Das Gelände der Lorely-Freilichtbühne, der halbrundgeschwungene und leicht zur Bühne abfallende Zuschauerbereich und die Bühne mit dem Kuppeldach - alles menschenleer (Foto: SWR)

Streit zwischen Pächter und Stadt Sankt Goarshausen

Rechtsstreit um Loreley-Bühne: Kein Vergleich in Sicht

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Im Rechtsstreit um die Loreley-Freilichtbühne haben alle Beteiligten über Monate hinter verschlossenen Türen beraten und verhandelt. Gebracht hat es offenbar nichts. Der Vergleich ist geplatzt.

Das gab nun der Verbandsgemeindebürgermeister Mike Weiland (SPD) bekannt. In der nicht öffentlichen Sitzung des Verbandsgemeinderats am Dienstagabend hat sich demnach der Rat gegen den Plan entschieden, dass die Loreley-Touristik GmbH einspringt - und zwar als Betreiberin oder auch als Unterpächterin der Bühne. Laut Weiland verlief die Abstimmung dagegen mit sehr deutlicher Mehrheit, mit nur einer Gegenstimme und drei Enthaltungen.

Loreley-Freilichtbühne scheint keine Befürworter zu haben

Seit Jahren streiten sich der Pächter der Freilichtbühne und die Stadt Sankt Goarshausen um nicht gezahlte Pacht. Diese hatte der Pächter nach der Sanierung der Freilichtbühne eingestellt. Er begründet es damit, dass die Sanierung technisch mangelhaft durchgeführt worden sei.

Vergleich für die Bühne wie ein Kartenhaus zusammengefallen

Als das Oberlandesgericht Koblenz Ende September 2021 in dieser Sache vor Ort auf der Bühne verhandelte, war von einer einmaligen historischen Chance die Rede, um den Streit mit einem Vergleich zu befrieden. Der ausgehandelte Vergleich sah laut Bürgermeister Weiland zunächst vor, dass die Bundesgartenschau 2029 als neue Vertragspartnerin die Bühne übernimmt. Damit wären auch die Kosten des Vergleichs geregelt gewesen und so hätte das zerrüttete Pachtverhältnis einvernehmlich aufgelöst werden können.

Kurz vor der dazu nötigen Vertragsunterzeichnung starb jedoch Berthold Stückle, der Geschäftsführer der BUGA 2029. Der Vertrag kam nicht zustande, diese Lösung war also vom Tisch. Denn bis heute hat die BUGA noch keinen neuen Geschäftsführer und wird nur interimsmäßig geführt.

Auch Plan B half der Loreley-Bühne nicht

Alternativ erwog nun die Verbandsgemeinde Loreley mit ihrer Loreley-Touristik GmbH einzuspringen. Dazu holte die Verwaltung ein Gutachten ein. Es sollte klären, wie und ob diese Idee für die Kommune und den Pächter kostendeckend wäre. Schließlich ist die Verbandsgemeinde Loreley mit 94 Prozent Hauptgesellschafterin der Loreley-Touristik GmbH. Doch das Ergebnis war offenbar negativ. Dieses Risiko wolle man nicht eingehen, so Bürgermeister Mike Weiland.

"Dieses Risiko kann die Verbandsgemeinde mit Blick auf die Ausgaben der Loreley Touristik GmbH, die möglicherweise als Unterverpächter gegenüber einem Dritten oder auch selbst als Betreiber aufgetreten wäre (...) nicht eingehen, auch wenn dies die Entwicklung der Region betrifft.“

Menschen stehen auf der Freilichtbühne Loreley, kurz vor Beginn der Gerichtsverhandlung (Foto: SWR)
Ende September 2021 lud das Oberlandesgericht zur Verhandlung auf die Freilichtbühne Loreley. Neben den Streitparteien war auch bereits ein Gutachter dabei, mit dem sich alle Beteiligten das Gelände anschauten.

Gutachten und Urteil statt Vergleich

Als nächstes erwartet das Oberlandesgericht nach eigenen Angaben noch im Mai den Bericht eines Gutachters. Der Gutachter soll klären, ob durch die Sanierung der Freilichtbühne Loreley tatsächlich Mängel an der Bühnenanlage und Technik entstanden sind, wie vom Pächter beanstandet. Mitte September 2022 werde das Oberlandesgericht in dieser Sache weiterverhandeln. Zwei bis drei Wochen später, so heißt es vom Vorsitzenden Richter, gebe es dann eine Entscheidung.

Die VG Loreley hat den Ball zurückgespielt an die Stadt Sankt Goarshausen

Die Stadt Sankt Goarshausen als Eigentümerin der Freililchtbühne Loreley sagte auf SWR Anfrage, unabhängig vom jetzigen Stand sei man weiter an einem Vergleich interessiert. Dazu seien nun unter politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten Gespräche nötig. Konkreter wurde Stadtbürgermeister Nico Busch (SPD) nicht. Es hieß, der Ball sei wieder in ihrem Feld, man sehe sich in der Pflicht und sei sich der Bedeutung der Freilichtbühne für die Stadt, für die Region und auch für die BUGA 2029 bewusst und man müsse gemeinsam an einem Vergleich arbeiten.

Und der Pächter der Freilichtbühne?

Auch der Pächter der Freilichtbühne Loreley hatte den Verhandlungen für eine gütliche Einigung zugestimmt. Ob er weiter auch nach dem Aus für eine Lösung mit BUGA oder Verbandsgemeinde an den Vergleichsverhandlungen fest hält, ist unklar. Er hat sich auf SWR-Anfrage bislang nicht geäußert.

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