Am OLG startet ein Prozess gegen eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin aus Idar-Oberstein. (Foto: SWR)

OLG-Prozess gegen 27-Jährige aus Idar-Oberstein

Mutmaßliche IS-Rückkehrerin: Angeklagte will aussagen

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Die 27-jährige Frau, die sich seit heute vor dem OLG in Koblenz wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten muss, will eine Aussage machen.

Am ersten Prozesstag kündigte die Angeklagte Sarah B. vor dem Oberlandesgericht Koblenz an, dass sie selbst etwas zu ihrem Werdegang und dem Tatvorwurf sagen werde - aber nicht heute. Die mutmaßliche IS-Rückkehrerin sitzt seit fünf Monaten in Koblenz in Untersuchungshaft. Dort gehe es ihr gut, sagte die Angeklagte, deren Vater bei der Verhandlung auch im Gerichtssal anwesend war. Er sagte dem Gericht allerdings, dass er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen und während des Verfahrens nicht aussagen werde.

Nach Angaben des Oberlandesgerichts soll Sarah B. freiwillig Mitglied des Islamischen Staates (IS) gewesen sein und das von September 2014 bis Februar 2019. Laut Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz soll die Angeklagte zusammen mit ihrem Bruder, dessen Ehefrau sowie ihrer zu diesem Zeitpunkt 14-jährigen Schwester von Deutschland in die Türkei gereist sein.

Angeklagte soll mit insgesamt drei IS-Kämpfern verheiratetet gewesen sein

Von dort soll sie nach Syrien gereist sein und sich dem IS angeschlossen haben. Ende 2014 soll die 27-Jährige nach Angaben des OLG einen Angehörigen der Vereinigung geheiratet haben. Der Ehemann der Angeklagten soll Anfang 2015 im Zuge von Kämpfen im Norden von Syrien bei einem Bombenangriff getötet worden sein. Im Verlauf des Jahres 2015 brachte die Angeklagte aus dieser Beziehung eine Tochter zur Welt.

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Im Frühjahr 2016 habe die Angeklagte laut Anklageschrift erneut geheiratet. Ihr zweiter Ehemann sei ebenfalls Kämpfer des IS gewesen. Von diesem habe sich die Angeklagte allerdings nach zehn Tagen wieder scheiden lassen. Im Sommer 2016 habe die Angeklagte ein drittes Mal geheiratet. Ihr Ehemann sei ebenfalls Angehöriger des IS gewesen, jedoch sei er kurze Zeit nach der Eheschließung infolge von Kampfhandlungen verstorben. Aus dieser Ehe habe die Angeklagte im August einen Sohn zur Welt gebracht, der aber wenige Tage nach der Geburt gestorben sei.

Die 27-Jährige soll unter anderem die Ideologie des IS verbreitet haben

In der darauffolgenden Zeit soll die Angeklagte zusammen mit ihrer Schwester und anderen Angehörigen der Vereinigung zusammengelebt haben. Ende Februar 2019 soll die 27-Jährige von kurdischen Kräften aufgegriffen und in einem Lager inhaftiert gewesen sein. Dadurch das die Angeklagte den Haushalt für ihre Ehemänner geführt habe, habe sie es ihnen ermöglicht, ihren Beitrag für die terroristische Vereinigung zu erbringen. Zudem habe die Frau von Syrien aus die Ideologie des IS verbreitet, so das Oberlandesgericht.

Nach Angaben des Oberlandesgerichts soll die Angeklagte zur Ausreise in das vom IS ausgerufene Kalifat aufgefordert haben, die Gräueltaten des IS gerechtfertigt und die Tötung der "Ungläubigen" gefordert haben.

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