Lithium aus Insheim (Foto: SWR)

Auf der Suche nach dem weißen Gold

Wie schnell kommt das Lithium aus der Pfalz?

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Ulrike Brandt

Die Automobilindustrie braucht es – die Pfalz hat es: Der begehrte Rohstoff Lithium könnte die Region zu einem Hotspot der Verkehrswende machen. Doch bis zu einer industriellen Förderung gibt es noch offene Fragen.

In drei Jahren soll in der Pfalz Lithium in großem Stil gewonnen werden. Vor allem ein Unternehmen, die Firma Vulcan Energie hat ehrgeizige Pläne – aber kann das auch funktionieren?

"Im Oberrhein-Graben sind wir die Hoffnung der Batterieproduktion in Europa", sagt Horst Kreuter. Er sitzt am Donnerstag in einem Besprechungscontainer am Geothermiekraftwerk in Insheim (Kreis Südliche Weinstraße) – ihm gegenüber die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP).

Lithium aus Insheim (Foto: SWR)
Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt informiert sich vor Ort über das Geothermiekraftwerk in Insheim.

Lithium der ersten fünf Jahre schon an Autoindustrie verkauft

Schmitt ist nach Insheim gekommen, um sich "über die geplante Lithium-Gewinnung zu informieren." Geschäftsführer Kreuter listet die Erfolge seiner Firma auf: "Die Lithium-Produktion der ersten fünf Jahre haben wir schon verkauft." Es gebe Abnahmeverträge mit der Autoindustrie. Vor kurzem ist der Hersteller Stellantis, zu dem unter anderem Peugeot, Opel, Citroën und Fiat gehören, mit 50 Millionen Euro in die börsennotierte Firma eingestiegen.

Genehmigungsverfahren müssten schneller werden

Vulcan Energie will bereits 2025 Lithium für eine Million Autobatterien fördern. "Um das zu erreichen, brauchen wir auch die Hilfe der Politik", sagt Kreuter zur rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin. Abgesehen davon, dass die Firma bisher nur eine kleine Pilotanlage zur Lithiumgewinnung in Betrieb hat, muss sie für eine Produktion in großem Stil neue Geothermiekraftwerke auch in der Pfalz bauen. Doch bis ein neues Kraftwerk tatsächlich in Betrieb genommen werden kann, vergehen Jahre, es braucht viele Genehmigungen.

Vulcan Energie testet sein Verfahren in der Anlage in Insheim (Foto: SWR)
Vulcan Energie testet sein Verfahren in der Anlage in Insheim.

Nach dem Gespräch sagte Wirtschaftsministerin Schmitt, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren deutschlandweit beschleunigt werden sollen. Dazu habe sich die Bundesregierung bereits entschlossen. Schmitt betonte bei dem Treffen, dass Gründlichkeit und Korrektheit genauso wichtig sein müssten wie Schnelligkeit.

Wer darf in der Pfalz nach Erdwärme und Lithium graben?

Nicht nur Vulcan Energie, auch andere Firmen, suchen in der Pfalz nach Standorten, um Erdwärme und Lithium zu gewinnen. Die Vorder- und Südpfalz ist vom Landesamt für Geologie und Bergbau aufgeteilt worden in sogenannte Aufsuchungsfelder. Das Gebiet von Kreuters Firma reicht von Ludwigshafen über Mutterstadt und Neustadt bis zur französischen Grenze. Auch die Deutsche Erdwärme beispielsweise hat Gebiete zugesprochen bekommen und die Stadtwerke von Speyer und Schifferstadt.

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Experten teilweise skeptisch - Zu wenig Forschung zur Lithiumgewinnung?

Doch während es schon Erfahrungen im Bau und Betrieb von Geothermieanlagen gibt, ist das Gewinnen von Lithium aus Geothermie etwas Neues. Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur, die zur Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gehört, stellt klar: "Es gibt bisher noch keine Firma, die das im industriellen Maßstab macht."

Laut Rohstoff-Experte Schmidt gibt es noch grundsätzliche Fragen, die rund um eine potentielle Lithiumgewinnung geklärt werden müssen: "Wo genau kommt das Lithium im Oberrhein-Graben her? Wie ist es verteilt und wie sind die Wiederauffüllraten?" Außerdem sei noch unklar, welche Förder- und Pumpraten realistisch sind. Mittlerweile gebe es zu einigen Fragen Forschungsverbundprojekte.

Auch Ulrich Blum vom wirtschaftsnahen Deutschen Lithiuminstitut sieht "noch viele offene Fragen rund um die Lithiumgewinnung in einem Geothermiekraftwerk. Mir fehlt an dieser Stelle noch die Forschung." Grundsätzlich aber sagt Ökonom Blum: "Die Energiewende hat Wertstoffketten zertrümmert. Wissenschaftler müssen nun neue Kombinationen denken und Geothermie und Lithium ist sicherlich eine davon."

Lithium aus Insheim (Foto: SWR)
Das Kraftwerk in Insheim hat bei seiner Lithiumgewinnung, ein Nebenprodukt der Geothermie, noch kein industrielles Maß erreicht.

"Modelle zeigen uns, dass wir 20 Jahre oder länger Lithium produzieren können, ohne dass es abnimmt. Denn es bildet sich immer wieder neu."

Für Vulcan Energie-Chef Horst Kreuter ist das alles gar nicht so kompliziert. "Wir haben Modelle", sagt er, "und die zeigen uns, dass wir 20 Jahre oder länger Lithium produzieren können, ohne dass es abnimmt. Denn es bildet sich immer wieder neu."

Dabei schaut Kreuter zuversichtlich – bei dem Zeitplan seines Unternehmens muss er das aber wohl auch sein.

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