Rabiat: Canna-Business - Cannabis-Mutterpflanzen (Foto: SWR, © SWR / Antoine Wendels)

Bundesregierung plant Freigabe

Cannabis-Legalisierung: Was sagen Bundespolitiker aus der Pfalz?

STAND

Die Bundesregierung will den Konsum von Cannabis legalisieren. Was halten Bundespolitiker aus der Vorder- und Südpfalz davon? Wir haben nachgefragt.

SPD, Grüne und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, "die kontrollierte Abgabe der Droge an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften" einzuführen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte im Herbst die ersten konkreten Ideen zur Umsetzung präsentiert (Eckpunkte). Der nächste Schritt wäre ein fertiger Gesetzentwurf. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Brüssel in einem sogenannten Notifizierungsverfahren (Prüfung) ein Veto gegen die deutschen Pläne einlegt, sollten diese nach Auffassung der Kommission EU-Recht und internationalem Recht widersprechen. Darauf setzt die Union, die gegen eine Legalisierung ist.

Das sagen Bundespolitiker aus der Pfalz zur geplanten Cannabis-Legalisierung:

Misbah Khan (Grüne), MdB aus dem Kreis Bad Dürkheim

Misbah Khan, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Kreis Bad Dürkheim. (Foto: ©Stefan Kaminski)
Misbah Khan, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Kreis Bad Dürkheim. ©Stefan Kaminski

"Es ist an der Zeit, dass die Legalisierung von Cannabis endlich vorangeht", fordert die grüne Bundestagsabgeordnete Misbah Khan. Die geltende Rechtslage führe zu einer unverhältnismäßigen Kriminalisierung der Konsumenten. "Mit einer Kennzeichnung des THC-Gehalts, einer Höchstmenge von 30 Gramm und einer sinnvollen Eigenbedarfsregelung für den Anbau orientieren wir uns an Ländern wie Kanada, die uns in der Cannabispolitik voraus sind. Die vorgestellten Eckpunkte aus dem Bundesgesundheitsministerium gehen hier in die richtige Richtung", so Khan.

Thomas Gebhart (CDU), MdB aus Jockgrim

Thomas Gebhart steht am Rednerpult im Bundestag (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Thomas Gebhart, CDU-Bundestagsabgeordneter aus der Pfalz Picture Alliance

CDU-Politiker Thomas Gebhart ist gegen eine Cannabis-Freigabe: "Die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken überzeugt mich nach wie vor nicht. Der Konsum von Cannabis kann - insbesondere bei Heranwachsenden - schwere Schäden hervorrufen." Der Staat würde mit einer Legalisierung ein falsches Signal senden - "gerade an junge Menschen", so Gebhart. Allerdings sei Cannabis zu Genusszwecken von medizinischem Cannabis zu unterscheiden, "das etwa zur Schmerzlinderung von Ärzten verschrieben werden kann."

Cannabis in der Apotheke (Foto: SWR, Matthias Schraub)
Matthias Schraub

Mario Brandenburg (FDP), MdB aus Rülzheim

Mario Brandenburg (FDP), Bundestagsabgeordneter aus dem südpfälzischen Rülzheim (Foto: IMAGO, IMAGO Bildnummer: 0116836612)
Mario Brandenburg (FDP), Bundestagsabgeordneter aus dem südpfälzischen Rülzheim IMAGO Bildnummer: 0116836612

"Die Legalisierung von Cannabis ist mir ein Herzensthema", teilte der FDP-Politiker auf SWR-Anfrage mit. "Es macht einfach keinen Sinn, Konsumenten zu kriminalisieren und im Gegenzug mafiösen Strukturen Einnahmequellen zu sichern." Mit einer kontrollierten Abgabe würde die Polizei entlastet, die Weitergabe von verunreinigten Substanzen beschränkt und der Jugendschutz eingehalten.

Tobias Lindner (Grüne) aus Wörth

Tobias Lindner (Grüne) (Foto: 1000)
1000

Tobias Lindner, Grünen-Bundespolitiker aus Wörth, befürwortet eine kontrollierte Angabe von Cannabis an Erwachsene: "Damit wird auch die Kriminalisierung von Millionen Konsumierender endlich beendet", so der südpfälzische Bundespolitiker gegenüber dem SWR. Eine Legalisierung verbessere den Gesundheitsschutz für Konsumierende, so Lindner, und trage zu einem verbesserten Jugendschutz bei. Außerdem würde so der Schwarzmarkt eingedämmt.

Drogenpolitik Cannabis legalisieren – PRO und CONTRA aus wissenschaftlicher Sicht

Jetzt wurde erste Eckpunkte eines Gesetzesentwurfs zur Legalisierung von Cannabis veröffentlicht. Ist eine Legalisierung von Cannabis aus wissenschaftlicher Sicht vertretbar? 

