Eine blinde Person geht mit ihrem Blindenstock eine Straße entlang. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Keine Weiterfahrt ans Reiseziel

Blinder Mann aus Trier erlebt eine Odyssee mit der Bahn

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AUTOR/IN
Nicole Mertes
Foto von Nicole Mertes, Redakteurin bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Mit der Bahn zu reisen, dafür braucht es bei Verspätungen und Zugausfällen starke Nerven. Für einen blinden Mann aus der Region Trier wurde eine Bahnfahrt zur Tortur.

Geplant hatte Jörg Zeimet eine Bahnfahrt von Trier nach Paderborn für ein dreitägiges Seminar. Weil er blind ist, kann Zeimet den Nahverkehr der Deutschen Bahn kostenlos nutzen. Er wollte deshalb ausschließlich mit Nahverkehrszügen reisen. Im Prinzip kein Problem, wenn es auch etwas länger dauert und man häufiger umsteigen muss, dachte er. Es gibt ja auch den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn.

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Braucht ein Mensch mit Behinderung Unterstützung beim Bahnfahren, kann vor der Reise der Mobilitätsservice gebucht werden. Man bekommt Hilfe beim Einsteigen in den Zug und beim Umsteigen. Normalerweise gibt es den Service auch, wenn ein Zug Verspätung hat oder ganz ausfällt, so ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Gestrandet am Hauptbahnhof Düsseldorf

Jörg Zeimet meldete sich beim Mobilitätsservice der Deutschen Bahn an, damit ihm jemand am Bahnsteig und beim Umsteigen hilft. Abfahrt 8:31 Uhr in Trier, Umsteigen in Koblenz. Weiterfahrt nach Düsseldorf. Ankunft dort um 12:06 Uhr. Nur fünf Minuten Verspätung. Bis dahin klappte alles wie geplant, sagt Jörg Zeimet.

Ein Mitarbeiter des Mobilitätsservice der Deutschen Bahn holte ihn in Düsseldorf am Zug wie geplant ab und half ihm beim Aussteigen. Dann hatte er schlechte Nachrichten für ihn. Eigentlich hätte die Fahrt 30 Minuten später von Düsseldorf nach Paderborn weitergehen sollen. Doch der geplante Regionalzug fiel aus. Der danach auch.

"Ich hatte ein ungutes Gefühl in dem Reisegetümmel."

Der Mitarbeiter des Mobilitätsservice wollte sich erkundigen, wie Zeimet weiterreisen könne. Er brachte ihn mit Getränkegutscheinen im Cafe des Hauptbahnhofs unter. Zwischendurch kam er vorbei, brachte ihn auf seinen Wunsch hin auch mal an die frische Luft. Fast vier Stunden hatte Zeimet da schon gewartet.

"Ich fühlte mich hilflos."

Keine Weiterfahrt nach Paderborn

Auch die folgenden Regionalzüge nach Paderborn fielen aus. An diesem Tag könne er nicht mehr nach Paderborn fahren, sagte schließlich der Mitarbeiter des Mobilitätsservice. Dass er mit einem Intercity zu seinem Ziel gekommen wäre, hatte Zeimet niemand gesagt. Er könne nur noch zurück nach Trier, so die Info des Bahnmitarbeiters.

"Meine größte Sorge war irgendwann nur noch die Angst vor einem medizinischen Notfall meinerseits aufgrund von Stress."

Aufmerksamer Mitreisender hilft beim Umsteigen

"Kurz nach 16 Uhr setzte der Mitarbeiter des Mobilitätsservice mich in einen Zug nach Koblenz", sagt Jörg Zeimet. Dort musste er umsteigen, wobei ihm ein aufmerksamer und hilfsbereiter Mitreisender half. Am späten Abend kam er wieder in Trier an. Er schrieb eine E-Mail und einen Brief an die Deutsche Bahn, worin er seine Erfahrung schilderte. Auch nach vier Wochen hat er noch immer keine Antwort.

"Also sowas darf in unserer Gesellschaft im Jahr 2022 eigentlich nicht mehr passieren."

Auch Marion Palm-Stalp ist stark sehbehindert. Sie engagiert sich in der Selbsthilfevereinigung für Sehbehinderte Menschen "Pro Retina". Sei selbst reist immer mal wieder mit der Deutschen Bahn und machte auch gute Erfahrungen mit dem Mobilitätsservice. Doch dass man Jörg Zeimet vier Stunden im Hauptbahnhof Düsseldorf warten lies, ohne ihm den Rat zu geben, statt des gebuchten Regionalzugs einen Intercity zu nehmen, macht sie fassungslos. Noch dazu fallen jetzt Kosten von mehr als 300 Euro für das Seminar an, das Zeimet eigentlich in Paderborn hatte besuchen wollen.

Deutsche Bahn reagiert erst auf Nachfrage des SWR

Auf SWR-Nachfrage nach dem Vorfall reagiert die Deutsche Bahn, nicht auf den Brief des blinden Reisenden. Dem SWR gegenüber erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn, die ausgefallenen Züge seien nicht von der Deutschen Bahn gewesen.

"Wir bedauern, dass die Fahrt des Reisenden so unglücklich verlaufen ist."

Bei einer alternativen Verbindung über Hamm hätte die Deutsche Bahn keinen Mobilitätsservice anbieten können. Warum niemand Zeimet anbot, stattdessen ein Ticket für die Intercity-Verbindung zu kaufen, bleibt offen.

Menschen mit Behinderung werden weniger wahrgenommen

Wenn Züge Verspätung haben, sind Passagiere schnell gestresst. Sie wollen zügig aussteigen, schnell zum nächsten Gleis, um vielleicht doch noch den Anschlusszug zu erwischen.

"Das Problem ist unsere Ellenbogengesellschaft."

Für blinde Menschen ist diese Situation noch viel schlimmer, sagt Marion Palm-Stalp. Sie werden von den Mitreisenden eigentlich gar nicht wahrgenommen. Man mache da nur wenige positive Erfahrungen, sagt sie.

Vorerst keine Lust mehr auf Reisen mit der Deutschen Bahn

Jörg Zeimet wartet weiter auf eine Antwort von der Deutschen Bahn. Offen ist bisher auch, wer jetzt die Rechnung für das Seminar übernimmt. Es war seine erste Bahnreise allein als blinder Mensch. Vorerst habe er aber keine Lust, noch einmal mit der Deutschen Bahn zu fahren.

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Auch in der Region Trier seien tausende Menschen über 55 Jahre von Makula-Degeneration, kurz AMD betroffen, teilte Pro Retina mit.
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