stephanie Döring. Mittlerweile habe die Region keinen Markt mehr.

Biologischer Anbau ist im Kommen

Der Klimawandel sorgt aber nicht nur dafür, dass andere Rebsorten angebaut werden, er stärkt auch das ökologische Bewusstsein vieler Winzer. Eine der aktuellen Entwicklungen beim Wein ist der Trend hin zu biologischem Anbau. Biosiegel wie Demeter oder Bioland prangen immer häufiger auf den Etiketten sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist. Die Winzer versichern damit, sich an gewisse Standards zu halten und nachhaltig zu produzieren und keine tierischen Produkte zur Klärung des Weins zu verwenden.

Die Unterschiede zwischen biologischem und konventionellem Weinbau zeigt sich zum Beispiel beim Thema Düngung. Im konventionellen Weinbau wird mit synthetischen Düngemitteln gearbeitet, der wichtigste synthetische Dünger ist Stickstoff. Um den Stickstoffdünger auszubringen, wird im konventionellen Weinbau in der Regel immer eine Rebzeile offengehalten. Das bedeutet, diese Reihe wird nicht begrünt, damit dort der Mineraldünger ausgebracht werden kann.

Immer häufiger prangen Biosiegel auf den Etiketten der Weinflaschen sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist
Immer häufiger prangen Biosiegel auf den Etiketten der Weinflaschen sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist

Die andere Herangehensweise, die Bio-Winzer bevorzugen, ist die organische Düngung. Dabei wird über Jahre hinweg eine Humusschicht im Weinberg aufgebaut. Kompost wird ausgebracht, die Rebzeilen werden begrünt – mit Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft binden und im Boden der Rebe verfügbar machen.

Der Vorteil gegenüber dem Mineraldünger kam in den Jahren zwischen 2018 bis 2020 zum Vorschein. Weil es teilweise wochenlang nicht geregnet hatte, trockneten die Böden aus. Die Folge: Immer mehr Weinberge litten an Mangelerscheinungen, zum Beispiel hatten sie zu wenig Stickstoff. Denn Mineraldünger würde von den Weinbergen nur aufgenommen, wenn es regnet, sagt Daniel Deimling, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaft des Wein- und Getränkesektors an der Hochschule Heilbronn. Bei der organischen Düngung sei der Stickstoff für die Rebe auch bei Trockenheit verfügbar.

Klimawandel beeinflusst auch die Bierbrauer

Auch bei den Bierbrauern ist der Klimawandel ein großes Thema. Der Hopfenanbau leidet beispielsweise bereits seit Jahren unter der Trockenheit. Doch vor allem die Hauptzutat des Biers könnte zukünftig hart umkämpft sein: Wasser. Denn Bier besteht nicht nur zu 98 Prozent aus Wasser, es wird auch in großen Mengen während des gesamten Herstellungsprozesses gebraucht.

Ähnlich wie beim Wein wird auch beim Bier von den Verbrauchern zudem mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Befeuert wird der Trend zur Regionalität auch von der Craftbier-Bewegung. Craftbier – was auf Deutsch so viel bedeutet wie: handwerklich gebrautes Bier – sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile. Ausgehend von den USA schwappte der Trend in den 2010er-Jahren nach Europa über.

"Lecker Bierchen" steht auf der Tafel hinter verschiedenen Craft-Beer-Flaschen: Handwerklich gebrautes Bier sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile
"Lecker Bierchen" steht auf der Tafel hinter verschiedenen Craft-Beer-Flaschen: Handwerklich gebrautes Bier sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile

Doch nicht nur Regionalität ist ein Trend bei den Brauern, auch alkoholfreies Bier ist immer gefragter. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes ist bereits jedes zehnte Bier, das verkauft wird, ohne Alkohol. Insgesamt ist der Bierkonsum – ob mit oder ohne Alkohol – jedoch seit Jahren leicht rückläufig in Deutschland. Im Jahr 2000 tranken die Deutschen im Schnitt noch mehr als 125 Liter pro Kopf und Jahr – im Jahr 2021 nur noch etwa 91,6 Liter. Trotz allem eine beachtlich hohe Zahl.

Weinkonsum seit Jahren konstant

Die Weinbranche kann da nur neidisch auf die Brauer schauen. Mit 20,7 Litern pro Kopf fällt der Konsum von Wein deutlich geringer aus – was natürlich auch mit dem höheren Alkoholgehalt zu erklären ist. Dafür ist der Weinkonsum in den vergangenen Jahren sehr konstant geblieben und hat sich während der Corona-Pandemie sogar leicht erhöht.

