Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (Foto: SWR, Jutta Horn)

Herausforderung Klimawandel

Wenn es im Krankenbett zu heiß wird

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Jutta Horn
Jutta Horn arbeitet als Reporterin für SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Das Jahr 2023 beginnt mit sehr milden Temperaturen und das lässt erahnen, wie heiß der Sommer werden könnte. Das stellt das Trierer Brüderkrankenhaus vor immense Herausforderungen.

Allein zwischen 2018 und 2020 gab es laut Bundesumweltministerium etwa 20.000 Hitzetote in Deutschland. Extremwetterereignisse nehmen durch den Klimawandel in Deutschland zu. Hitzewellen und Unwetter stellen auch die Krankenhäuser in der Region Trier vor außergewöhnliche Herausforderungen. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier versucht das zu meistern, so der Hausobere Markus Leineweber.

Markus Leineweber, Hausoberer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (Foto: Julia Steinbrecht, KNA)
Markus Leineweber, Hausoberer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier Julia Steinbrecht, KNA

"Grundsätzlich tragen wir als großes Unternehmen eine große Verantwortung, uns diesem Thema zu stellen. Wie gehen wir mit den Ursachen des Klimawandels um, wie gehen wir mit den Folgen des Klimawandels um?"

Leineweber rechnet damit, dass die Hitzewellen zunehmen werden, dass mehr Patienten in die Notaufnahme kommen, weil sie unter der Hitze leiden. Das stellt den Krankenhausmanager vor die erste Herausforderung - die Gebäude. Wie kann man verhindern, dass sich die Innenräume zu stark aufheizen?

"Wie kann man unter erhöhten Hitzebedingungen auch noch gut arbeiten und wie kann man die Aufenthaltsqualität bzw. auch die Gesundheit der Patienten schützen, die hier stationär liegen?"

Die Neubauten wurden schon so geplant. Zwar gibt es hier keine Klimaanlage, die man auf Temperatur einstellen kann, aber eine Kühlung der Umluft, also der Belüftung. Das habe im Hitzesommer 2022 gut funktioniert, sagt Leineweber.

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (Foto: SWR, Jutta Horn)
Im Neubau St.Martinus können die Krankenzimmer über die Belüftung gekühlt werden. So sollen die Mitarbeitenden und Patienten bessere Bedingungen haben. Jutta Horn

Herausforderung Altbau-warum Ventilatoren keine Lösung sind

Es gebe Bereiche im Altbestand, in denen die Wärmeentwicklung in den Gebäuden der Klinikleitung zu schaffen mache, sagt Leineweber. Hin und wieder versuche man über mobile Lösungen das Klima zu regulieren. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Denn alle Maßnahmen müssen mit der Krankenhaushygiene im Einklang stehen. Einfach Ventilatoren oder Kühlgeräte aufstellen, klappt also nicht.

Gucken, was im Altbestand möglich ist

Bestandsgebäude werden nach und nach saniert, auch energetisch. Dazu gehört eine Außendämmung, aber auch eine automatische Beschattung, also Jalousien, die herunterfahren, um die Wärme draußen zu lassen.

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (Foto: SWR, Jutta Horn)
Der Altbestand des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Trier wird nach und nach saniert. Jutta Horn

Sanierungen kosten viel Geld

Leineweber sieht da auch die Politik in der Pflicht. Es gebe viele Kliniken, die einen gewissen Altbestand haben, der aus den 70er und 80er Jahren stammt, teilweise vielleicht noch älter und man könne nicht jedes Gebäude abreißen und neu bauen, das heißt, es würden Sanierungen stattfinden müssen, die aufwendig sind und Geld kosten. Da wäre es schon wünschenswert, wenn man diese Maßnahmen durch einen Fördertopf unterstützen würde.

Wie bekommt man die Energieversorgung stabilisiert?

OP-Räume, Intensivstationen, aber auch Serverräume sind natürlich schon jetzt im Brüderkrankenhaus klimatisiert. Aber es gibt auch weitere Kühlbereiche: für Medikamente, die Kühlhäuser der Küche. Dort ist die Herausforderung, die Energieversorgung stabil zu halten- auch bei Unwettern oder Krisensituationen. Diese Bereiche müssen, so Leineweber entsprechend abgesichert sein durch Notstromaggregate.

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"Wie kann man die Ursachen des Klimawandels bekämpfen mit den Möglichkeiten, die wir hier vor Ort haben?"

Die Klinikleitung will nicht nur mit den Folgen des Klimawandels, sprich mit Hitze, umgehen, sondern will aktiv die Ursachen des Klimawandels bekämpfen. Da geht es auch um alternative Energiequellen. Das neue Bildungsinstitut oder auch der Hubschrauberlandeplatz, der immer eisfrei sein muss, werden mit Erdwärme geheizt. Auf dem Dach des Neubaus ist eine Photovoltaikanlage. Aber auch in anderen Bereichen versucht man mit vielen kleinen Maßnahmen, Ressourcen einzusparen und nachhaltig zu wirtschaften. Dabei helfen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die man zu einem Ideenwettbewerb eingeladen hat.

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Auch beim Klimawandel: Kleinvieh macht auch Mist

Das Brüderkrankenhaus beteiligt sich an einem Projekt, in dem 250 Kliniken und Reha-Einrichtungen aus ganz Deutschland binnen drei Jahren ihren CO2-Ausstoß um insgesamt 100.000 Tonnen reduzieren wollen. So wird nun ein anderes Narkosegas eingesetzt. Dadurch konnten die klimaschädlichen Emissionen deutlich gesenkt werden. Im Moment tüftelt man an der Essensplanung. Bislang seien immer wieder Essen weggeworfen worden, weil Patienten schon entlassen worden sind oder bei Untersuchungen sind, wenn das Essen kommt, sagt Leineweber. Das soll sich ändern: Lebensmittel, die weggeworfen würden. Personal, das Essen kocht, das nicht gebraucht würde. Eine bessere Planung per Computer soll das verhindern. Das höre sich erst mal trivial an, sagt Leineweber, aber in einer Klinik summiere sich das. So wurden auch Pfandflaschen mit Wasser auf den Gängen durch Wasserspender ersetzt. Außerdem werde das Angebot von geleasten Jobrädern gut angenommen.

Vision von einer energieautarken Klinik

Zu den Barmherzigen Brüdern gehört auch ein landwirtschaftliches Anwesen, der Schönfelder Hof in Zemmer. Dort soll eine große, bodenferne Photovoltaikanlage gebaut werden. Die Planungen laufen. Dann könnte, so Leineweber, das Brüderkrankenhaus in Trier energieautark werden.

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