Michael Lenz vor seinem Hotel Central in der Innenstadt von Bad Neuenahr, direkt an der Ahr. (Foto: SWR)

Handwerkermangel, komplizierte ISB-Anträge, fehlende Baugenehmigungen

Viele Probleme behindern Hotel-Wiederaufbau im Ahrtal

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Constantin Pläcking
SWR-Reporter Constantin Pläcking aus dem Studio Koblenz. (Foto: SWR)

Viele Hotels und Gaststätten im Ahrtal haben bis heute noch nicht wieder eröffnet. Die von der Flut betroffenen Häuser stehen oft noch im Rohbau. Die Gründe sind vielfältig.

"Im Ahrtal mangelt es an allem", sagt Günther Uhl, der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) im Kreis Ahrweiler. Die meisten von der Flut betroffenen Hotels würden noch im Rohbau stehen. An eine baldige Eröffnung sei deshalb nicht zu denken. Die Hauptprobleme seien: Handwerker- und Baustoffmangel, fehlende Baugenehmigungen und die Anträge auf Geld von der Investitions- und Strukturbank des Landes, ISB.

Handwerker für Arbeiten im Ahrtal sind schwer zu finden

Bei Michael Lenz vom Hotel Central in Bad Neuenahr sind es vor allem die Handwerker. Bei ihm ist gerade der Estrich verlegt worden, aber jetzt geht es nicht weiter: Sein Elektriker habe sehr viele Aufträge und könne erst in ein paar Monaten zu ihm kommen. Außerdem sei noch nicht genau klar, wann der neue Aufzug eingebaut werden könne.

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Die Verzögerungen führen für Lenz noch zu einem weiteren Problem: Er hat nach eigenen Angaben bereits von der Versicherung einen großen Teil des Geldes bekommen, kann es aber nicht ausgeben. "Ich hatte letztes Jahr das umsatzstärkste Jahr seit Bestehen des Hotels. Ich müsste diese Versicherungsgelder jetzt versteuern", sagt Lenz verständnislos und bezieht sich dabei auf Aussagen seines Steuerberaters.

Anträge auf Staatshilfen sind kompliziert

Yvonne Neiss vom Hotel Lindenmühle in Ahrweiler hat dieses Problem zwar nicht - dafür aber andere, denn sie war nicht versichert. Sie musste also Geld vom Staat beantragen, über die Investitions- und Strukturbank (ISB). Inzwischen habe sie Geld bekommen, doch das Antragsverfahren sei extrem nervenaufreibend gewesen.

Nur mit Hilfe eines Experten aus dem Freundeskreis habe es überhaupt geklappt. Dieser habe Neiss aber gesagt, das sie ihm "so einen Scheiß" nicht nochmal bringen brauche. Er und ein befreundeter IT-Fachmann hätten das Formular und das Programm am Ende aber geknackt. Die ISB sagt inzwischen, dass da auch nachgebessert worden sei.

Wilfried Schmitz vom Restaurant Wurstkessel in Altenahr mit Landeswirtschaftsministerin Schmitt auf der Baustelle des Restaurants. (Foto: SWR)
Wilfried Schmitz vom Restaurant Wurstkessel in Altenahr mit Landeswirtschaftsministerin Schmitt auf der Baustelle des Restaurants.

Baugenehmigungen brauchen lange

Baugenehmigungen sind ein weiteres Problem für viele Hotels, meint der DEHOGA-Kreisvorsitzende Günther Uhl. Ein Beispiel ist das Restaurant Wurstkessel in Altenahr. Der Besitzer klagte bei einem Termin Ende Juli in Anwesenheit der rheinland-pfälzischen Landeswirtschaftsminsterin Daniela Schmitt (FDP) über die fehlende Genehmigung für eine Toilette. Er erklärte damals, dass sonst fast alles fertig sei, nur hier gebe es Verzögerungen.

Die Kreisverwaltung gibt auf Anfrage des SWR an, dass die Genehmigung den Bauherren "in den nächsten Tagen" zugehen werde. Uhl sieht in diesem Beispiel die Bestätigung dafür, dass die Kreisverwaltung überlastet sei. Er verstehe das zwar, betont aber auch: "Helfen tut uns das nicht".

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