Doch natürlich gibt es auch in der Weinbranche neben dem umweltbewussteren Anbau weitere Trends, die vor allem bei den jüngeren Generationen Anklang finden. Vor allem bei der Verpackung wird mit den Konventionen gebrochen – auch aus Nachhaltigkeitsgründen. So füllen einige Jungwinzer ihren Wein beispielsweise in Dosen ab. Das hat nicht nur für den Transport Vorteile und umgeht das Problem des Glasmangels. Dosen sind auch lichtundurchlässig und somit eigentlich besser geeignet als die dunklen Glasflaschen, bei denen Licht durchkommt.

Auch beliebt ist die sogenannte Bag-in-Box, also "Beutel in Schachtel", vor allem in Skandinavien. Der Wein wird hier in einen Innenbeutel abgefüllt, der sich in einem Karton befindet. Die Beutel können dabei auch gerne mal direkt mehrere Liter Wein enthalten. Über einen Zapfhahn kann sich der Konsument dann bequem sein Glas voll machen.

Bag-in-Box mit Wein: Alternative Verpackungen für Wein haben es schwer. Die Gründe für die Skepsis sind aber eher psychologisch als wissenschaftlich: Im Schlauch oder in der Dose ist der Wein vor Licht und Sauerstoff gut geschützt – wichtig für die Haltbarkeit.
Bag-in-Box mit Wein: Alternative Verpackungen für Wein haben es schwer. Die Gründe für die Skepsis sind aber eher psychologisch als wissenschaftlich: Im Schlauch oder in der Dose ist der Wein vor Licht und Sauerstoff gut geschützt – wichtig für die Haltbarkeit.

Orange-Wein als neuer Trend

Natürlich gibt es auch allgemeine Trends, die einzelnen Weinsorten gelten. Grauburgunder etwa ist momentan sehr gefragt. Zudem geht es eher zu Rosé und Weißwein, also zu den alkoholärmeren Weinen, ähnlich wie beim Bier. Es gibt tatsächlich auch Winzer, die alkoholfreie Weine produzieren.

Audio herunterladen ( | MP3)

Im Kommen ist auch Orange-Wein, ein maischevergorener Weißwein. Das bedeutet, dass der Saft von weißen Trauben zusammen mit den Schalen vergoren wird. So macht man es eigentlich nur beim Rotwein. Denn die rote Farbe bekommt der Wein von der Schale der Trauben. Vergärt man den Saft weißer Trauben zusammen mit den Schalen, dann bekommt der Wein eine dunkelgelbe bis goldene oder eben orange Farbe.

Abschließend bleibt festzuhalten: Während Alkohol allein schon aus hygienischen Gründen früher oft unverzichtbar war, trinken gerade gesundheitsbewusste junge Menschen heute bewusst häufig alkoholfreie Varianten. Und sie schauen auf Herkunft und Verarbeitung: Nachhaltigkeit ist im Trend – nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Die Auswirkungen, die bereits jetzt spürbar für die Winzer und Brauer sind, werden wohl noch zunehmen. Doch auch wenn der Wein irgendwann aus Norddeutschland kommen sollte und das Bier aufgrund von Wassermangel zum Luxusgut würde: Getrunken wird es vermutlich noch sehr lange.

Bier und Wein (1/2) Die lange Geschichte der Trinkkultur

Bier und Wein sind Kulturgetränke, sie prägen unsere Gesellschaft. Warum sind die beiden uns so wichtig? Und was hat das Bier mit der Sesshaftwerdung des Menschen zu tun?

SWR2 Wissen SWR2

Bier

Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Wie KI euer Bier noch besser macht!

Diese Woche mit Sina Kürtz und Aeneas Rooch.

Ihre Themen sind:
- Eine KI soll Biergeschmack testen – das können wir doch selbst! (02:27)
- Aus der Bibliothek von Harvard wurde ein Buch verbannt, weil es in Menschenhaut gebunden war. Das ist allerdings kein Einzelfall ... (11:52)
- Das Dezimalsystem wurde früher erfunden als gedacht – und ja, das sollte uns interessieren. (23:12)

Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
Human remains in University Museum Collections: https://provost.harvard.edu/files/provost/files/harvard_university-_human_remains_report_fall_2022.pdf?m=1663090982
WHAT IS THE STATUS OF THE BOOK BOUND IN HUMAN SKIN AT HARVARD?: https://ask.library.harvard.edu/faq/82429
Predicting and improving complex beer flavor through machine learning: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38531860/
Decimal fractional numeration and the decimal point in 15th-century Italy: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0315086024000016?via%3Dihub

Unser Podcast-Tipp der Woche: „11KM: der tagesschau-Podcast“: Immer ein Thema aus den aktuellen News in aller Tiefe, mit Recherchen aus der ARD.
https://1.ard.de/11KM_Podcast

Habt ihr auch Nerd-Facts und schlechte Witze für uns?
Schreibt uns bei WhatsApp oder schickt eine Sprachnachricht: 0174/4321508
Oder per E-Mail: faktab@swr2.de
Oder direkt auf http://swr.li/faktab

