Das Brennholz in Rheinhessen wird wegen der großen Nachfrage knapp. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Zoonar | Andreas Sonne)

Große Nachfrage, kein Nachschub

Brennholz aus Rheinhessen wird knapp

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In der aktuellen Gaskrise sind Kaminöfen der Renner - als Alternative zur Gasheizung. Aber in Rheinhessen drohen sie kalt zu bleiben, weil das Brennholz fehlt.

Die Hersteller von Kaminöfen haben aktuell volle Auftragsbücher. Manche sprechen sogar von einer regelrechten Hysterie. Schon in der Corona-Zeit haben die Ofenhersteller mehr verkauft, weil die Menschen ihre Wohnungen und Häuser renoviert und für das Home-Office ausgestattet haben - unter anderem mit Kaminöfen. Wer aber jetzt erst auf die Idee kommt, für den nächsten Winter nachzurüsten, der wird wohl leer ausgehen.

Lieferzeit für Kaminöfen sieben Monate

Bei der Firma Ofenfreund in Bad Kreuznach beispielsweise beträgt die Lieferzeit für Kaminöfen bis zu sieben Monate. Mitarbeiterin Miriam Mund berichtet, dass trotzdem jeden Tag etwa 20 Kunden anrufen. Die Firma Ofenfreund vergibt zur Beratung Termine, ähnlich wie bei Arztpraxen. Wer heute anruft, um sich beraten zu lassen, bekommt frühestens Mitte September einen Termin.

Lieferschwierigkeiten bei Ofenherstellern

Dass trotz der guten Auftragslage kein eitel Sonnenschein herrscht, liegt an den schon Monate andauernden Lieferschwierigkeiten. Der Ofenbauer Gerhard Härter aus Nieder-Hilbersheim beispielsweise bekommt derzeit nicht genug Öfen geliefert. Den Herstellern, erklärt er, fehlten Stahlbleche. Auch deshalb dauere es bei ihm ab Bestelldatum mindestens ein halbes Jahr, bis ein Kaminofen eingebaut werden könne.

Kein Brennholz mehr bei Forstamt Rheinhessen

Aber selbst, wenn die Öfen fertig sind: heizen können sie nur mit Brennstoffen wie Holz. Und das wird dieser Tage in Rheinhessen zur Mangelware. Das Brennholz aus dem Winter sei bereits verkauft, sagt Leonie Münzer vom Forstamt Rheinhessen. Und der nächste Einschlag sei erst dann möglich, wenn die Bäume ihre Blätter abgeworfen haben, also im Herbst. Und selbst dann helfe den Kunden das nicht weiter, weil frisches Holz drei Jahre lagern müsse, um zu trocknen.

Brennholzhändler weisen Aufträge ab

Die Brennholzhändler in der Region haben trockenes Holz - noch. Denn die Nachfrage sei riesig, und der Nachschub von Brennholz aus der Region bleibe aus. "Brennholz ist das neue Gold", bringt es Luzia Steigerwald, Holzhändlerin aus Mainz, auf den Punkt. Derzeit würde sie mit Anfragen überhäuft. Weil Interessenten Tag und Nacht angerufen hätten, habe ihr Sohn, der den Betrieb leitet, seine Handynummer von der Homepage genommen.

Aktuell verkauft Steigerwald nur noch an Stammkunden, neue Aufträge würden nicht mehr angenommen. Die hohe Nachfrage und das geringe Angebot haben zudem den Holzpreis nach oben schnellen lassen. Brennholz kostet heute etwa dreimal so viel wie noch im Frühjahr.

Hackschnitzel in Rheinhessen werden zur Mangelware. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Armin Weigel)
Hackschnitzel in Rheinhessen werden zur Mangelware. picture alliance/dpa | Armin Weigel

"Hackschnitzel reichen noch bis September, dann ist Schluss."

Auch beim Hackschnitzel-Händler Michael Stenner aus Essenheim gehen die Vorräte zur Neige. "Es reicht noch bis September, dann ist Schluss", sagt er dem SWR. Obwohl für die Herstellung von Hackschnitzeln vor allem minderwertiges Holz verwendet werde, seien auch bei ihm die Preise um ein Drittel gestiegen.

Neue Bestellstrategie bei Forstamt Rheinhessen

Weil regionales Holz immer mehr zur Mangelware wird, greifen manche Menschen auch zu unlauteren Mitteln, um bei Forstämtern Holz zu bekommen. Sie bestellten einfach bei mehreren Forstämtern gleichzeitig, um entsprechend mehr Holz zu bekommen, heißt es. Diese Praxis des Holz-Hamsterns hat das Forstamt Rheinhessen veranlasst, die Bestellung über die Homepage zu überarbeiten. Ab Mitte August wird es eine neue Strategie geben, die eine fairere Verteilung von Brennholz garantieren soll. Wenn es welches gibt.

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