Isabel Mackensen-Geis (SPD), MdB aus dem Wahlkreis Neustadt-Speyer

Isabel Mackensen-Geis Politikerin (Foto: IMAGO, IMAGO Bildnummer: 0147688811)
IMAGO Bildnummer: 0147688811

"Mir sind bei einer Entkriminalisierung klare Regeln, eine bundesweite Vereinheitlichung sowie professionelle Strukturen wichtig", teilte die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis dem SWR mit. Sie lehne allerdings eine grundsätzliche und vollständige Legalisierung ab, "also zum Beispiel den Verkauf von Cannabis im Supermarkt oder am Kiosk". Auch der Handel oder der gewerbsmäßige Anbau von Cannabis sollte, so Mackensen-Geis, Privatpersonen weiterhin verboten bleiben. 

Armin Grau (Grüne), MdB aus Ludwigshafen-Frankenthal

Für die Grünen Rheinland-Pfalz ist Armin Grau im Bundestag. (Foto: Gruene-Rlp.de)
Armin Grau besetzt den vierten der fünf Plätze im Bundestag, die die Grünen in Rheinland-Pfalz gewonnen haben. In seinem Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal konnte er 11,2 Prozent der Stimmen gewinnen. Gruene-Rlp.de

Auch Grünen-Bundespolitiker Armin Grau spricht sich für die Cannabis-Legalisierung aus. Das diene dem Verbraucherschutz: "Denn durch offizielle Stellen ausgegebenes Cannabis wird auf seine Inhaltsstoffe hin kontrolliert und ist dadurch sehr viel sicherer als das auf den aktuellen Märkten gehandelte Cannabis. Dadurch besteht die gute Chance, die SChwarzmärkte auszutrocknen", so Grau.

USA New York hat den ersten Cannabis-Shop

In der US-Großstadt kann man jetzt legal Gras kaufen. Die erste offiziell genehmigte Verkaufsstelle gibts in Manhattan.

DASDING DASDING

Thomas Hitschler (SPD), MdB aus Hainfeld

Thomas Hitschler auf SPD-Landesparteitag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)
Rheinland-pfälzischer Sozialdemokrat Thomas Hitschler auf Listenplatz 1 picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

"Eine lizenzierte und kontrollierte Abgabe von Cannabis hätte zur Folge, dass die Justiz entlastet wird, der Anbau von Cannabis kontrolliert möglich wäre und einige der schwersten gesundheitlichen Risiken reduziert würden", teilte der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler dem SWR auf Anfrage mit. Ein verantwortungsbewusster Gebrauch durch die Konsumentinnen und Konsumenten sei aber wichtig: "Jeder muss sich bewusst sein, dass sich auch legale Drogen negativ auf den Körper auswirken können."

Christian Schreider (SPD), MdB aus Ludwigshafen

Der SPD-Poltiker Christian Schreider (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Christian Schreider setzte sich im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal deutlich gegen seine Mitkandidierenden durch. Der Wahlkreis entsendet mit ihm einen SPD-Politiker als Direktmandat in den Bundestag. Picture Alliance

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Schreider aus Ludwigshafen ist für eine Freigabe von Cannabis unter zwei Bedingungen: "Zuallererst sollte der Verkauf nur unter lizenzierten Bedingungen erfolgen und auch der Konsum einen guten rechtlichen Rahmen bekommen. Auch einen Mindestabstand zu Schulen, Kitas oder Spielplätzen vorzuschreiben, sei wichtig. Durch die Freigabe würde der Schwarzmarkt eingedämmt, kriminelle Strukturen zurückgedrängt und die Strafverfolgung entlastet. "Das macht Kapazitäten frei, die wir andernorts besser gebrauchen können."

RLP

Pläne der Bundesregierung Cannabis-Freigabe - Chance oder Gefahr? Reaktionen aus Rheinland-Pfalz

Die Reaktionen in Rheinland-Pfalz zum Plan der Legalisierung von Cannabis fallen unterschiedlich aus. Während Apotheken sich zum Teil kritisch äußern, sprechen Suchtberater von einer "Chance".

Der Tag in RLP SWR1 Rheinland-Pfalz

Baden-Württemberg

Gefahr durch Cannabinoide Mehr psychische Störungen wegen Cannabis - kann Legalisierung helfen?

Horrortrips, Depressionen: Immer mehr Menschen landen nach dem Konsum von Cannabis im Krankenhaus. Ist die geplante Legalisierung eine gute Idee?

Zwei Minuten: Unsere Kolumne zum Wochenende Ampel und Cannabis – berauschende Aussichten

Die Verhandler von SPD, Grünen und FDP haben eine erste Gemeinsamkeit gefunden: die Legalisierung von Cannabis. Das ist möglicherweise kein Zufall, sondern Teil eines Plans – meint Pascal Fournier in seiner Kolumne.

STAND
AUTOR/IN
SWR