Hinter einem Hafensteg am Rhein stehen auf dem Werksgelände des Chemiekonzerns BASF Behälter mit der Aufschrift "BASF". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Gestiegene Kosten an Kunden weitergegeben

Wie die BASF in der Energiekrise Gewinne macht

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Sabine Geipel

Der Chemiekonzern BASF rechnet für dieses Jahr mit mehr Umsatz und Gewinn. Deutschlands größer Gasverbraucher hat gestiegene Kosten an seine Kunden weitergeben.

Mit einem Jahreserlös zwischen 86 und 89 Milliarden Euro rechnet man nun bei BASF. Zuvor war der Ludwigshafener Konzern von bis zu 77 Milliarden Euro für 2022 ausgegangen.

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Auch der operative Gewinn soll den Annahmen zufolge leicht höher ausfallen als gedacht und am Ende des Jahres zwischen 6,8 und 7,2 Milliarden Euro liegen.

Grund für die neue Prognose: Die Geschäfte im ersten Halbjahr sind unerwartet gut gelaufen. Der BASF-Konzern hat bis Juni rund 46 Milliarden Euro umgesetzt. Das sind fast 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Gründe für die guten Zahlen 

Einmal hat es die BASF geschafft, die höheren Preise, die die BASF selbst für Energie und auch für Rohstoffe zuletzt zahlen musste, an ihre Kunden weiter zugeben. Also ihre Produkte sind teurer geworden und dadurch hat der Konzern mehr Umsatz gemacht. Zweitens: Die BASF konnte vom starken Dollar profitieren. Besonders in Nordamerika machte Konzern mit seiner Agrarsparte, dem Pflanzenschutz, gute Geschäfte. Drittens ist es insgesamt auch so, dass die Nachfrage nach den Produkten der BASF weiter hoch ist, obwohl die Autoproduktion etwas zurückgegangen ist und trotz des Lockdowns in China.

Standorte außerhalb Europas sollen im Notfall bei Gasmangel aushelfen

Die Gasmangellage in Folge des Ukraine-Kriegs bleibt aber weiter ein hohes Risiko für das Unternehmen. BASF gilt als größter industrieller Gasverbraucher in Deutschland. Sollte es zu Produktionsunterbrechungen an europäischen BASF-Standorten kommen, setzt man darauf, diese durch eine höhere Auslastung an Standorten außerhalb Europas teilweise ausgleichen zu können.

Öl statt Gas und Grundstoffe nicht alle mehr selbst machen

Es werden seit Wochen diverse Szenarien durchgespielt. Für das Werk in Ludwigshafen gibt es einen Sonderalarmplan Gas. BASF-Chef Brudermüller hat deutlich gemacht: Stand jetzt bekommen alle europäischen Standorte, so auch Ludwigshafen, genügend Gas. Wenn das Gas knapp werden sollte, dann gibt es verschiedene Maßnahmen: Einmal, in dem man Heizöl als Ersatz nutzt. Oder in dem man etwa die Ammoniak-Produktion herunterfährt. Die Ammoniak-Produktion ist ein Riesen-Gas-Verbraucher in Ludwigshafen. Dieser wichtige Grundstoff könnte extern zugekauft werden. Und dann setzt man bei der BASF noch ganz stark auf die Bundesregierung – also dass, wenn die Gasnotfallstufe in Deutschland ausgerufen werden sollte, auch die BASF noch genügend Gas bekommt. Da hieß es bislang, dass wenn die Gasversorgung dauerhaft unter 50 Prozent sinkt, die Produktion in Ludwigshafen herunter gefahren müsste. Jetzt ist man zuversichtlich, dass der Betrieb dann doch aufrechterhalten werden kann. 

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