Eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin hat beim Prozess in Koblenz ausgesagt. (Foto: SWR)

27-Jährige aus Idar-Oberstein angeklagt

Mutmaßliche IS-Rückkehrerin sagt in Koblenz vor Gericht aus

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Die mutmaßliche IS-Rückkehrerin, die sich seit vergangener Woche vor dem Oberlandesgericht (OLG) Koblenz verantworten muss, hat nun ausgesagt. Vor Gericht schilderte sie ihre Zeit in Syrien.

Den ganzen Tag las die 27-Jährige einen vorbereiteten Text über ihr Leben vor und beantwortete Fragen des Gerichts. So sagte sie unter anderem, dass sie sich seit dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2012 immer weiter radikalisiert habe. Sie habe Videos von salafistischen Predigern geschaut und sich fortan voll verschleiert. Vor Gericht trug sie ihre Aussagen ruhig vor. Sie machte allerdings immer wieder Pausen, brach mehrfach in Tränen aus.

Angeklagte fuhr über die Türkei nach Syrien

Vor dem Oberlandesgericht sagte die in Idar-Oberstein und Bad Kreuznach aufgewachsene Frau aus, dass sie 2014 nach Syrien ging. Zu dem Zeitpunkt habe sie keine Ziele im Leben gehabt. Die Reise habe sie gemeinsam mit ihrem Bruder organisiert. Demnach war sie gemeinsam mit ihm, seiner Frau und einer Schwester in die Türkei geflogen und von dort über die Grenze ins Nachbarland gefahren. Besonders am Anfang habe sie den Krieg in Syrien nicht wahrgenommen. "Mir schien die Welt dort friedlich", sagte sie.

In Syrien habe sie zunächst in einem Frauenhaus der Terrororganisation IS gelebt, das sie ohne Erlaubnis nicht verlassen durfte. Laut ihrer Aussage hat ihr Bruder innerhalb weniger Wochen eine Ehe mit einem IS-Kämpfer arrangiert, aus der auch ein Kind hervorgegangen sei. Wie die Angeklagte sagte, starb ihr erster Mann noch vor der Geburt des Kindes. Daraufhin habe sie von der Terrororganisation eine Witwenrente erhalten. Danach sei sie noch zweimal verheiratet worden.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Mitglied des sogenannten IS gewesen

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem vor, Mitglied in einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Das zeigt sich laut Anklage auch dadurch, dass sie den Haushalt für ihre insgesamt drei Ehemänner in Syrien geführt habe. So soll sie ihnen ermöglicht haben, für die Terrororganisation IS zu kämpfen. Außerdem habe sie die Ideologie der Organisation nach Außen verbreitet.

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