Instagram:
@charlotte.grieser
@julianistin
@sinologin
@aeneasrooch

Redaktion: Charlotte Grieser und Chris Eckardt
Idee: Christoph König

Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft LIVE-SPECIAL I: FOMO, JOMO und wtf? Warum ihr eigentlich gar nix verpasst ... | mit Urooba Aslam

Mit Sina Kürtz und Julia Nestlen live vom SWR Podcastfestival in Mannheim. Zu Gast: die Psychologin Urooba Aslam von psychologeek

Ihre Themen sind:
- Bei einer Marsbesiedlung muss dringend ein Clown mit! Sina erklärt, warum. (01:04)
- FOMO und Kollegen – eine Psychologin packt aus! (16:23)
- Kleinere Gläser – weniger Trinken? Julia hat Tipps für die BargängerInnen unter euch (25:24)

Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
Mit Psychologie zu den passenden Kandidat/innen: https://www.dlr.de/dlr/jobs/desktopdefault.aspx/tabid-11122/2040_read-16/
NASA Selects Participants for One-Year Mars Analog Mission: https://www.nasa.gov/missions/analog-field-testing/chapea/nasa-selects-participants-for-one-year-mars-analog-mission/
Warum ihr keine Angst haben solltet, etwas zu verpassen: https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/freizeit-stress-freizeitstress-fomo-angst-verpassen-erholung-100.html
Impact on wine sales of removing the largest serving size by the glass: An A-B-A reversal trial in 21 pubs, bars, and restaurants in England: https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1004313
Der YouTube-Kanal „psychologeek“ mit Urooba Aslam und Riccardo Frink: https://www.youtube.com/channel/UClimlKiB3xLJlpP1BbzfXSA
Urooba auf Instagram: https://www.instagram.com/psychologin_urooba/

Unser Podcast-Tipp der Woche: „Die SamstagsCrasher - der Wahnsinn der Woche“
https://www.ardaudiothek.de/sendung/die-samstagscrasher-der-bayern-3-comedy-podcast/23401552/

Außerdem noch ein Tipp auf Instagram: Für so gut wie alles im Leben gibt es eine wissenschaftliche Erklärung: Warum haben wir manchmal das Bedürfnis, Leute zu beißen, die wir gerne mögen? Wie kann ein Bakterium dafür sorgen, dass uns alte Nudeln ins Krankenhaus bringen? Die Antwort auf solche und ähnliche Fragen gibt’s easy erklärt ab Mittwoch 28.02. auf dem neuen Instagram-Account “Ah&Oh“ von ARD Wissen. Folg dem Kanal und hol dir mehr Aha in deinen Instagram-Feed.
https://1.ard.de/ahundoh

Habt ihr auch Nerd-Facts und schlechte Witze für uns?
Schreibt uns bei WhatsApp oder schickt eine Sprachnachricht: 0174/4321508
Oder per E-Mail: faktab@swr2.de
Oder direkt auf http://swr.li/faktab

Instagram:
@charlotte.grieser
@julianistin
@sinologin
@aeneasrooch

Redaktion: Charlotte Grieser und Chris Eckardt
Idee: Christoph König

Zeitwort 11.11.1842: In Pilsen wird das erste Pils ausgeschenkt

Dass das Pils aus Pilsen kommt, weiß jeder Biertrinker. Aber die wenigsten wissen, wie es dazu kam, dass in Böhmen Mitte des 19. Jahrhunderts ein schmackhaftes Bier gebraut wurde.

SWR2 Zeitwort SWR2

Wein

Landwirtschaft Pestizidbelastung in Mainz-Bingen: Doppelt so hoch wie der Schnitt

Eine drastische Reduktion von Pestiziden – das fordern viele im Landkreis Mainz-Bingen. Untersuchungen zeigen, dass die Pestizidbelastung im Bundesschnitt dort außergewöhnlich hoch ist – zu Lasten der Umwelt.

Impuls SWR Kultur

Zeitwort 25.05.1728: Ludwig XV. erlaubt Wein in Flaschen

Der Urenkel des Sonnenkönigs liebte es, seinem Damenbesuch moussierenden Wein aus der Champagne zu servieren. Wohl auch deshalb erlaubte er die Abfüllung des Getränks in Flaschen.

Zeitwort SWR Kultur

Klima Merlot an der Mosel: Der Klimawandel verändert den Weinbau

Im Moseltal wird es wegen des Klimawandels wärmer und trockener. Das bietet für den Weinbau auch Chancen. Riesling schmeckt heute besser, sagen Forschende, weil die Sonne viel scheint. Außerdem wachsen neue Rebsorten, die früher erfroren wären.

SWR2 Impuls SWR2